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Buchcover: Jostein Gaarder: Das Schloss der Frösche

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Das Schloss der Frösche von Jostein Gaarder

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

Es hört sich nicht nur an wie ein Traum – es ist ein Traum: Kristoffer macht sich eines nachts barfuß und im Schlafanzug auf den Weg durch den verschneiten Wald. Aus dem Nichts taucht plötzlich der Wichtel Umpin auf, der ihn mit hinüber nimmt in eine andere Welt, in der es neben Wichteln auch verwunschene Prinzen, sprechende Salamander und eine ziemlich schräge Königsfamilie gibt, die viel Ähnlichkeit mit seiner Familie aufweist …

Als Prinz Kristoffer Poffer erlebt der kleine Kristoffer seltsame Dinge in dieser anderen Welt. In Begleitung von Umpin küsst er einen glitschigen grünen Frosch, der sich als verwunschener Prinz Carolus Rex herausstellt. Als Dank für seine Erlösung, lädt der Prinz die beiden ungleichen Kameraden zu sich aufs Schloss ein. Aber oh weh, kaum angekommen, erfahren sie vom Tod des alten Königs, dem das Herz gestohlen wurde. Da Pofferprinzen und Wichtel grundsätzlich auf dem Schloss nicht erwünscht sind, wird Umpin in den Kerker geworfen. Kristoffer entgeht diesem Schicksal vorerst nur, weil er den Prinz rettete. Nachdem er durch Zufall eine Intrige der bösen Salamander, der Schlossgarde, gegen die Königsfamilie aufdeckt, findet er das Herz des alten Königs, das sich als grüner hüpfender Frosch entpuppt. Das wiederentdeckte Herz erweckt den König wieder zu neuem Leben.

Zwischenzeitlich übernehmen die Salamander die Herrschaft im Schloss und überwältigen den Rest der Königsfamilie. Dankbar für seine Rettung, hilft der König Kristoffer, Umpin aus dem Kerker zu befreien. Mit Hilfe des Wichtels retten sie die Prinzessin aus dem Jungfernzwinger im Turm und die restliche Königsfamilie aus einem geheimen Brunnen, in den die Salamander sie geworfen haben. Kristoffers Glück währt nicht lange. Egal ob er die Königsfamilie gerettet hat oder nicht, letztendlich wird er doch gemeinsam mit Umpin in den Kerker geworfen. Ausschlaggebend dafür sind seine Appetitlosigkeit beim Essen und seine missbilligenden Gedanken über die Unangemessenheit der Kleidung der Königin. Zu dumm, dass der Hofmarschall Gedanken lesen kann und diese der Königsfamilie mitteilt.

Aber Kristoffers und Umpins Aufenthalt im Kerker währt nicht lange: sie folgen dem unterirdischen Fluss zum Salamanderteich und fliehen von dort in Kristoffers Welt zurück – und können so zunächst weiteren Gefahren entgehen.

Dort erfährt Kristoffer, dass er noch einmal zurück muss, weil er nicht ohne weiteres vor einem gefährlichen Traum weglaufen kann: man muss sich ihm stellen wie einem Wolf im Wald. Und wie macht man das erfolgreich? Indem man ihm tief in die Augen schaut. Dann verschwindet der Wolf nämlich wieder. Und genau das tut Kristoffer. Er kehrt zurück in die andere Welt und ins Schloss, denn er hat dort einen Schlüssel verloren. Bekanntlich muss man im Traum verlorene Schlüssel zurückholen, weil sonst die Tür des Elternhauses für immer verschlossen bleibt. Kristoffer stellt sich tapfer den Gefahren und meistert sie mit Bravour. Der Gedanken lesende Hofmarschall entpuppt sich als böser Wichtel, der die Königin verhext hat und wird vom Schloss verjagt.

