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Buchcover: Heike Eva Schmidt: Der zauberhafte Eisladen - Vanille, Erdbeer und Magie

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Der zauberhafte Eisladen - Vanille, Erdbeer und Magie von Heike Eva Schmidt

erschienen bei Boje

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

Ein Opa, der ein Eiscafé besitzt, ist eigentlich schon wie ein Sechser im Lotto, der schlecht noch getoppt werden kann. Doch Ellis Opa Leonardo hütet nicht nur das beste Eis der Stadt, sondern auch ein ganz besonderes Geheimnis...

Die quirlige Elli ist erst vor ein paar Tagen neu in die Stadt gezogen und hat mächtig Bammel vor dem ersten Schultag. An ihrer alten Schule wurde sie für ihre lebenslustige und farbenfrohe Kleidung, die sie häufig selber näht, ausgelacht. Ob das in der neuen Stadt wieder so sein wird? Bei all den neuen Eindrücken, die auf sie einprasseln, tut es gut, dass Ellis Großvater Leonardo nicht nur in derselben Stadt lebt, sondern auch noch ein äußerst beliebtes Eiscafe führt, das immer wieder durch unglaublich leckere Eigenkreationen wie Banandel oder Pistaselnuss überrascht. Auch am Morgen des ersten Schultages hilft er seiner Enkelin gekonnt mit einem Eis über die Aufregung hinweg, gleich vor einer neuen Klasse stehen zu müssen.

Elli genießt die Nähe zu ihrem Großvater sehr und besucht ihn so oft sie kann in seinem Eiscafe. Doch irgendwie gehen dort bzw. im angrenzenden Wohnhaus merkwürdige Dinge vor sich. War das Wohnzimmer in einem Moment noch leer, kommt im nächsten Ellis Großvater daraus heraus spaziert. Und schließlich beobachtet Elli den Eismacher dabei, wie er in einem beweglichen Regal im Gartenschuppen verschwindet. Sofort ist ihr Forscherdrang geweckt.

Bei der nächsten Gelegenheit zwängt sie sich selber durch diese geheime Tür, um kurz darauf in einer Art Labor zu stehen, in dem viele Fläschchen und Gläser mit farbigen Flüssigkeiten stehen. Bevor sie allerdings dazu kommt, diese genauer untersuchen zu können, steht auch schon ihr Großvater hinter ihr. Der ist natürlich nicht begeistert über Ellis Entdeckung, allerdings ist es ein notwendiger Schritt, wenn er Elli in die Geheimnisse der Eismagie einweihen will. Denn genau dieses Geheimnis hütet Ellis Familie seit Generationen: sie sind Eismagier, die nicht nur viele köstliche Sorten kreieren können, darüber hinaus können sie die Eissorten mit vorher gewonnen Gefühlsessenzen anreichern und so einem mutlosen Kind zu Mut verhelfen, die Angst nehmen oder etwas Selbstvertrauen verleihen.

Ellis Großvater hat dafür geheime Eiskübel, die er unbemerkt bei Bedarf öffnet und die jeweils passende Sorte daraus entnimmt. Die Essenzen stellt Leonardo in eben diesem Labor her, das Elli zufällig entdeckt hat. Voraussetzung für die Erstellung ist allerdings, dass die Magier Gefühle schmecken und sehen können, eine Gabe, die der Großvater jüngst an Elli beobachten konnte. Der feine Farbstaub, den starke Gefühle verursachen, wird geschickt eingefangen und in die magische Flüssigkeit umgewandelt, die dann das Eis entsprechend anreichert. Obwohl es bisher nur männliche Eismagier gab, trägt Elli die Gabe in sich, nachdem ihrer Mutter dieses Glück nicht zuteil wurde.

