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Buchcover: Jorien de Bruijn: Villa Proppenvoll

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Villa Proppenvoll von Jorien de Bruijn

erschienen bei Cecilie Dressler

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

Eine Überraschung der unangenehmen Art erlebt die Familie Fonda, als sie von einem Kurzurlaub in ihre große Villa zurückkehrt. Dort hat sich nämlich inzwischen die vierköpfige Familie Kooi mit ihren sieben Labradors niedergelassen. Der Einzige, der diese Situation wirklich witzig findet, ist Morris, der 11- jährige tierbegeisterte Sohn der Fondas. Sieben Hunde, vier Koois und vier Fondas machen aus einer zu großen Villa eine proppenvolle Villa.

Wieder einmal zieht die Familie Fonda um und wie immer hat auch dieser Umzug mit einer neuen Geschäftsidee des Vaters zu tun. Dieses Mal meinen die Eltern, die von ihren Kindern nur Alma und Hermann genannt werden wollen, dass zu dem neuen Geschäft von Hermann eine repräsentable Villa passend wäre. Schließlich werden sie in anderen Kreisen verkehren und luxusverwöhnte Gäste empfangen.

Für die Kinder Morris und Mercedes bedeutet das ein Schulwechsel. Morris ist das ziemlich egal, denn Schule beibt
Schule. Außerdem hat er keine Freunde und braucht auch keine. Morris zieht sich am liebsten in sein mit Pinnwänden gefülltes Zimmer zurück, um Tierzeitschriften zu wälzen oder am Computer zu sitzen. Morris Welt sind die Tiere. Oft schreibt er Zoos an und bittet um Informationen und Bilder vieler Tiere. Zu gern hätte er ein Haustier und träumt von einem Teich, in dem er Frösche züchten kann.

Das neue Zuhause, die zweigeschossige Villa mit einem prächtigen Garten hat wieder keinen Teich. Die Villa ist riesig, so dass die Zimmer der oberen Etage leer bleiben.

Morris und Mercedes reden wenig miteinander. Mercedes treibt viel Sport und ist ständig unterwegs. Ihre Mutter, Alma, die Hausfrau ist, muss sie überall hinfahren.

Frida, eine nette und zugleich sehr schüchterne Mitschülerin von Morris aus der neuen Schule, kommt aus ganz anderen sozialen Verhältnissen. Ihre Familie, die Koois, leben auf der anderen Seite der Bahnlinie. Hier stehen die Häuser dicht beieinander, haben keine Gärten, sehen zum Teil sehr schäbig aus und die Gehwege haben lose Platten. Die wenigsten Leute im Haus nehmen Rücksicht auf Fridas blinde Mutter, die den ganzen Tag mit den sieben Lambradors zu Hause sitzt. Sobald Frida daheim ist, kümmert sie sich um die Hunde. Mit den Hunden fühlt sie sich am wohlsten. Manchmal hilft ihr ihr 8-jähriger Bruder dabei, wenn er nicht gerade nachsitzen muss. Die Labradorgeschichte der Familie Kooi beginnt mit der Anschaffung des Blindenhunds Max – denn eine blinde Frau braucht natürlich einen Blindenhund. Als dann Max wie seine Herrin erblindet, kauft der Vater für viel Geld den Blindenhund Sita, eine Labradorhündin. Es kommt, wie es kommen musste; Sita bekommt fünf Welpen und keiner der Familie will nun einen dieser Hunde fortgeben. Inzwischen sind die Welpen sieben Monate alt und die Familie hat kein Geld mehr, um die Miete zu zahlen. Nicht gerade förderlich für diese schwierige Situation ist die Arbeitsscheu des Vaters. Wenn es ums Arbeiten geht, hat er immer eine Ausrede parat. Lieber rennt er von Behörde zu Behörde und macht große Sprüche.

Das Ultimatum der Hausverwaltung für die Zahlung der ausstehenden Mieten können die Koois nicht einhalten und müssen so ihr Hab und Gut zusammenpacken und die Wohnung räumen. Doch was jetzt? Wo sollen sie hin? Kein Heim nimmt sie mit den sieben Hunden auf. Die Hunde weggeben – nein, das geht schon mal gar nicht. So kommt Vater Kooi auf die sagenhaft dreiste Idee, die leerstehenden Zimmer der oberen Etage in Fondas Villa für seine Familie und sich zu nutzen. Frida passt das gar nicht, sie ist entsetzt über die Idee ihres Vaters. Aber sie muss mit. So steht die Familie Kooi mit den sieben Labradors vor der Villentür der Fondas. Da das Au pair Mädchen nicht niederländisch spricht und ganz allein in der Villa ist, sitzen sie wenige Minuten später mit ihrer Wachsdecke in der Villa am Küchentisch.

Als die Familie Fonda am nächsten Tag von ihrer Kurzreise zurückkehrt und von einer fremden Familie in ihrem Haus begrüßt wird, die auch noch vorhat zu bleiben, sind sie sprachlos.

Jetzt wird es richtig lustig! Alle unter einem Dach! Die Villa der Fondas ist proppenvoll. Erst heißt es, die Koois bleiben eine Nacht, dann werden es ein paar Tage, Wochen, Monate. …..Vater Fonda tobt, doch die Mutter kann sich endlich nützlich machen und unterstützt die Familie Kooi so gut sie kann. Morris freut sich über die vielen Tiere zu Hause. Gemeinsam mit Frida verbringt er jetzt ganz viel Zeit mit den Hunden.

