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Buchcover: Umberto Eco: Geschichten für aufgeweckte Kinder

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Geschichten für aufgeweckte Kinder von Umberto Eco

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

Was ist, wenn die Atome klammheimlich die Bombe verlassen und sich im Keller verstecken? Was, wenn drei zerstrittene Nationen erst auf dem Mars merken, dass sie alle Menschen sind und sich sehr ähnlich sind? Der berühmte Schriftsteller Umberto Eco erzählt Kindern Geschichten, die ihnen die Welt ein wenig verständlicher machen können. Denn eigentlich ist es ja gar nicht so kompliziert, wenn man genau hinschaut.

Und genau das macht Umberto Eco, indem er die komplexen Probleme und Konflikte unserer Welt auf eine einfache Parabel herunter bricht. Seine kurzen Märchen erzählen von den an sich friedlichen Atomen, die allesamt in kosmischer Ordnung sind, wäre da nicht ein General, der sie in einer Bombe zu einer furchtbaren Waffe macht. Der General möchte den Krieg – wozu hat er auch die vielen Waffen? – die Atome und die Menschen wollen ihn nicht.

Um Toleranz und Nächstenliebe geht es in seiner Geschichte um die drei Kosmonauten, die in ihrem Wettlauf, wer als erster den Weltraum erobert, verfeindet sind. Ein Amerikaner, ein Russe und ein Chinese landen zeitgleich auf dem Mars. Sie können sich nicht verständigen, haben aber genau die gleichen Gedanken und Gefühle. Dann taucht plötzlich ein Marsmännchen auf, das in einer ganz eigenartigen Weise zu ihnen spricht und für die Menschen gar furchtbar aussieht. Alle drei sind sich zum ersten Mal einig und legen bereits ihre Waffen auf den Marsmann an, als dieser mit einer zutiefst menschlichen Geste alle Vorurteile durchbricht.

Die dritte und längste Geschichte erzählt von den klugen Gnomen von Gnu. Ein Kaiser kann auf der Erde keinen unentdeckten Fleck mehr erobern und entschließt sich, den Weltraum zu erobern. Er schickt einen Weltraumforscher voraus, der einen Planeten suchen soll, der zivilisiert werden kann. Doch er findet nur wüste und lebensfeindliche Planeten, einen bewohnbaren Planeten, wie die Erde, kann er nicht finden. Bis er den wunderschönen Planeten Gnu entdeckt, der unserer Erde mit seinen Meeren und grünen Weiden und Wäldern ähnlich ist. Die Gnome von Gnu empfangen den Weltraumforscher freundlich. Während der Weltraumforscher reklamiert, dass er Gnu entdeckt hat, reklamieren diese, dass sie den Weltraumforscher entdeckt hätten. Und während der Weltraumforscher Besitzansprüche geltend macht und die Gnome zivilisieren will, beschwichtigen ihn die Gnome und fragen, was sie die Zivilisation denn kosten würde. Doch das „Geschenk“ entpuppt sich beim Blick auf die Erde als ein sehr Unheilvolles: Alles was die Gnome auf der Erde sehen können, sind graue Städte in denen es keine Luft mehr zum Atmen gibt, schwarze, verschmutzte Meere, jede Menge Abfall und kilometerlange Staus. Der Weltraumforscher erklärt und muss sich immer wieder entschuldigen. Die Gnome sagen „Ich verstehe“ und fassen dann die missliche Lage zusammen: „Wenn es zu viele Kisten (Autos) gibt, kommen sie nicht vorwärts. Und wenn sie vorwärtskommen, tun sich die Insassen weh. Schade, wirklich schade...“

