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Buchcover: Christopher Edge: Albie Bright

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Albie Bright von Christopher Edge

erschienen bei Thienemann

geeignet für Kinder im Alter ab 11 Jahren

Albies Mutter ist an Krebs gestorben. Sie war eine erfolgreiche Wissenschaftlerin und hat ihrem Sohn viel mitgegeben über ihr Fachgebiet der Quantenphysik. Und so grübelt der Junge darüber, ob es Paralleluniversen gibt. Paralleluniversen, in denen seine Mutter vielleicht nicht krank und tot ist, sondern lebt? Dann probiert er es einfach aus.

Albert Stephen Bright ist benannt nach den Lieblingswissenschaftlern seiner Eltern: Albert Einstein und Stephen Hawking. Aber er wird von allen nur Albie genannt. Seine Eltern sind beide erfolgreiche Wissenschaftler, sie erforschen Kernenergie und Quantenphysik. Besser gesagt, Albies Mutter war erfolgreiche Wissenschaftlerin, denn das Buch beginnt mit ihrer Beerdigung.

Was zunächst nach einem unterhaltsam-informativen Wissenschaftsroman aussieht, wird ganz schnell zu einem emotionalen Familiendrama. Ein Drama, in dem schwarze Löcher, Teilchenphysik und Astronomie allerdings nach wie vor eine wichtige Rolle spielen: Albie weiß von seinen Eltern eine Menge über das Thema und plant, in eine parallele Realität zu reisen, in der seine Mutter noch am Leben ist. Aus einem Umzugskarton, einem Messgerät für Radioaktivität und einer Banane plus der Nachbarskatze bastelt sich Albie eine Quanten-Bananen-Maschine um zwischen den verschiedenen Universen hin und her zu reisen. Er werkelt, flucht und hadert dabei mit seinem Leben, seinem Vater, der in die Arbeit flüchtet, und seinem Großvater, der seine Trauer in Wutanfällen verarbeitet. Dies ist durchaus auch ein Weg, mit der Situation umzugehen, was das Kind da macht. Aber dann klappt es tatsächlich: Die Maschine funktioniert und Albie reist von Universum zu Universum. Und trifft einen Albie nach dem anderen.

Jede Welt ist ein bisschen anders, aber doch in einem entscheidenden Punkt gleich: einer, besser gesagt eine, fehlt. Einmal ist die Mutter schon vor langer Zeit gestorben, einmal bei einem Autounfall ums Leben gekommen, seitdem ihr Kind im Rollstuhl sitzt. Einmal ist die Familie – mutterlos, klar – und arm, der Vater kein berühmter Energieforscher, sondern Kohlebergmann. Aber mit viel Zeit für seinen Sohn, was der erste Albie sich immer gewünscht hat. Im nächsten Universum trifft er tatsächlich seine Mutter: die erschreckt sich und ist dann freudig erstaunt, denn in diesem Universum ist er, Albie, derjenige der fehlt, da er schon als kleines Baby gestorben ist. Jetzt ist seine Mama wieder schwanger, mit einem Mädchen. Einer Schwester, die er und die anderen Albies in ihren jeweiligen Leben nie haben werden.

Ein bisschen macht es das Schicksal des eigentlichen Albies erträglicher, weil es ja genauso unreal ist wie all die anderen Schicksale in den Paralleluniversen. Gleichzeitig macht es ihn aber noch trauriger, da es in den anderen möglichen Welten ebenfalls keine Hoffnung gibt, die Mutter zurück zu bekommen. Klar, das Leben geht weiter, das erlebt er auch in all den anderen Universen, in denen „seine“ Mutter schon länger tot ist. Und auch Albies Leben wird weitergehen. SEIN Leben. Aber in seiner eigenen Wirklichkeit, mit seiner eigenen Trauer, seinem Vater, seinen Möglichkeiten. Dahin muss er zurück und das macht er dann auch.

Fazit:

Die Geschichte um Albie und seine quantenphysikalische Suche nach der toten Mutter braucht, bis sie Fahrt aufnimmt. Dann ist sie aber spannend, auch mit Humor, traurig, ernüchternd, zugleich aber auch lehrreich und informativ, lässt auch mal den Kopf rauchen. Die Logik passt zwar nicht immer so ganz, aber das Thema ist umso faszinierender. Somit eignet sich das Buch gut für viel-lesende Kinder, die keine Scheu haben, sich intensiver mit diesem Thema beschäftigen – und auch bei einem anspruchsvollen Buch die Lust am Weiterlesen behalten.

Sigrid Tinz

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