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Buchcover: Wieland Freund: Wecke niemals einen Schrat

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Wecke niemals einen Schrat von Wieland Freund

erschienen bei Beltz und Gelberg

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

[ab 9 Jahren]

Kinderbuch des Monats [04.2013]. Jannis und Motte sind zwei Elfenkinder, die zusammen mit anderen Elfen und dem Elfenkönigspaar Oberon und Titania im Elfenwald leben. Sie stehen kurz vor der Gefahrenprüfung und natürlich hat Jannis, trotz vieler Ermahnungen, kein bisschen dafür gelernt.

Denn das sture Auswendiglernen von Amsel Salamanders „Buch über Alles“ ist für ihn nicht halb so attraktiv, wie das Umherstreunen im Wald. Also kommt es, wie es kommen muss: während Motte mit Bravour besteht, fällt Jannis mit Pauken und Trompeten durch die Prüfung. Wütend stürzt er in den Wald und irrt darin blindlings umher. Als er an einen See kommt, an dessen Rand viele Pilze stehen, beginnt er, wütend auf sie einzuschlagen. Doch Moment: der größte von allen ist gar kein Pilz sondern ein seltsames Wesen mit großen Füßen, langen Gliedmaßen und schwarzen Stoppeln auf dem Kopf – ein Schrat! Und laut Schrat-Gesetz klebt dieser Schrat nun an Jannis. Doch Schrate bringen Unglück, wie alle Elfen wissen und daher versucht Jannis, seinen Schrat so schnell wie möglich loszuwerden. Bei dem Versuch demoliert er aber leider teilweise die Königsesche und wird daraufhin mitsamt Schrat verbannt.

Missmutig stapft er mit dem Schrat aus dem Elfenwald weg – doch die beiden werden unterwegs von einem heftigen Sturm überrascht. Und dieser Sturm kann nur von Holunder, dem mächtigen Zauberer, verursacht worden sein, der tatsächlich gerade in dem Moment dieser Erkenntnis an Jannis vorüberzieht – mit Zielanflug auf den Elfenwald! Blitzschnell drehen Jannis und der Schrat Wendel um, um die Elfen zu warnen. Doch sie kommen zu spät und erfahren nur noch, dass die Lichtung samt aller Bäume zerstört ist und einige Elfen (darunter die Königin und Motte) fehlen. Man vermutet sie in der Gefangenschaft von Siegbert, dem Uhu.

Sofort fasst Jannis den Plan, seine Freundin zu retten und trifft auf dem langen und beschwerlichen Weg auf den sehr alten und weisen Elfen Amsel Salamander sowie einen kleinen Moosmann. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Holunders Hauptsitz, wo sie die vier vermissten Elfen vermuten. Die versuchen in der Zwischenzeit aus ihrem Verließ zu fliehen und schaffen dies mit Hilfe der Fledermäuse. Doch Holunder ist ihnen auf der Spur und hat zudem Siegbert als Späher ausgeschickt. Mit viel Trubel treffen die vier Elfen auf ihren Rettungstrupp, werden jedoch immer noch von Holunder verfolgt. Der hat es auf Oberon abgesehen, der zusammen mit Amsel Salamander vor einigen Jahren versucht hat, seinen Zauberstab zu stehlen. Und als Oberon sich unter der Verkleidung des Moos-Mannes zu erkennen gibt, gibt es einen Showdown, an dessen Ende die alte Ordnung wieder hergestellt ist, die Elfen wieder glücklich im Wald leben können und Jannis einen neuen Freund gefunden hat, den er nicht mehr missen möchte.

Die Elfen in Wieland Freunds Elfenwald muss man sich nicht wie grazile Miniatur-Menschen vorstellen, die dank magischer Kräfte und hauchzarter Flügel durch den Wald schweben und Gutes tun, nein, diese Elfen erinnern eher an Eichhörnchen mit ihrem rot-braunen Fell und dem langen Schwanz. Sie sind hervorragende Kletterer und wohnen in Kobeln, können jedoch nicht fliegen und müssen sich mittels einer Gefahrenprüfung auf die Unbilden des Waldes vorbereiten, sonst könnten sie nicht überleben. Hat man sich so den Elfenstaat von Oberon und Titania vorgestellt? Denn zweifellos spielt Wieland Freund auf gerade diesen an, oder sollte es ein Zufall sein, dass er sein Elfenkönigspaar genau so nennt, wie eben jenes Paar im Wald von Shakespaeres „Sommernachtstraum“? Aber wie erklärte Wieland Freund doch gleich in dem Interview mit der Kinderbuch-Couch: „Wenn man schon mal einem Elfenkönigspaar begegnet, muss man es eigentlich Titania und Oberon nennen, oder nicht?“

