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Buchcover: Katerina Janouch: Bevor ich auf die Welt kam

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Bevor ich auf die Welt kam von Katerina Janouch

erschienen bei Oetinger

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

Manche Eltern fragen sich vielleicht, wann der richtige Zeitpunkt für die erste Aufklärung gekommen ist. Spätestens zu Beginn des Kindergartenalters – meist schon vorher – tauchen die ersten Fragen auf. „Bevor ich auf die Welt kam – wie Babys entstehen“ von Katerina Janouch, erschienen bei Oetinger, ist ein erster, hilfreicher Ratgeber in Sachen „rund um die Sexualität“. Ein kleiner Junge beantwortet die Fragen eines imaginären „Freundes“ im Dialog. Aufklärung sehr kindgerecht und lebensnah! Meiner Meinung nach, ein wichtiges Kinderbuch für jedes Kinderzimmer und für den Kindergarten!

Ein kleiner, ungefähr vierjähriger Junge macht sich Gedanken, wo er eigentlich war „Bevor ich auf die Welt kam“. Er glaubt, er war an einem Ort, den keiner kennt und wo viele Ungeborene viel Spaß miteinander hatten. Und dann haben sich seine Eltern unglaublich nach ihm gesehnt. Und da alle Babys zuerst bei einer Mama im Bauch waren, war es logischerweise auch dieser kleine Junge. Und wie ist er da genau hereingekommen? Seine Mama und sein Papa sind sich irgendwie begegnet und haben sich ineinander verliebt. Erst haben sie eine schöne Zeit miteinander verbracht und dann wollen sie gerne ein Baby. Sie hatten Sex miteinander und so haben Sperma und Eizellen zusammengefunden und ein Baby ist entstanden!

Im Bauch der Mutter gibt es einen bestimmten Ort, wo Platz genug ist und der sich den neuen Anforderungen immer wieder anpasst. Manchmal entstehen Zwillinge oder Mehrlinge und wenn Eltern keine Kinder bekommen können, dann können manchmal Ärzte helfen z. B. mit einem Retortenbaby. Auf ein Baby muss man ziemlich lange warten, 40 Wochen, um genau zu sein, denn das Baby braucht viel Zeit, um alle Organe zu entwickeln. Und was macht das Baby den ganzen Tag im Bauch? Essen, Trinken und Üben. Und dann ist es soweit: alles ist fertig, das Baby will raus und endlich die Welt kennen lernen. Die Geburt beginnt, das Baby wird geboren und manchmal bekommen Mamas ihre Babys auch per Kaiserschnitt. Und so wurde auch unser kleiner Junge irgendwann, irgendwie geboren und warum er gerade so geworden ist, wie er ist, das bleibt sein Geheimnis…

Auf den ersten Blick und beim ersten Durchblättern dieses Aufklärungsbilderbuches für unsere Kleinen fand ich persönlich die comicartigen, etwas eigenwilligen Charaktere von Mervi Lindmann etwas zu niedlich – fast schon naiv mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Im Nachhinein betrachtet, finde ich sie sehr kindgerecht und durch ihre sehr eigenwilligen Charaktere unterstreichen sie den Inhalt, auf den es eigentlich ankommt, sehr gut. Die Umrisszeichnungen sind farbig in Tusche gezeichnet und heben sich vor dem weißen Hintergrund deutlich ab. Die cartoonartigen Zeichnungen zeigen einige amüsante Details. Die zum Teil doppelseitigen Illustrationen beschränken sich auf den Inhalt der Geschichte, sind kindgerecht und haben durch ihren inhaltlichen Aspekt selbstverständlich einen hohen Wiedererkennungswert. Das Verhältnis von Illustration zum Text finde ich sehr ausgewogen. Einige wenige Fragen, die – bis auf zwei Ausnahmen – im Dialog zu einem imaginären Freund sachlich einfach und richtig beantwortet werden. Die emotionalen Illustrationen unterstützen die Geschichte auf gute Weise. Irritierend finde ich die Abb. des Babies mit vier Füssen und die Darstellung des Kaiserschnitts.

