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Buchcover: Stella East: Sim das Wolfsjunge

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Sim das Wolfsjunge von Stella East

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

[ab 5 Jahren]

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. Schon das Titelbild, eine Wölfin und ihr Junges in einer traumwandlerisch schönen Umgebung, lässt darauf schliessen, dass man aussergewöhnliche und ausdrucksstarke Illustrationen in diesem Buch des Hanser Verlages erwarten darf. Hinzu kommt eine herzbewegende Geschichte, die an unser Verantwortungsbewusstsein für die wilden Tiere in der freien Natur appelliert.

Sim, ein kleiner Wolfswelpe wird von seiner Mutter Una in einem Zoo geboren. Una selbst kam in freier Natur zur Welt und hat bis zur Geschlechtsreife in der Wildnis gelebt. Sie erzählt Sim von den gemeinsamen Jagden mit ihren drei Geschwistern, ihren Spielen, wobei sie ihm die wölfische Körpersprache und die dazugehörigen Laute erklärt. Sie berichtet von Hoka – Sim`s Vater – in den sie sich damals sofort verliebte und mit dem sie ein eigenes Rudel gründen wollte. Aber alles sollte anders kommen. Menschen haben Hoka vom Hubschrauber aus erschossen und Una gefangen genommen und in einen Zoo gesperrt. Dort wurde Sim dann geboren. Nun sind sie die Attraktion des Zoos und jeder möchte das Wolfsjunge Sim sehen- der ist ja so süss. Nur selten kommen die beiden aus der Höhle des Geheges; während der Besuchszeiten wagen sie sich nur hervor, um ihr Futter zu holen. Gut gesättigt erzählt die Mutter weiter, bis Sim in ihrer Umarmung einschläft. Er träumt von der freien Welt da draussen – dort, „wo die Wölfe eigentlich zu Hause sind“.

„Sim“ ist ein malerisches Bilderbuch aus Norwegen, übersetzt von Ina Kronenberger, und überzeugt sofort durch seine atmosphärischen und symbolträchtigen Illustrationen.

Die innige Beziehung der beiden Wölfe zueinander ist so liebevoll und menschlich, dass sie uns bewegt und uns in die Gefühlswelt der Protagonisten holt. Die Sehnsucht der Wölfin nach ihrer verlorenen Freiheit und die Neugier ihres Jungen Sim werden auch ohne viele Worte greifbar. So stehen die kleinen Zuhörer mit dem Wolfskind Sim gleichauf und erfahren durch die liebevollen Worte der Mutter von dem wölfischen Leben in freier Wildbahn; sie lernen die Körpersprache und Verhaltensregeln der Wölfe kennen, die sich auch hier im Zoo zeigen.

Die Wölfe hat die Autorin und Illustratorin mit sehr viel Liebe zum Detail gezeichnet. Allein die Struktur des Fells ist wunderschön anzusehen, ihre Mimik ist unmittelbar und ausdrucksstark. Die jeweilige Umgebung, die natürlichen Landschaften, wirken, als stammten sie aus einer alten Sage und sind von einer traumwandlerischen Schönheit. Auf diese Weise gelingt Stella East das Spiel zwischen Traum und Wirklichkeit: Die Grenzen verwischen und so werden im Verlauf eines Bildes die Baumstämme in der Natur zu Gitterstäben im Zoo. Ein einfaches Stilmittel mit ungeheurer Aussagekraft, das kaum erklärender Worte bedarf. Neben der freien Natur wirken die Zoobilder, Collagen mit eingearbeiteten Fotografien von Menschentrauben, fast beklemmend. Sie zeigen die gaffenden Menschen dicht an dicht gedrängt am Gitter stehend. Die vorsichtige, unsichere Körperhaltung und der hilflose Gesichtsausdruck der Wölfin und ihres Jungen sprechen für sich. Für die Kinder ist dieser Perspektivwechsel – vom Besucher vor den Gittern zu der vermeintlichen Attraktion dahinter – wichtig; denn das, was sie aus diesem veränderten Blickwinkel mitnehmen, weckt ihr Mitgefühl.

Dabei hat dieses Thema im Falle des Wolfs noch eine aktuelle Brisanz: Könnten doch viel mehr Wölfe wieder in freier Wildbahn leben, wenn die Menschen sich nicht seit Jahrhunderten der Nachbarschaft des Wolfes entgegenstellen würden. Damit richtet die gebürtige Kanadierin einem Appell an uns alle, Tieren ihre natürliche Umgebung zu ermöglichen, bzw. zu erhalten – und das gelingt ihr, ohne jemals anzuklagen. Von der Autorin wird kein Pauschalurteil über Zoos gefällt, denn ohne sie gäbe es viele Tierarten nicht mehr. Doch die Sehnsucht vieler Menschen, den Tieren ein Leben in Freiheit zu ermöglichen, wird klar zum Ausdruck gebracht.

Im Anschluss an die Geschichte gibt es ein vierseitiges Glossar mit den wichtigsten Fakten über die Wölfe – ein ausführlicher Sachteil zu ihrem Leben, ihrer Verbreitung und Gefährdung.

Fazit:

„Sim das Wolfsjunge“ ist eine ausserordentlich gut gelungene Synthese aus Bilder- und Sachbuch, da die warmherzige Geschichte am Ende durch grundlegende Sachinformationen in einem Glossar ergänzt wird. Besonders markant sind die aussagkräftigen, wunderschönen Illustrationen. Ein in vieler Hinsicht beeindruckendes und bewegendes Buch.

Sylke Wilmer-Gruchmann

 

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