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Buchcover: Georg Kohler: Jakob, das Krokodil - eine wahre Geschichte

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Jakob, das Krokodil - eine wahre Geschichte von Georg Kohler

erschienen bei Atlantis

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

Jakob ist ein Krokodil. Ein stattliches Tier mit allem, was dazugehört: kräftiger, schuppiger Schwanz, aufmerksame Augen, ansehnliche Zähne. Er würde in den Dschungel passen, auch in einen Zoo, aber dort, wo er tatsächlich zu Hause ist, hätte man ihn ganz sicher nicht vermutet. Denn Jakob lebt bei einer Familie in einer Vierzimmerwohnung in der Stadt.

Wie unrealistisch, möchte man einwenden. Doch Jakobs Geschichte ist wahr. 42 Jahre lang lebte er bei einer Familie nahe Zürich. Der Philosophieprofessor Georg Kohler hat seine Geschichte aufgeschrieben.

Als kleines Krokodiljunges kommt Jakob zu der Familie. Willi, der Vater, bringt ihn von einer seiner Tourneen als Musiker mit. Auf einem Markt in Brasilien hat er ihn entdeckt.

„Er schaute mich an, und ich habe ihn gekauft. Wer weiß, was sonst mit ihm geschehen wäre.“

erzählt er seinen Kindern Lena und Max und seiner Frau Mira.

Fortan lebt das Krokodil bei der Familie. Und es ist nicht der einzige Exot in der Vierzimmerwohnung. Im Wohnzimmer stehen Terrarien mit einem Chamäleon, einem Gecko, einer Schlange und allerlei anderem interessantem Getier.

Jakob entpuppt sich als das perfekte Haustier: Er muss nicht Gassi geführt werden, bellt nicht, ist aufmerksamer als eine Alarmanlage und braucht nur alle zwei Wochen etwas zu fressen. Das Krokodil wächst und gedeiht und passt schon bald nicht mehr in sein Terrarium. Stattdessen liegt es am liebsten im Bett von Willi und Mira. Als die Kinder erwachsen sind und ausziehen, bauen die beiden das Kinderzimmer deshalb zu einem Krokodilzimmer um – mit Tropenwald, Wasserbassin, Wärmelampe und einer Panzerglasscheibe als Tür.

Das Krokodil aus der Vierzimmerwohnung wird zur Berühmtheit. Schulklassen kommen zu Besuch und lassen sich – und damit auch den Lesern – erklären, wie Krokodile leben. Ergänzend findet sich am Schluss des Buchs noch ein „Krokodil-Alphabet“ von A wie Abstammung bis Z wie Zähne, das gut verständliches Lexikonwissen über Krokodile liefert.

Jakob bleibt von dem Trubel um seine Person weitgehend unbeeindruckt. Die Spritze des Tierarztes dagegen hat dramatische Folgen für die Wohnungseinrichtung. Noch zwei weitere Katastrophen hat die Krokodilsfamilie zu überstehen, dann kehrt wieder Ruhe ein im Alltag, und „zehn Jahre verstreichen, als wären sie ein einziges Jahr“. Als Jakob schließlich „leise und friedlich“ an Altersschwäche stirbt, sieht es aus, als lächle er noch immer.

Jakob, das Krokodil ist ein Buch, das nachwirkt und Gespräche anstößt – und auch anstoßen sollte. Kindern gefällt die Idee vom Krokodil als Haustier, zumal Jakob in den Illustrationen von Claudia de Weck ausgesprochen drollig daherkommt, wenn er zum Beispiel mit der ganzen Familie auf dem Sofa liegt. De Wecks Zeichnungen haben den Stil von Comics und bringen Fahrt in die Geschichte, in der eigentlich, gemessen an den 42 Jahren, über die sie sich erstreckt, gar nicht so sonderlich viel passiert. Der Wechsel zwischen doppelseitigen Illustrationen mit Wimmel-Charakter und kleineren Schwarz-Weiß-Comicstrips macht das Buch für eine große Altersgruppe interessant.

Als erwachsener Leser steht man schnell vor der Frage: „Ist das nicht alles viel zu verniedlichend? Was hat ein Krokodil in einer Stadtwohnung zu suchen?“ Dem Autor ist das nicht nur bewusst, er macht diese Fragen explizit zum Thema seines Nachworts. „Krokodile sind keine Haustiere“ ist es mit großen Lettern betitelt – um sich dann sehr differenziert mit der Frage auseinanderzusetzen, was eigentlich Wildtiere sind und was Haustiere und was der Mensch leisten muss, damit sie sich in seiner Gesellschaft wohlfühlen. Das ist wohl weniger als Lektüre für die Kinder, sondern mehr für die Eltern gedacht – und bietet ihnen Stoff für Gespräche mit ihren Kindern, zum Beispiel wenn es um den Wunsch nach einem Haustier geht.

Fazit

Die Geschichte nimmt immer wieder auch die Perspektive des Tiers ein. „Jakob geht es gut“, heißt es da. Doch woran lässt sich erkennen, ob es einem Krokodil gut geht? Und kann es einem Krokodil in einer Wohnung überhaupt gut gehen? Georg Kohler spielt ganz bewusst mit dem Perspektivwechsel zwischen Mensch und Tier.

„Was für eigenartige Tiere sind wir selber, wir Menschen?“

schreibt er in seinem Nachwort. Es bleiben viele Fragen – und genau das ist, neben einer unterhaltsamen Geschichte, die Leistung dieses Bilderbuchs.

Eva Dignös, September 2014

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