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Buchcover: Neil Gaiman: Das Graveyard Buch

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Das Graveyard Buch von Neil Gaiman

erschienen bei Arena

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

[ab 11 Jahren]

Eingeschlossen in einer metallenen Box, die aussieht wie ein efeuberankter Grabstein, ist das Buch von Kult-Autor Neil Gaiman schon ein echter Hingucker. Es erweckt damit nicht gerade geringe Erwartungen an Grusel, Grausamkeit und Gänsehaut. Und tatsächlich, der Anfang scheint zunächst die schlimmsten Erwartungen zu bestätigen – doch wer hier nicht weiter lesen mag, verpasst vermutlich eine Geschichte der ganz besonderen Art …

Jack, der eiskalte Mörder hat sein Werk beinahe vollbracht: Er hat das junge Ehepaar getötet und sogar das Kind. Jetzt muss er noch das Baby finden. Er fühlt sich bereits an seinem Ziel, doch da muss er feststellen, dass das Baby verschwunden ist. Seine Suche führt ihn schließlich bis an den gegenüberliegenden Friedhof, wo ihn ein geheimnisvoller, dunkler Mann freundlich hinauskomplimentiert. Jack hat die Spur des Jungen verloren. Was Jack nicht ahnt, ist, dass das Baby auf seinen immer noch wackeligen Beinchen durch die Nacht geradewegs auf den Friedhof gelaufen ist. Dort wird es in die rettenden Arme des Geists von Mrs. Owens genommen. Die Mutter des Kleinen taucht noch einmal auf und bittet darum, ihn aufzunehmen und zu beschützen. Die Friedhofsgemeinschaft der Geister ist skeptisch. Doch sie sind sich am Ende einig, dass sie dem kleinen Kerl, den sie Nobody Owens nennen, aufnehmen. Silas, ein geheimnisvolles, vampirartiges Wesen, erklärt sich bereit , Nobody´s Vormund zu sein. Silas ist der einzige der Gemeinschaft, der den Friedhof verlassen kann, um dem Jungen die Dinge zu besorgen, die das Kind zum Leben braucht.

Wir erfahren manche Episode aus Nobody´s Leben; wie auch von der Freundschaft mit dem Mädchen Scarlett das am Ende des Buches noch eine Rolle spielen wird. Für Scarletts Eltern bleibt Nobody, der es gut versteht, sich auf dem Friedhof zu verbergen, immer der klassische unsichtbare Freund. Ihre Freundschaft findet jedoch ein jähes Ende, als Scarlett vermisst wird. Die beiden lüften gemeinsam das Geheimnis des wohl ältesten Friedhofbewohners. Es ist nicht der Römer „Caius Pompeius“, dem alle Geister Respekt zollen, sondern ein viel älterer Geist aus einer Zeit lange vor den Römern; aus einer Grabstätte, die ihre Eindringlinge vor Schreck hat ergrauen lassen. Es ist, als würde es auf etwas lauern. Und tatsächlich, wie sich am Ende herausstellt, ist es der Sleer, der auf seinen Meister wartet und dessen Schätze bewacht. Diese Schätze, zumindest ein kostbarer, da uralter Teil davon, werden von Nobody eines Tages entwendet, um sie in Geld für einen Grabstein der anonym beigesetzten Hexe Liza Hempstock auf dem „ungeweihten Boden“ umzusetzen. Doch dieser Plan misslingt so vollkommen, dass ihm nur noch Liza aus der Patsche helfen kann. Doch nicht nur das: Er ruft den gewissenlosen Killer Jack wieder auf den Plan und dieser findet eine ausgesprochen gute Tarnung, um sich erneut an die Fersen von Nobody Owens zu heften.