Keine Frage: Aufklärung ist wichtig, aber ebenso auch der richtige Zeitpunkt dazu. Wenn Fragen auftauchen, sollten sie auch beantwortet werden. Hier gibt „Bevor ich auf die Welt kam“ von Katerina Janouch, Eltern die Möglichkeit kindgerecht mit dem Thema umzugehen. Aufklärung sollte in der heutigen Zeit kein brisantes Thema mehr sein, aber trotzdem sollte man für Aufklärung ein gewisses „Fingerspitzengefühl“ mitbringen, um die kleinen Leser nicht zu überfordern. Dieser erste Ratgeber geht das Thema meiner Meinung nach sehr locker an, hier wird keine Spannung provoziert, Aufklärung und Sexualität ist so einfach und normal wie Essen und Trinken und gehört zu unserem Leben einfach dazu, denn sonst wären wir alle nicht da. Diese logische Folgerung können 4-jährige durchaus nachvollziehen. Durch den Bezug zur Realität sowie durch den Erzählstil, ein ca. 4 Jahre alter Junge beantwortet die Fragen eines Freundes oder einer Freundin, erreicht die Autorin eine hohe Identifikation und damit auch einen hohen Erinnungswert. Inhaltlich sind alle wichtigen Themen in chronologischer Reihenfolge erzählt:

was/wo war ich vorher?

das Kennenlernen der Eltern: Verliebtheit

Zusammensein: Babywunsch

Sexualität: was ist das? Wie geht das?

Babybauch: von Einling bis zum Mehrling oder auch Retortenbaby

Was passiert in Mamas Bauch?

Was macht das Baby den ganzen Tag?

Papa´s Aufgabenbereich

Adoptiveltern/Kinder – Patchwork-Familie

die Geburt: natürlich oder Kaiserschnitt

Inhaltlich beschränkt sich die Autorin auf die Beantwortung der Fragen, ohne Schönmalerei und ohne dabei zu sehr in Detail zu gehen. Im Gegenteil, der Leser erlebt hier einige lustige Ausflüge in die kindliche Vorstellungskraft: was es heißt verliebt zu sein, sich zu lieben und gemeinsam ein Baby zu zeugen. Das wirkt sehr erfrischend und unterhaltsam, weil es nicht bloß um die Vermittlung bloßer „Sachinformationen“ geht, sondern – ich möchte fast sagen – um kindliche Philosophie und Weltanschauung, die Kinder werden also sehr humorvoll und einfühlsam in ihrer Welt abgeholt. Manchem Erwachsenen mag die ein oder andere Betrachtungsweise (in ihrer Ausgiebigkeit) überflüssig oder gar unangenehm vorkommen. Aber um Kindern dieses Thema nahe bringen zu können, müssen zunächst viele grundlegende Dinge erklärt werden. Dieser Aufklärungsberater ist sicherlich manchmal auch erklärungsbedürftig, z.B. Begriffe wie Retortenbabys, Reagenzglas oder Adoptiveltern und Patchwork-Familie, sind nicht selbstverständlich. Aber dies ist auch kein Aufklärungsbuch, das man einem 4- oder 5-Jährigen zum Selbststudium in die Hand drückt. Hier ist der Dialog gefragt, auch der vom Kind zu den Eltern! Kleiner Wermutstropfen meiner Meinung nach: Manche Paare haben einfach nur Sex und wollen gar keine Kinder und manche können eben einfach keine bekommen und wollen auch keines aus der Retorte! Dies geht hier ein bisschen unter.

Der Text ist sehr kindgerecht: Fragen – Antworten. Die Antworten einfach, wie tatsächlich ein Kind das einem anderen nicht besser erklären könnte. Die Sprache dient hier als bloße Verständigung, die Bilder sind einfach und nachvollziehbar, der Spannungsbogen ergibt sich einfach aus der Sache heraus. Der Text fesselt nicht nur durch den Inhalt, sondern auch durch die teilweise direkte Ansprache des Lesers, der sich bereits durch den „Blickkontakt“ der Illustrationen sehr eingebunden fühlt. Die Botschaft für die Eltern braucht man nicht erst zwischen den Zeilen zu lesen, wichtig ist: immer da zu sein, offen sein für alle Fragen und Antworten und Dinge, die wichtig sind, zu benennen. Grundsätzlich sollten also nur die Fragen des Kindes beantwortet werden und darüber hinaus nur Erklärungen folgen, wenn das Kind von sich aus weiterfragt.

Fazit:

Ein erstes Aufklärungsbuch zum Vorlesen für Eltern und für kleine Forscher, die mehr über das Leben wissen wollen. Ein idealer Ratgeber für Eltern und Erzieher, die Fragen lebensnah und offen beantworten wollen. Ein solches Aufklärungsbuch sollte in keinem Kinderzimmer fehlen.

Rufina Wieners

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