Und als Huldigung an ausgewählte große literarische Werke der Neuzeit können auch die Leihgaben aus den Werken J.R.R. Tolkiens verstanden werden, über die manch einer im weiteren Verlauf des Lesens stolpern mag.

Daneben gibt es aber auch ganz frische Ideen, mit denen „Wecke niemals einen Schrat“ unterhält: Amsel Salamanders „Buch über alles“ ist auf viele, viele Blätter notiert, über die der Storch Eibert mit Argusaugen wacht (und die die Grundlage für die Gefahrenprüfung darstellen), bis sie schließlich im großen Sturm alle verweht werden. Ebenso die Idee, dass ein Lebewesen, einmal von einem anderen Lebewesen geweckt, von nun an immer an diesem „kleben“ muss und die zwei damit für immer miteinander verbunden sind. Sympathisch ist auch die Erkenntnis Amsel Salamanders, dass seine Erfahrungen nicht immer der Wahrheit entsprechen, denn Vieles „müssen wir zweimal tun, weil wir es beim ersten Mal nicht richtig machen“. Daher wird am Ende der Reise auch der Schrat an sich rehabilitiert und, aber das ist nur hypothetisch, die „Buch über Alles“ vielleicht noch einmal ganz neu geschrieben.

Die Handlung der Abenteuergeschichte ist recht komplex, wird aber gut verständlich erzählt. Neue Personen werden nach und nach eingeführt, die Verbindungen und Hintergründe werden schrittweise entwickelt. Bis zur Verbannung von Jannis gibt es nur einen Handlungsstrang, danach zwei parallel laufende, die versetzt erzählt werden und erst am Schluss wieder zusammen führen. Durch die Unterteilung in Kapitel und einer kurzen Kapitelvorschau zu Beginn jedes Kapitels, kann diesen Wechseln leicht gefolgt werden. Sprachlich lebt das Buch von sehr viel wörtlicher Rede, die das Handlungstempo passend untermalt, die Spannung sehr gut entwickelt und gut zur Quirligkeit der beiden Elfen passt. Die Charaktere sind sprachlich sehr liebevoll mit vielen Details im Aussehen und Gestik und Mimik gemalt, wodurch recht schnell eine hohe Identifikation mit ihnen einsetzt.

Die wenigen seitenfüllenden Bilder sehen leider recht virtuell aus, besonders Wendel der Schrat ist immer als etwas trauriges Wesen mit einem eigenartigen metallischem Schimmern gezeichnet, der ihn ein bisschen wie einen Fremdkörper wirken lässt. Jannis und Motte nimmt man hingegen ihr Elfendasein ab, mit freundlichen, treuen Gesichtern und langen puscheligen Ohren. Lose über das Buch verteilt sind Illustrationen einzelner Seiten von Amsel Salamanders „Buch über Alles“, also Baumblätter, auf denen kurz wichtige Dinge erklärt sind, Zeichnungen oder Listen , wie beispielsweise „Wesen, die ganz speziell sind“ oder Tiere, die Erdhöhlen graben. Teilweise vermischen sich auf diesen Listen Fiktion und Realität.

Fazit:

„Wecke niemals einen Schrat“ ist ein kurzweiliges und unterhaltsames Abenteuer-Buch über Freundschaft – und niemand sollte sich wundern, wenn nach dem Lesen der Wunsch nach einem Schrat so groß ist, wie noch nie zuvor.

Claudia Goldammer

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Marie meint:
Sabbi meint:
Das muss ich mir glaube ich dringend anschaffen, nach diese Rezension bin ich echt gespannt :-)

Dieses Buch ist glaube ich auch sehr shcön geeignet für meine Gruppen.

http://www.kinderbuchladen.org/

grüße

Sabbi

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