Der alte König hat eine ganz besondere Beziehung zu Kristoffer: im Verlauf der Geschichte wird er Kristoffers vor kurzem an Herzversagen gestorbenen Großvater immer ähnlicher, bis er es am Ende wirklich ist. Die beiden führen – wie zu alten Zeiten – tiefsinnige Gespräche. Obwohl sich Kristoffer bewusst ist, dass sein Großvater nie wieder in seine Welt zurückkehren kann, so weiß er doch, dass er ihn immer bei sich im Herzen tragen wird.

„Das Schloss der Frösche“ ist wieder einmal ein für Jostein Gaarder typisches Buch mit Tiefgang. Dieses Kinderbuch ist dem kleinen Kristoffer gewidmet und es wird einem beim Lesen schnell klar, dass Kristoffer den Tod seines Großvaters im Traum verarbeitet. Dabei finden sich viele Parallelen zwischen den Traumfiguren und den Figuren aus Kristoffers realer Welt. Bedauerlicherweise ist die Geschichte etwas überladen mit seltsamen Figuren und Ideen. Dagegen sind die kleinen philosophischen Exkurse über die Zeit und über Träume ausgezeichnet und entschädigen den Leser für die ein oder andere Unklarheit. Der König, der Kristoffers Großvater in der Geschichte immer ähnlicher wird, erzählt ihm z.B., dass die Zeit ohne die Menschen keine Zeiger bräuchte.

Nicht die Zeit eile dahin, sondern die Menschen. Die Zeit sei gut und böse zugleich, denn sie heile alle Wunden und schlage neue.

Für diese tiefsinnigen Gespräche allein schon lohnt es sich, diese „froschlastige“ Geschichte zu lesen. Denn es gibt viele dieser hintersinnigen Passagen, die uns zum Nachdenken bringen.

Die schönen Illustrationen von Henrike Wilson sind in ihren dunklen, kühlen Farben auf den Inhalt eingestimmt. Sie untermauern die Stimmungen und Charaktere hervorragend.Der immerzu traurige Kristoffer fängt am Ende der Geschichte an zu verstehen, dass der Tod auch zum Leben gehört und er sieht die Welt plötzlich mit anderen Augen, auch mit den Augen seines Großvaters. Der Illustratorin gelingt es, diese Stimmung und Gefühlsveränderung farblich einzufangen und deutlich darzustellen. Allein das letzte Bild spricht schon für sich und bedürfte keines weiteren Textes.

Fazit:

Auf dem Buchdeckel steht „Eine fantastisch-philosophische Geschichte voller Witz und Hintersinn...“. Um falschen Vorstellungen entgegenzutreten: Dies ist kein witziges oder humorvolles Buch, sondern eine ernste Geschichte mit einem traurigen Hauptdarsteller, der im Traum den Tod seines geliebten Großvaters zu verarbeiten versucht – und schafft! Sehr vieles erinnert an die verwirrende Symbolik unserer Träume. Daher ist die erste Hälfte des Buches durch die übermäßige Anhäufung ungewöhnlicher Figuren und deren seltsames Verhalten tatsächlich etwas mühsam zu lesen. Nach den ersten Hürden, und insbesondere nach dem ersten philosophischeren Gespräch, ändert sich dies jedoch schlagartig: Die Geschichte liest sich flüssiger und leichter und gibt einem viel zu Denken. Das „Schloss der Frösche“ von Jostein Gaarder ist definitiv kein geeignetes Weihnachtsgeschenk für jedes Kind ab acht Jahre, sondern hauptsächlich für diejenigen geeignet, denen das Thema des Buches am Herzen liegt. Dem Autor gelingt es auf besonders liebevolle und feinfühlige Art und Weise, Kristoffer und uns zu lehren, was Tod bedeutet: er bedeutet das physische Ende eines Menschen; wenn man aber an ihn denkt, wird er immer in einem und für einen weiterleben.

Marijke Lass

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

chr. beuchling meint:
marc meint:
das buch ist voll mit fantasi und witz aber auch traurig und spannend der erste teil des buches ist etwas schwierig zu lesen!!! mann sollte aber auf garkeinen fall aufhören den in der mitte geht es dann richtig los!!!

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