Als dann auch die Familie Fonda alles verliert, weil die Geschäftsidee des Vaters nicht aufgeht, stehen nun beide Familien vor dem Nichts. Jetzt ziehen die Familien an einem Strang und Morris und Frida kommen auf eine geniale Idee. Dank der einfallsreichen Kinder scheint nun alles gut zu werden …

Jorien de Bruijn ist ihr Debüt in der Kinder-und Jugendliteratur wunderbar gelungen. Sie erzählt uns eine warmherzige Geschichte über das Leben von Morris und Frida, die beide aus völlig unterschiedlichen sozialen Verhältnissen kommen.

Die einen leben in Überfluß, die anderen in Armut, aber Morris wie auch Frida fehlt es zu Hause an Aufmerksamkeit und Gehör. Jedes der beiden Kinder zieht sich auf seine Weise zurück. Die Tiere sind ihre Welt. So sind sie überglücklich, als sie gemeinsam die Hunde ausbilden können. Für Morris ändert sich das Leben schlagartig, als die Familie Kooi mit ihren Hunden in der Villa auftaucht. Belesen wie er ist, kann er endlich sein Wissen anwenden und mit Tieren arbeiten . Von jetzt an ist Schluss mit der Stubenhockerei. Frida findet in Morris einen Gleichgesinnten, und sie ergänzen sich hervorragend.

Im Verlauf der Geschichte wird klar, dass die Eltern beider Familien, egal welches Lebenskonzept sie verfolgen, ihren Kindern sehr viel zumuten. Morris und Mercedes müssen mit ihren Eltern ständig umziehen und bei Frida und Erik dreht sich zu Hause alles nur um das fehlende Geld. Beide Väter verhalten sich nicht gerade verantwortungsbewußt gegenüber ihren Familien. Der erfolgsverwöhnte Vater von Morris denkt gar nicht daran zu teilen oder sich jemand anderes zuliebe einzuschränken. Fridas Vater ist trotz der vordergründigen Tierliebe ebenso egoistisch, denn er stellt seine Bequemlichkeit über das Wohl seiner Familie.

Es gelingt der Autorin sehr gut, die Lebensumstände der Familien und speziell die Gefühlswelten der Kinder darzustellen. Sie erzählt die Geschichte aus einer gewissen humorvollen Distanz. Dennoch gelingt es ihr, uns die beiden Protagonisten auf vielschichtige Weise nahezubringen.

Immer wieder erheitert uns die Geschichte durch ihre Situationskomik und durch ihre kuriosen Wendungen in dem Spannungsbogen, den die niederländische Autorin und Sozialarbeiterin, Jorien de Bruijn, in ihrem Debüt konsequent aufrecht zu halten weiss. Erzählt wird zum Beispiel von den Geschwistern von Fridas Mutter, Onkel Lambert und Tante Lammy, die noch nie in ihrem Leben gearbeitet haben und immer noch bei ihrer Mutter leben. Das Einzige, was die beiden ohne ihre Mutter unternehmen, ist jeden Tag Würste essen – natürlich bei den Koois. Allerdings brauchen die Geschwister eine Weile, ehe sie die Koois in Fondas Villa aufspüren.

Katja Gehlmann, eine auch international sehr erfolgreiche Illustratorin, hat die Labradors einzigartig gezeichnet, so dass man am liebsten gleich einen von ihnen auf den Arm nehmen möchte. Ihre klaren Zeichnungen, innerhalb des Buches alle in schwarz-weiß gehalten, sind witzig und ernst, ganz wie der Text. Häufig sehen wir am Anfang des Kapitels einen oder mehrere Labradors in passender Pose zum Inhalt des Kapitels. Zwischendurch läßt uns die Illustratorin sehr amüsant nur noch das Hinterteil eines Labradors sehen.

Auf diese humorvolle Weise umgesetzt, eignet sich das Buch hervorragend zum gemeinsamen Lesen, denn trotz seines heiteren Blicks, den es auf das Geschehen um die „proppenvolle Villa“ wirft, lässt es den einen oder anderen hinsichtlich der grundverschiedenen Lebensentwürfe beider Familien sicherlich aufmerken .

Fazit:

Ein Mädchen, ein Junge und sieben schwarze Labradors sorgen für ein gelungenes und lebendiges Kinderbuch. „Villa Proppenvoll“, Jorien de Bruijns Debüt, erzählt eine verrückte und dennoch so alltagsnahe Geschichte von zwei völlig unterschiedlichen Familien und von dem Einfallsreichtum zweier Kinder. Ein Buch, das mit seinen immer wieder witzigen Wendungen überrascht und sowohl für Jungen als auch für Mädchen geeignet ist.

Susanne Schnur

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

der, der es geschrieben hat meint:
ich finde die geschichte sehr gut , weil man aus ihr viel lernen kann. Z.B : wenn man schnell ein großes Haus kauft , dann verliert man es genauso schnell , wie man es gekauft hat.
Und genauso schnell bekommt man eine Wohnung, wie mann sie verloren hat.

Die Geschichte ist vorallem lustig, und wunderbar chaotisch.

Ein Lob an den Autor Jorien de Bruijn.

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