Doch vor dem grossen Showdown begleiten wir Nobody noch in das Land der Ghule, lernen seine irgendwie noch merkwürdigere Lehrerin Miss Lupescu kennen, die Silas während seiner Abwesenheit vertreten soll, erfahren Beeindruckendes über die Hunde Gottes und können Nobody einfach nur cool finden, als er sich in der Welt der Menschen behauptet. Denn Nobody will eines Tages unbedingt in die Welt der Menschen, unter Wesen die leben und atmen wie er. Kurz, er möchte eine Schule besuchen. Zunächst fällt er – da er es fabelhaft versteht aus den Köpfen der Mitmenschen zu verschwinden, sobald sie sich anderem zuwenden- überhaupt nicht auf. Doch dann mischt er sich ein, als jüngere Schüler von einem gewissenlosen Pärchen gemobbt werden. Das ruft eine Menge Rachepläne gegen ihn hervor, die am Ende so heikel geraten, dass beinahe Nobody´s gesamte Tarnung aufzufliegen droht.

Für „Das Graveyard-Buch“ erhiehlt der britische Schriftsteller Neil Gaiman 2008 die „Newbery Medal“, eine der bedeutendsten amerikanischen Auzeichnungen der Kinder- und Jugendliteratur.

Über 14 Wochen stand „Das Graveyard-Buch“ auf der „New-York-Times-Bestsellerliste“ – mehrere Wochen sogar auf Platz 1. Nun ist geplant, das Buch, das auf dem amerikanischen Markt sowohl als „Erwachsenenausgabe“ als auch als „Jugendbuchausgabe“ erhältlich ist, als Realfilm zu produzieren.

Aber zurück zum Buch: Neil Gaimans Sprache ist durchweg anspruchsvoll und daher ist sein Buch nicht zufällig in Amerika auch als Erwachsenenausgabe erhähltlich. Leider finden sich auch in dieser deutschsprachigen Ausgabe für junge Leser keine weiteren Illustrationen von Chris Riddell, der schon auf dem Cover wunderbar auf die etwas schräge und doch so herzliche Geschichte einstimmt. Die jungen Leser sollten also schon leseerfahren sein, um mit diesem doch sehr sprachgewandten Autor zurecht zu kommen. Ansonsten kann ich nur sagen, liest sich das Buch wie von selbst und ich habe viele Details gefunden, die mir gerade sprachlich besonders gut gefallen haben.

Kalt und gefühllos schildert Neil Gaiman aber zunächst auf den ersten Seiten seines erfolgreichen Romans, wie ein Killer eine ganze Familie tötet – nicht bis ins Detail, doch immerhin ziemlich erschreckend. Ich gebe zu, dass ich zunächst Zweifel an der Tauglichkeit für Kinder ab 11 Jahren hatte. Doch sehr bald wird der Leser feststellen, dass dieser Einstieg im vollkommenen Gegensatz zu der restlichen Geschichte steht. Denn im weiteren Verlauf schildert Neil Gaiman sensibel die Geschichte des Waisenjungen, der von den Geistern des Friedhofs aufgenommen wird. Dabei kommt einem unweigerlich die Ähnlichkeit zu dem berühmten Klassiker „Das Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling in den Sinn und das ist von dem Autor auch nicht unbeabsichtigt.

Doch Neil Gaiman versteht es, aus dieser „Grundzutat“ eine dichte Geschichte zu spinnen, die durch ihre Einzigartigkeit überzeugt. In Nobody´s ungewöhnlichem Zuhause schwingt stets eine Atmosphäre der Geborgenheit mit. Keinesfalls gruselig und grausam erleben wir die sehr ungleiche Gemeinschaft von römischen Feldherren, Ärzten, Dichtern, Waschfrauen und Lehrern. Neil Gaiman stellt uns eine Reihe geisterhafter Indidvidualisten vor. Wie von selbst entsteht ein eigener Mikrokosmos und Gaiman weiss die Möglichkeiten um den Kern seiner Geschichte sehr wohl zu nutzen: Wenn nicht die Geister aus den verschiedensten Zeitepochen, wer könnte wohl sonst so viel Skurriles, Interessantes und Weises von sich geben? Diese überaus fantastische Perspektive transportiert Gaiman auf leichte Weise ins Realistische und erreicht so eine sehr lebendiges, wie auch greifbares Umfeld.