Doch der Weg bis zu einem perfekt ausgebildeten Magier ist lang, langweilig und steinig. Elli würde am liebsten direkt loslegen, doch es gibt viel zu lernen, bis es an die Kreation des ersten Eises geht. In einem ersten Schritt übt Elli das Einfangen von Gefühlen und muss schmerzlich erkennen, dass die Leichtigkeit, mit der es ihr Großvater beherrscht, hart erarbeitet werden muss. Doch ungeduldig, wie sie ist, will sie sofort ihr eigenes Eis kreieren und stibitzt sich aus Großvaters Labor einen kleinen Schluck Essenz, mischt ihn unter einen Eisrest aus dem heimischen Tiefkühlfach und erlebt eine äußerst ausgelassene und alberne Familie.

Angestachelt von diesem Erlebnis nimmt sie am nächsten Morgen Eis für die ganze Klasse mit in die Schule – versehen mit einer Extra Portion Spaß-Elixier. Und damit nimmt das Unglück seinen Lauf, denn nicht nur ist die Klasse nicht zu bändigen (Elli hatte zu Forschungszwecken auf eine eigene Eisportion verzichtet), auch wurde die Lehrprobe ihrer geliebten Lehrerin vorverlegt und zwar auf Morgen. Was, wenn die Wirkung des magischen Eises bis dahin nicht nachlässt und die Klasse weiterhin so übertrieben albern ist wie jetzt&? Zähneknirschend sieht Elli ein, dass es nur einen Ausweg aus der Misere gibt: sie muss ihren Großvater einweihen und um Hilfe bitten …

Bei hochsommerlichen Temperaturen gemütlich auf dem Rasen liegend von magischem Eis zu lesen – klingt nach dem perfekten Sommerferienbuch. Und tatsächlich ist „Der magische Eisladen“ ein Ferienschmöker mit allem, was eine gute Urlaubslektüre ausmacht: Spannung, Witz, überraschenden Wendungen und liebevollen Details, die es schwer machen, das Buch aus der Hand zu legen und sei es nur, um sich noch eine kühle Erfrischung einzugießen.

Elli ist ein aufgeweckter und sympathischer Wirbelwind, die es nicht immer leicht hat mit ihren zwei Brüdern, der gesundheitsbewussten Mutter und dem zerstreuten Vater, die auch ein bisschen anders ist als die meisten anderen Kinder und schon allein durch ihre wilden Locken und ihre bunten Sachen auffällt.

Ellis Familie ist eigentlich ganz normal und dann doch wieder besonders, leicht schrullig und chaotisch. Komplettiert wird sie durch drei Familienhühner auf der Dachterrasse, die weit mehr sind als reine Frischeilieferanten. Auch Großvater Leonardo schließt man beim Lesen schnell ins Herz, schließlich ist er eine Mischung aus liebenswertem Opa, geheimnisvollem Zauberer und temperamentvollem Italiener, der mit seinen italienischen Ausrufen der Handlung eine gewisse zusätzliche Dynamik verleiht.

Die in den Text eingestreuten italienischen Vokabeln verleihen den Figuren mehr Authentizität, trotzdem wären sie nicht unbedingt notwendig gewesen. Bei jüngeren Leserinnen und Lesern könnten sie den Lesefluss unnötig erschweren, gleichzeitig ist es aber auch eins der zahlreichen Details, die das Buch ausmachen. Die Handlung ist sonst flüssig geschrieben und wird anschaulich aus Ellis Sicht erzählt, so dass man beim Lesen schnell in ihre Gedanken und Gefühlswelt eintauchen kann und gehörig mit ihr mitfiebert.

Die Texte der insgesamt 14 Kapitel werden durch dezente kleine schwarz-weiß Zeichnungen aufgelockert , die teilweise rein illustrativer Natur sind (und z.B. gern und viel die Hühner in verschiedenen Situationen zeigen) oder ab und zu auch gerade beschriebene Szenen bildlich darstellen.

Wer Lust bekommen hat, nach der ausführlichen Beschäftigung mit Eis sich selber an die Herstellung einer leckeren Sorte zu wagen, findet am Ende der Geschichte ein anschauliches Rezept – jedoch frei von Gefühlsessenzen …

Fazit:

Erfrischend, spannend, humorvoll – also beste Voraussetzung für vergnügte Lesestunden, die auch den heißesten Sommertag wie im Flug vergehen lassen.

Claudia Goldammer

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