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Buchcover: Heinz Janisch: Die kluge Katze

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Die kluge Katze von Heinz Janisch

erschienen bei Annette Betz

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

Heinz Janisch wählte für sein Buch „Die kluge Katze“, erschienen bei Annette Betz, die schönsten Tiermärchen aller Herren Länder aus. Da finden wir alte Geschichten aus Finnland, Litauen, Mazedonien, Ägypten, Japan, Afrika, Frankreich, der Südsee, Syrien… und sie alle erzählen auch ein wenig über die Menschen und das Land selbst, aus dem sie stammen.

Und weil ein jeder ja auch unter den Tiermärchen sein Faible hat, ist Heinz Janisch daran gegangen, ihre jeweilge Thematik verschiedenen Überschriften zuzuordnen. Da finden wir unter der Überschrift „Da gab es große Freude im Schloss“ – wie bei allen Kapitelüberschriften finden wir auch hier ein Zitat aus der jeweiligen Sammlung – Geschichten über verzauberte Tiere und fremde Königreiche. Da fällt uns spontan der „Froschkönig“ von den Gebrüdern Grimm ein – aber wir finden auch weitaus interessantere Geschichten wie „Das rote Lamm“ aus Finnland, in der ein armer Schafhirte für seine Großzügigkeit reich belohnt wird. Berührend ist dagegen das Märchen „Die Schwanenkönigin“ aus Litauen. Ein Schwan wird seiner Flügel beraubt, fügt sich seinem Schicksal, wird schließlich Königin und bekommt einen kleinen Köngissohn. Ihre Sehnsucht nach ihrer ehemaligen, stolzen, Schwanenfamilie ist aber so groß, dass sie sich schließlich entschließt, ihren Sohn zu verlassen. Doch sie vermisst ihn so sehr, dass sie immer, wenn das Kind schläft, zu ihm zurückkehrt. Ein Märchen aus Mazedonien erzählt davon, wie die Tiere bei der Versammlung beim Löwen beschließen, dass die Sonne zu einsam sei und heiraten solle. Dann aber stellen sie nach reiflicher Überlegung fest, dass es zwar gut für die Sonne, jedoch nicht gut für die Tiere wäre, wenn die Sonne Kinder bekäme…

„Warum Frösche quaken, Raben schwarz sind, Hunde und Katzen einander nicht leiden können und andere Geschichten von kleinen großen Tieren“ finden wir im zweiten Kapitel. Ein relativ unbekanntes deutsches Volksgut erzählt von der eher peinlichen Ursache, warum Hunde und Katzen einander nicht leiden können oder ein Abessinisches Märchen, nicht weniger originell in seinem Einfallsreichtum, erzählt, warum die Frösche eigentlich mit dem Quaken begonnen haben. Warum die Hasen „wirklich“ die Rinde von den Bäumen nagen, darauf wären wir sicherlich niemals gekommen – aber das Märchen aus Japan weiß von dem wahren Grund zu berichten.

Das Kapitel „Eines Tages hielten die Tiere eine Versammlung ab…“ widmet sich jenen Geschichten, die von den klugen Tieren handeln. Da lernen wir von dem Märchen aus Syrien, wie eine gewisse Lebenseinstellung dem einen oder anderen Fisch das Leben gerettet hat oder wir erfahren auf besonders humorvolle und unterhaltsame Weise in einem nordamerikanischen Märchen, warum der Biber heute einen platten Schwanz hat und wie der Elch zu so dicken Lippen kam – und das alles nur, weil der Elch dem Biber auf den Schwanz getreten ist und sich dabei gründlich auf „die Schnutel“ gelegt hat. Dabei waren die Tiere ursprünglich nur auf der Suche nach der verschwundenen Sonne…

Denkwürdiges finden wir schließlich im vierten Kapitel: Da gibt es die griechische Geschichte über das schönste Kind von allen! Und auch die Titelgeschichte dieses Buches: „Die kluge Katze“ aus Korea. Besonders zum Schmunzeln regt die Theorie der Indianer über die Frage „warum der Tapir an jedem Baum rüttelt“ an. Aber auch das deutsche Volksgut „Die Nachtigall und der Gimpel“ lässt uns ein wenig über Vorurteile nachdenken.