Diese geisterhafte „Idylle“ würzt er allerdings mit zahlreichen Episoden, die hochspannend sind und ebenso gruselig – doch irgendwie schafft der kluge Nobody es immer, gestärkt aus dem Abenteuer hervorzugehen, was sich natürlich entsprechend positiv auf das Nervenkostüm der Leser überträgt. Trotz der abwechslungsreichen Episoden, die in einzelnden Kapiteln unterteilt sind, hat man nie das Gefühl, die Geschichte würde abflachen. Stets in gespannter Haltung, rechnet der Leser immerzu mit überraschenden Wendungen, die auch eintreten und geschickt zum Ende hin zu einem rasanten Höhepunkt zusammengeführt werden.

Die Hintergründe der geheimen Gemeinschaft, die nach dem Leben des Jungen trachtet, werden hier nicht ganz erhellt. Doch werden sie oberflächlich erläutert und Nobody ist – und das erscheint mir zugunsten der Geradlinigkeit der Geschichte vollkommen ausreichend – seinen Widersachern ein ebenbürtiger Gegner und weiss sich mit allen Tricks der Geisterwelt zu behaupten. Nicht ganz unerwartet entlässt uns Neil Gaiman schließlich in ein nicht ganz makelloses Happy-End. Die Welt der Geister ist eben nichts für die Lebenden.

So unmerklich wie für Nobody selbst, werden wir schließlich Zeuge seiner Reifung. Und das ist auch gleichzeitig der Kernaspekt dieses besonderen Buches. Nicht nur für Nobody Owens geht damit das letzte Kapitel zu Ende -auch für uns Leser. Schade, denn kaum hat man das Buch geschlossen, vermisst man diese eigenwillige Geimeinschaft bereits.

Fazit:

„Das Graveyard-Buch“ hat irgendwie alles: es ist gruselig, lustig, schräg, ernsthaft, spannend und sogar rührend – aber niemals wirklich düster. Kurz: Neil Gaiman findet in seiner famosen Welt eine wunderbare Balance, die sowohl jüngere als auch erwachsene Leser anspricht. Noch beeindruckender ist die Leichtigkeit, mit der Neil Gaiman die Leser in seine herzlich-gruselige Welt enführt.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Kassandra meint:
Also ich muss wirklich sagen, das Buch ist keine gute Lektüre. Jedenfalls nicht für zehnjährige Kinder. Es ist relativ schwer zu lesen, und gleich am Anfang, werden Leute ermordet. Mein achtjähriger Bruder hat es zum Geburtstag von einem Freund bekommen. Ich habe mir den Klappentext und das erste Kapitel durchgelesen, und wusste gleich, dass das Buch nichts ist!Ich finde es sollte eher ab zwölf oder dreizehn sein!
Satori meint:
Das Buch hat durch die Metallbox meine Aufmerksamkeit erregt. Und ich muss zugeben, dass ich nach den ersten paar Seiten sehr geschockt war. Dennoch habe ich weitergelesen und das war ein Glück.
Denn dieses Buch hält vieles bereit. Oftmals ist es düster oder gruselig, doch Bod gelingt es immer zurückzufinden.
Die Kapitel sind kurze Episoden aus seinem Leben, die von einem roten Faden durchschlungen sind.
Besonders gefallen haben mir die kuriosen Charaktere, mit denen er es zu tun bekommt.
Ich bin zwar ein Teenager, aber dieses Buch hat mir sehr gut gefallen.
Beniko_Ima meint:
Ich war hin und weg als ich das Buch gelesen hatte. Es ist schön geschrieben und wirklich spannend. Es lohnt sich, wenn man sich die Zeit nimmt es zu lesen. Dadurch, dass "Bod" sich aus dem Gedächtniss anderer zu "entfernen" fällt er den meisten nicht auf. Nur die, die ihn kennen sollen erkennen ihn. Auch wenn es manchmal garnicht so gut für ihn aussieht, schafft er es immer wieder, sich und seine Freunde zu retten oder von seinen Freunden gerettet zu werden. Ich würde es durchaus weiter empfehlen.

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