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Buchcover: Idan Ben-Barak: Dieses Buch auf keinen Fall ablecken!

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Dieses Buch auf keinen Fall ablecken! von Idan Ben-Barak

erschienen bei Thienemann

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

Es ist nun einmal nicht zu ändern: Mikroben sind überall. Permanent sind sie um uns herum, im gewissen Maß sind sie hilfreich, werden sie zu viel, können sie schädlich sein. Schwer vorstellbar, denn schließlich sind sie ja winzig. Doch wie klein sind sie denn nun genau?

Wer kennt es nicht? Während man selber penibel darauf bedacht ist, vor allem in öffentlichen Räumen, wie Bussen, Straßen- oder U-Bahnen, möglichst wenig mit Haltestangen, Geländern oder Türgriffen in Berührung zu kommen und wenn es dann doch passiert ist, sich schnellstmöglich die Hände zu waschen, sind Kinder da vollkommen schmerzfrei. Es beginnt im Babyalter, wenn sie sich in der oralen Phase alles Mögliche in den Mund stecken und endet – ja, wann eigentlich? Während manchem Elternteil allein bei dem bloßen Gedanken an die Millionen Bakterien, die sich überall befinden, ein Herpes wächst, scheinen Kinder der elterlichen Predigt gegenüber, bitte nicht die Fensterscheibe abzulecken oder am gefundenen Bonbonpapier zu nuckeln, vollkommen taub zu sein.

Es ist aber auch schwierig, Kindern zu vermitteln, dass auf dem glatten Handlauf der Rolltreppe Millionen winziger Wesen sitzen, die, im schlimmsten Fall, Krankheiten auslösen können. Doch dieses Problem ist nun gelöst, denn mit „Dieses Buch auf keinen Fall ablecken“ ist es Idan Ben-Barak und Julian Frost gelungen, spielerisch und witzig zu zeigen, dass Mikroben überall leben, auch wenn sie mit dem bloßen Auge einfach nicht zu erkennen sind.

Als Einstieg dient dabei Mimi, ihres Zeichens liebenswürdige Mikrobe und Bewohnerin eines Blattes Papier. Damit Kinder sich eine Vorstellung davon machen können, wie klein die Mikroben sind, ist ein klitzekleiner Punkt, so groß wie eine Bleistiftspitze, auf eine Buchseite gezeichnet, versehen mit der darunter stehenden Erläuterung, dass Mimi 3.422.167 Mal auf diesen klitzekleinen Punkt passen würde. Vielleicht aber auch noch ein paar Millionen Mal mehr, so genau weiß das keiner.

Um diese Dimension noch deutlicher zu machen, nehmen die Autoren uns anschließend mit Hilfe von Rasterelektronenmikroskopaufnahmen auf eine Reise in die Tiefen der Strukturen. In fünf Etappen geht es von außen nach innen, immer näher ran an Mimis Buchseite, bis schließlich groß einzelne Fasern zu sehen sind. Mittendrin sitzt (hineingezeichnet) Mikrobe Mimi. Winzig klein hängt das freundliche blaue Bakterium dort gelangweilt zwischen den Fasern rum. Aha, schonmal ganz interessant.

Doch Eltern behaupten ja immer, dass Bakterien überall sind. Also gleich mal nachschauen. Und was liegt näher, als die gelangweilte Mimi einfach mitzunehmen? Die Leserinnen und Leser werden aufgefordert, auf das Blatt zu tippen und Mimi auf die Entdeckungstour mitzunehmen. Auf der Fingerkuppe reist es sich schließlich ganz wunderbar. Nächste Station ist dann gleich der Mund, genauer gesagt, die Zähne. Vor dem Spiegel sehen sie weiß und glatt aus, doch die Aufnahmen des Elektronenmikroskops zeigen eine zerklüftete Landschaft mit Furchen und Spalten. Und mittendrin: Mikroben. Diesmal ist es Mikrobe Rosa, die nichts lieber tut, als Löcher zu buddeln. Die Hügellandschaft bietet dafür beste Voraussetzungen, denn in den Tälern lagern sich nur zu leicht Essensreste ab, die zum Buddeln geradezu herausfordern.

Doch schon geht die Reise weiter, allerdings ist diesmal zusammen mit Mimi Rosa am Finger kleben geblieben. Zwischen den dschungelartigen Fasern eines T-Shirts treffen die beiden Dieter, der sich sehr über dreckige Stellen freut, den Schmutz liebend gern weiter verteilt und Waschmittel fürchtet wie nichts sonst auf der Welt. Letzte Station ist schließlich der Bauchnabel, bewohnt von Fred, der nichts mehr hasst als Seife und zu gern einen großen Becher Schweiß trinkt.

Dass die vier Mikroben nicht der Phantasie von Idan Ben-Barak und Julian Frost entsprungen sind, erfahren die Leserinnen und Leser am Ende der kurzen Reise. Hier werden die echten Mikroben mit ihrem richtigen Namen vorgestellt und erläutert, wo sie vorkommen.

Idee und Umsetzung gehen bei diesem Buch Hand in Hand. Den beiden Autoren ist es gelungen, ihre Idee überzeugend und unterhaltsam umzusetzen. Die Aufnahmen des Rasterelektronenmikroskops sind spielerisch mit punktuellen und flächigen Zeichnungen dazwischen verbunden und helfen dabei, die kurze Reise überzeugend zu erzählen. Über die Fotos und die hineingezeichneten Mikroben können Kinder zumindest eine Ahnung davon bekommen, wie klein die unsichtbaren Wesen tatsächlich sind und zeigen darüber hinaus interessante Perspektiven von ganz alltäglichen Dingen.

Mimi und ihre Freunde sind zwar Sympathieträger, freundlich und witzig gezeichnet, machen aber auch klar, dass sie sich in Dreck und Schmutz am wohlsten fühlen. Die kurzen Begleittexte sind ansprechend geschrieben, leicht verständlich und vermitteln gerade so viele Informationen, dass Kinder die Fotos bzw. die Interessen der darin lebenden Mikroben einordnen können.

Ein weiterer Pluspunkt ist die aktive Ansprache der Leserinnen und Leser, indem sie zum Mitmachen aufgefordert werden und Mimi erst auflesen sollen, um sie dann von Seite zu Seite befördern, ohne sie tatsächlich sehen zu können. Alles zusammen genommen erfüllt das Buch durchaus die hohe Erwartungshaltung, die der ungwöhnliche Titel „Dieses Buch nicht ablecken“ weckt und bereitet einfach Freude beim Lesen und Durchblättern. (Für alle, die es doch ablecken wollen, gibt es auf der Rückseite eine kleine, mit Lack versiegelte, Fläche).

Fazit:

Wenn man dieses originelle Buch schon nicht ablecken soll, lohnt sich doch zumindest das Durchblättern, Lesen und Entdecken. Sehr sogar. Eine aufregende und interessante Reise in die Welt der Mikroben, die uns näher sind, als Kinder sich vorstellen können.

Claudia Goldammer

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