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Buchcover: Hans Fallada: Mäusecken Wackelohr

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Mäusecken Wackelohr von Hans Fallada

erschienen bei Aufbau-Verlag

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

„Mäusecken Wackelohr“ ist erstmals vor siebzig Jahren erschienen und wird nun vom Aufbau Verlag mit den Illustrationen von Willi Gasauer neu aufgelegt. Fallada´s Geschichte von dem verliebten Mäuse-Mädchen ist geblieben; neu sind die kraftvollen Illustrationen, die die spannungsgeladenen Momente eindrucksvoll unterstützen.

Mäusecken hat als einzige Maus ihrer Familie die Attacke der jagdlustigen Hauskatze überlebt- nicht ganz unbeschadet, denn ihr Ohr ist ein wenig angefressen. Seit kurzem ist sie unsterblich in den Mäuserich von der anderen Strassenseite verliebt, weiss jedoch nicht, wie sie dort hin gelangen kann. Die hinterhältige, stets auf ihren Vorteil bedachte Ameise will ihr helfen, jedoch verlangt sie dafür ein Bonbon vom Nachttisch der Hausdame, doch der wird von der besagten „Killerkatze“ streng bewacht.

Mit viel Mut gelingt Mäusecken, die Aufgabe zu bewältigen, worauf die Ameise ihren versprochenen Tipp abgibt: Auf dem Rücken einer der Tauben, die oben im Dachboden leben, könnte die Maus auf die andere Strassenseite gelangen.

Die Katze macht sich unterdessen auf die Suche nach dem nächtlichen Störenfried und bezieht eine gehörige Tracht Prügel von ihrem Besitzer, der das nächtliche Rumoren der Katze gar nicht schätzt. Niedergeschlagen und verwirrt trifft sie auf die hinterhältige Ameise, die sie in ihrer Ahnung bestätigt, dass sich eine Maus im Haus aufhält. Sie will der Katze auch beim Fang der Maus behilflich sein. Die Ameisen wollen Mäusecken in ihrem Mauseloch beissen, so dass Mäusecken ihr Versteck verlässt. Doch jeder Versuch, Mäusecken zu wecken, misslingt den Ameisen – denn sie beissen sie in ihr gefühlloses, verletztes Wackelohr.

Dann verrät die Ameise der Katze Mäuseckens Plan. Sie solle sich nur rechtzeitig in den Taubenschlag begeben, um die Maus zu fangen – dafür verlangt sie jedoch etwas von der Schleckermilch der Katze.

Die Katze willigt in den listigen Plan ein. Beide warten im Treppenaufgang zum Taubenschlag- die Ameise wartet auf die Milch, die Katze auf die Maus. Die Ameise bekommt jedoch ihre gerechte Strafe für ihr schändliches Verhalten, da sie vom Hausherrn zertreten wird, als dieser zum Dachboden geht, um den Taubenschlag zu öffnen. Ebenso schlecht ergeht es der Katze, die Mäusecken verfolgt; doch die kleine Maus kann auf dem Rücken einer Taube im letzten Moment entwischen. Die Katze springt unbedacht hinterher und fällt in die Tiefe und damit in den Tod. Wie im Märchen endet diese Geschichte doch noch gut für die kleine Heldin, indem Mäusecken ihren Mäuserich heiratet, viele Kinder bekommt und nie mehr allein ist.

Auf die Spitze getrieben, könnte man sagen, dass die Liste der Untaten, wie Verrat, Erpressung und Körperverletzung für ein Bilderbuch schon ziemlich starker Tobak ist. Doch wie in Fabeln üblich, bedient sich Fallada auch hier der ganz klaren Abgrenzung zwischen Gut und Böse. Und wie auch für Fabeln charakteristisch, finden wir das glückliche Ende.

Nicht vergessen darf man zudem den Ursprung dieser Erzählung von dem berühmten Erzähler Hans Fallada, in einer Zeit, da auch „der Struwwelpeter“ zur gängigen Kinderliteratur gehörte. Wohl mehr für das Schwarz-Weiss-Denken geeignet, engt sie das moralische Anliegen des Buches ein, das uns für die Schwächeren mitbangen lässt und die Verräter ihrer gerechten Strafe zugeführt wissen will. So mag es auch heute nicht verwundern, dass Kinder sich gerade von dieser starken Polarisierung angesprochen fühlen, ihnen zahlreiche Fragen in den Sinn kommen und den Verlauf der Geschichte wieder und wieder hören wollen. Die Bewertung von Richtig und Falsch steht in Falladas Erzählung im Vordergrund und bleibt damit ein zeitloser Erzählstoff.

Der Text ist mit seinen Dialogen, aber auch vielen Erzählpassagen, abwechslungsreich. Die Sprache ist gut verständlich und gibt der Geschichte einen packenden Erzählbogen, indem die Spannung bis zuletzt gehalten wird – Kinder, wie Erwachsenen werden gespannt sein und bleiben es – bis zum erlösenden Happy End.

Begleitet wird die neu aufgelegte Geschichte von den ebenso spannenden und dynamischen Bildern. Mit einer zurückhaltenden Farbgebung und sehr interessanten Perspektiven schafft Willi Glasauer eine ganz eigene Bilderwelt, die in ihrer lebendigen und z.T. dramatischen Wirkung überzeugt.

Die ganzseitigen Illustrationen mögen zwar zunächst harmlos erscheinen, inszenieren aber tatsächlich sehr geschickt Größenverhältnisse unter den Tieren, wie auch zwischen den Tieren und den Menschen. Gleichzeitig geben sie stets die spannendsten Passagen der Geschichte wieder. Wie Momentaufnahmen lenken sie ihr Augenmerk auf das Wesentliche. Auf jedes überflüssige Detail, welches nicht für die Geschichte relevant ist, wird verzichtet. So sind auf einer Illustration nur die beiden gelb leuchtenden Katzenaugen in der Nacht zu sehen – nur schemenhaft lässt sich Nase und ein Ohr vor dem dunklen Hintergrund erkennen. Die lebendigen Tuschezeichnungen zeigen Schattenspiele und geben eine dichte Atmosphäre wieder.

Fazit:

„Mäusecken Wackelohr“ ist eine hochspannende Geschichte, konsequent erzählt und bildlich dramatisch in Szene gesetzt. Die Fabel, die von falschen und richtigen Freunden handelt, beweist, welch starke Macht die Liebe hat. Da Hans Fallada nicht gerade zimperlich mit den hinterhältigen Widersachern von Mäusecken umgeht, ist die Geschichte eher etwas für Kinder, die eine gehörige Portion Spannung gut aushalten und mögen.

Sylke Wilmer-Gruchmann

 

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