Diese drei klugen und doch so schlichten Geschichten zeigen die zentralen Konflikte unserer Welt, wie Kinder sie begreifen und erklären würden. Eco hinterfragt auf kindliche Weise und fördert einige interessante Denkanstöße zu Tage. Vor allem in der Geschichte um die Gnome von Gnu zeigt sich sehr deutlich, dass unsere Zivilisation oftmals nur eine Folge von etwas ist, das uns nicht gut tut – überspitzt ausgedrückt. Aber genau das tut Eco: Er überspitzt vieles und macht es so einfacher. Zum Glück stellt er seinen fehlgeleiteten Akteuren immer ein positives Pendant entgegen, seien es die Atome, die klüger sind als ihre Generäle, die Menschlichkeit, die uns über alle Sprachbarrieren und Kulturen hinweg berührt, oder die Gnome, die sehr schnell den Aberwitz der menschlichen Errungenschaften entlarven. Vor allem die Gnome vertreten in ihrer unvoreingenommenen und unbeschwerten Haltung die kindliche Perspektive, Kinder werden sich daher gut mit ihnen identifizieren können.

Eco erzählt dabei leicht und humorvoll. Er macht auf spielerische Weise auch die komplexen Probleme unserer Welt -nämlich Krieg, Völkerverständigung und Umweltschutz – mit ganz einfachen Worten und Metaphern verständlich.

Gleichzeitig sind die Gnome sicherlich nicht zufällig den Kindern so ähnlich, denn sie sind es, die diese schwerwiegenden Probleme werden lösen müssen. Sehr schön bildhaft entwirft er in seiner letzten Geschichte einen Ausblick, bei dem die Menschen auf der Erde darauf warten, dass die Gnome zur Erde kommen und ihnen dabei helfen, ihren Planeten zu retten.

Die klugen Geschichten werden von den ganzseitigen Collagen von Eugenio Carmi begleitet, die sich jeweils auf der gegenüberliegenden Seite des sehr großzügig gesetzten Textes befinden. Gerade die vielen Illustrationen und die sehr lichte Textanordnung macht das Lesen mühelos und mit jedem Umblättern interessant.

Eugenio Carmis Bildsprache ist schlicht und doch so klar, dass Kinder sich leicht mit der Symbolik dieser Bildsprache auseinander setzen können. Auf handgeschöpftem Papier, mit Aquarellfarben, Stoffen, mit reinen, sehr klar strukturierten Aquarellen und/oder Ausschnitte aus alten Zeichnungen, Kupferstichen und Schwarz-Weiß-Fotos erschafft Carmi auch optisch eine ideale Unterstützung für die außergewöhnlichen Geschichten. Die Darstellung der drei Kosmonauten wird beispielsweise ganz einfach durch die Darstellung der jeweiligen Schriftsprache (Ausschnitte aus Zeitungen, Werbung etc.) dargestellt. Dieses Beispiel zeigt, ebenso wie die Geschichten Umberto Ecos, wie alles auf einen kleinen, ganz einfachen gemeinsamen Nenner gebracht wird: Alles, was diese Kosmonauten voneinander trennt, ist ihre Sprache.

Für aufgeweckte Kinder ab acht Jahren sind die Geschichten durchaus schon geeignet, vorausgesetzt, ein erwachsener Gesprächspartner steht ihnen zu einem vertiefenden Gespräch zur Seite. Aber auch für ältere Kinder und Jugendliche, die die großen Probleme dieser Welt interessiert und/oder sie im Schulunterricht behandeln, kann dieses Buch eine interessante Einführung in komplexere Zusammenhänge bieten. Denn Eco beweist mit seinen Geschichten, dass schwerwiegende und ernste Themen nicht ebenso vermittelt werden müssen – gerade sie brauchen einen gewissen Dreh und eine kluge Interpretation, um sie für Kinder „verdaulich“ zu machen. Und wenn wir ehrlich sind, können auch wir Erwachsene bei dieser Erzählweise – die so leicht, fantasievoll und doch so eindringlich ist – wieder etwas klarer sehen.

Fazit:

Ein großer Anteil Realität und eine riesen Portion Idealismus zeichnen die „Geschichten für aufgeweckte Kinder“ aus. Mit einfachen Worten und klug gewählten Metaphern werden Kinder auf die wichtigen Themen unserer Welt aufmerksam gemacht. Ecos Parabeln bieten einen guten Anlass zum Nachfragen und Diskutieren.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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