Im fünften und letzten Kapitel „… und der das zuletzt erzählt hat, dem ist der Mund noch warm“ finden wir den deutschen Klassiker der Tiermärchen, nämlich die Bremer Stadtmusikanten aus dem auch die Überschrift zu diesem Kapitel stammt. „Der Eseltreiber und die zwei Diebe“ aus dem arabischen Raum lässt uns darüber philosophieren, ob das Falsche für andere etwas Gutes bedeuten kann. Wie klug eine Katze im indionesischen Märchen ist, zeigt sich, als sie es durch eine List sogar schafft, eine wilde Affenbande zu vertreiben – schließlich weiß sie genau, dass die Affen immer genau das tun, was sie nicht sollen.

Eine wirklich wunderbare Mischung von spannenden, einfühlsamen, humorvollen, philosophischen und denkwürdigen Tiermärchen erwartet uns mit dieser Sammlung, die Heinz Janisch ebenso klug wie liebevoll ausgewählt hat. In seinem Vorwort „Frei wie ein Vogel – ein Lob der Märchen“ berichtet er von seiner Leidenschaft für die Märchen, denn sie „erzählen immer von den unendlichen Möglichkeiten des Lebens“. Als neugieriger Leser machte er sich auf die Suche nach den besonderen Fundstücken, „die er dann vorsichtig in die Hand nimmt, sie abwägt, da und und dort ein wenig Staub entfernt…“ – und es ist eben sein Gefühl für diese Märchen, das er uns vermittelt. Und nicht nur die Auswahl, sondern auch Heinz Janisch´ Überarbeitung der Geschichten machen es zu einem qualitativ hochwertigen Buch, das uns neben seinen Märchen auch vieles über die Mentalität und Klugheit der Menschen erzählen kann, aus dessen Land die jeweilige Geschichte stammt.

Doch bei dem einen oder anderen Märchen der Gebrüder Grimm hätte Heinz Janisch etwas mehr Staub entfernen sollen. Sie wollen, meiner Meinung nach, neben den meist sehr gut erzählten, klaren Märchen, mit denen auch die Kinder heutiger Tage noch eine Menge anfangen können, nicht so recht passen. Die Sprache lehnt sich immer noch sehr an ihre ursprüngliche Form an und ich finde ihre „Tonart“ ein wenig streng und schwer verständlich. Aber auch ihr Inhalt erscheint mir an so mancher Stelle fragwürdig. Die Märchen aus dem deutschen Volksgut finde ich hingegen wesentlich passender und sie reihen sich ganz selbstverständlich zwischen jene wunderbare Geschichten aus fernen Ländern ein.

Die Illustrationen von Marion Goedelt, die sich auf jeder der Seiten des Buches befinden, sei es als witziges Detail oder als ganzseitige Ansicht, wirken in ihrer geradlinigen, schnörkellosen Art sehr eigenständig. Ihr eigenwilliger und doch gefälliger Ausdruck macht Spaß und ist witzig umgesetzt. Besonders die Mischung der überwiegend pastelligen Farben und den hellen, leuchtenden Akzenten, die den Blick des Betrachters umerklich lenken, verleihen den Illustrationen eine gewisse Ausgewogenheit und Ruhe. Sie lassen die Tierwelt stets fröhlich und heiter wirken – selbst wenn Marion Goedelt auch einmal zu dunkleren oder tristeren Farben greift, hat der Gesamteindruck noch immer eine heitere Note.

Fazit:

Es scheint, dass dieses Buch uns das Anliegen von Heinz Janisch, wir mögen neben dem Spaß an den Geschichten auch den freundlichen und respektvollen Umgang mit den Tieren wiederentdecken, ein gutes Stück nahebringt. „Die kluge Katze“ ist sowohl inhaltlich als auch in seiner Gestaltung eine heitere, „weltumspannende“ Geschichtensammlung, deren fein abgestimmte Auswahl sich wirklich sehen lassen kann. Dies und die wunderbaren Illustrationen von Marion Goedelt machen das Buch zu einem hochwertigen Begleiter in allen „Lebenslagen“: Ob als Gutenacht-Geschichten, für unterwegs oder einfach mal zwischendurch.

Stefanie Eckmann-Schmechta


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