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Buchcover: Francesca Cosanti: Der Feuerreifen

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Der Feuerreifen von Francesca Cosanti

erschienen bei Aracari

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

[ab 5 Jahren]

Ein wagemutiger Löwe bricht aus der Gefangenschaft aus und begibt sich auf eine abenteuerliche Suche nach dem Glück.

Der Löwe arbeitet in einem sehr berühmten Zirkus. Die Leute sehen den Artisten, dem Pony und den Clowns gern zu, aber am meisten wird der Löwe bejubelt. Jeden Abend springt er elegant und kraftvoll durch den Feuerreifen und erntet dafür tosenden Applaus. Aber der Löwe ist traurig. Zwar bereist er mit dem Zirkus die ganze Welt, doch richtig etwas von ihr gesehen hat er nicht. Daher fasst er sich eines Abends ein Herz und nimmt Reißaus, um endlich die Welt erkunden zu können. Mit dem Flugzeug reist er zuerst nach London, wo ihm auch der Regen die gute Laune über seine neu gewonnene Freiheit nicht verderben kann. Doch als er ein Loch in der Straße sieht, kann er nicht anders und springt hinein – um in der Kanalisation zu landen. „So hatte sich der Löwe die Freiheit nicht vorgestellt.“, aber vielleicht läuft es in Paris besser. Doch auch hier springt der Löwe zwanghaft über Verkehrsschilder, die ihn an den Feuerreifen erinnern und fühlt sich furchtbar einsam. Auch in Rom, Prag und Madrid ergeht es ihm nicht besser. Und in New York verschluckt er gar aus Versehen ein kleines Mädchen, nur weil es gerade durch einen Hula-Hopp-Reifen gesprungen ist. Oh je! Traurig besteigt der Löwe das nächste Flugzeug, um nach vielen Stunden unter einem riesigen, warmen Sonnenreifen auszusteigen. Und obwohl dieser viel zu weit für ihn entfernt ist, genießt er dessen Wärme. Und als er sich genauer umsieht, entdeckt der Löwe rings um ihn herum andere Löwen und weiß, dass er endlich zu Hause angekommen ist.

„Der Feuerreifen“ von Francesca Cosanti entführt den Leser in eine ansprechende Erzählung über die Suche nach dem Glück, über die Suche nach Heimat und Geborgenheit. Eine Besonderheit des Buches ist zweifellos, dass es zwei Lesarten zulässt. Für jüngere Leser wird vor allem die reine abenteuerliche Handlung im Vordergrund stehen, ein Löwe, der aus dem Zirkus ausbricht, viele Abenteuer erlebt und schließlich endlich seine Freunde und sein zu Hause findet.

Darüber hinaus gibt es aber noch eine weitere Bedeutungsebene, die, auf der ältere Leser den Löwen als Sinnbild für den modernen und getriebenen Menschen sehen können, der ständig auf der Suche ist und, wenn er Glück hat, nach langer Suche seinen Frieden findet. Der Löwe als Namenloser auf der Suche nach einem besseren Leben berührt insofern, als dass er als König der Tiere, als machtvolles und kräftiges Tier zunächst unterdrückt und anschließend auf einer steinigen Suche beschrieben wird. Aber sie zeigt auch, dass Alltag, Erfahrung und Routine sich nicht ohne weiteres abschütteln lassen und Freiheit auch bedrohlich und verängstigend sein kann. Gerade die Konditionierung des Löwen, sein lange anhaltender Zwang durch alles Kreisförmige springen zu müssen, verdeutlicht eindrucksvoll, dass er sehr lange sehr großem Druck ausgesetzt war, dass die aufdoktrinierte Gewohnheit noch tief in ihm steckt und er erst lernen muss, mit seiner neuen Freiheit umzugehen, doch schlussendlich die heiß ersehnte Freiheit findet.

Dabei fällt vor allem die Vermischung von menschlichen und tierischen Zügen auf. Zum einen springt der Löwe als Zirkustier durch Feuerreifen, zum anderen besteigt er mit anderen Menschen Flugzeuge, bereist die Welt und besichtigt die Sehenswürdigkeiten der Metropolen. Gerade diese Verbindung lässt das Schicksal des Löwen real und menschlich erscheinen und dadurch sein Leid und seine Freude sehr gut nach empfinden. Dabei ist die Botschaft ganz klar: der Weg zum eigenen Glück mag lang und steinig sein, doch er lohnt, gegangen zu werden.

Trotz der anspruchsvollen Thematik ist es Francesca Cosanti gelungen, eine leichte und kindgerechte Sprache für die Vermittlung der Handlung zu finden. Darin sind die Gedanken des Löwen ebenso eingebaut wie rein erzählende Passagen. Die Textlänge ist mit wenigen Sätzen pro Seite auf das Lesealter angepasst und transportiert stringent den Handlungsverlauf.

Die Illustrationen unterstreichen die permanente Suche des Löwen hervorragend, in dem allen Bildern eine gewisse Hektik durch sehr viel gezeigte Bewegung inne wohnt. Doch egal in welcher Umgebung und gleich, wie groß oder klein der Löwe auf dem Bild zu sehen ist, er dominiert mit seinem leuchtend gelben Fell und der imposanten Mähne die Illustration und steht auch hier immer im Mittelpunkt der Handlung. Erst auf der letzten Seite sieht der Leser den Löwen entspannt unter der Sonne liegen und setzt damit einen Kontrapunkt zu vorhergehenden Dynamik.

Fazit:

Ein beeindruckendes Buch, welches mit wenigen Mitteln deutlich vor Augen führt, wie wichtig Heimat, Glück und Freiheit für jedes Lebewesen ist.

Claudia Goldammer

 

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