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Buchcover: John Bellairs: Das Haus der geheimnisvollen Uhren

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Das Haus der geheimnisvollen Uhren von John Bellairs

erschienen bei Heyne

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

Waisenkind Lewis wird von seinem Onkel Jonathan aufgenommen, der sich als Magier entpuppt. In dem Haus des Onkels ist eine Zauberuhr versteckt, die den Weltuntergang einzuläuten droht. Als Lewis versehentlich eine Hexe weckt, wird diese Drohung akut... – Dieses Buch sorgt für Mystery-Spannung, ohne in Kinder-Kitsch-Klischees zu versinken. Lange vom Buchmarkt verschwunden, sorgte die Verfilmung für eine Neuausgabe, was für junge Leser erfreulich ist.

Lewis Barnavelt, der im Jahr 1948 gerade 10 Jahre alt wurde, hat seine Eltern bei einem Autounfall verloren. Onkel Jonathan van Olden Barnavelt nimmt den Waisenknaben auf. Lewis kommt so ins kleine Städtchen New Zebeedee im idyllisch-verschlafenen Capharnaum County, US-Staat Michigan. Dort lebt er nun in einem alten Haus, das eigentlich sehr gemütlich ist, obwohl es einige Seltsamkeiten wie Spiegel, die fremde Länder in fernen Zeiten zeigen, gibt.

Nachts schleicht Onkel Jonathan durch das Haus, horcht an den Wänden und sucht etwas. Als er Lewis ertappt, der ihn dabei beobachtet, packt Jonathan aus: Das wurde einst von Isaac Izard erbaut. Der war ein böser Zauberer und hat irgendwo in den Mauern eine Uhr versteckt. Sollte diese irgendwann zu ticken aufhören, wird die Welt untergehen.

Die Uhr muss unbedingt gefunden werden, nachdem Lewis versehentlich den Geist der bösen Selena Izard aus ihrem Grab befreit. Sie will das Werk vollenden und den Weltuntergang auslösen! Lewis will das verhindern, aber das ist gefährlich, denn Selena ist eine Hexe und kennt fiese Zaubertricks …

Alte, aber gute Geschichte (nicht nur) für Kinder

John Bellairs ist viele Jahre nach seinem frühen Tod ein viel gelesener Kinder- und Jugendbuch-Autor geblieben. Er hat Geschichten erzählt, die sehr gut unterhalten, ohne dabei von der Idee beherrscht werden, dieses Publikum um jeden Preis zu belehren.

Das Ergebnis ist ein Buch wie „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“, das auch erwachsene Leser zu fesseln vermag. Der Autor arbeitet geschickt mit Elementen milden Horrors, die er in eine realistische Alltagswelt transportiert. Dabei werden (Kinder-) Ängste, die sich beileibe nicht ausschließlich um Geister drehen, sondern auch die Furcht vor dem Allein- und Fremdsein in einer aus den Fugen geratenen Welt einschließen, beschworen, bewältigt und damit gebannt – und das, wie schon erwähnt, ohne den berühmt-berüchtigten erhobenen Zeigefinger.

Die Figuren sind lebendig, wobei angenehm auffällt, dass die Erwachsenen weder zu Respektspersonen, vor denen Kinder stramm zu stehen haben, erhöht noch zu Trotteln herabgewürdigt werden, die rein gar nichts von dem kapieren, was um sie herum vorgeht. Obwohl New Zebeedee eine typische US-amerikanische Kleinstadt ist, sind die Kinder keine Kino- oder Fernseh-Abziehbilder. Sie stehen mit beiden Beinen fest im Leben, das auch unangenehmen Seiten hat. Das wird, wie gewisse Charakterschwächen, nicht ausgeblendet.

Die Story ist spannend, und Bellairs spart nicht mit Unheimlichkeiten, denen erfreulicherweise nicht jeglicher Grusel ausgetrieben wurde. Dass dies vom Verfasser gewollt war, zeigt seine Entscheidung, „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ damals ausgerechnet von Edward Gorey (1925-2000) illustrieren zu lassen. Dessen Zeichnungen wirken stets so, als verberge sich in den Schatten etwas, das man lieber nicht sehen möchte. Schade, dass Goreys Illustrationen in dieser deutschen Neuausgabe nicht mehr zu finden sind.

John Bellairs wurde 1973 vom Erfolg seines Werkes überrascht. Der Autor baute „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ zu einer Serie aus. Lewis Barnavelt erlebte weitere fantastische Abenteuer in New Zebeedee. Auch die Fortsetzungen wurden gern gelesen, konnten den Triumph des Erstlings jedoch nicht wiederholen. Zwar erschien der erste Barnavelt-Band bereits 1977 in Deutschland, blieb jedoch ein Geheimtipp. Die Gesamtserie wurde ab 2000 veröffentlicht. Sie verdankte es dem phänomenal erfolgreichen Harry Potter. Jetzt hat es auch Lewis Barnavelt ins Kino geschafft und ist auch im (ersten) Buch wieder da!

Es tickt auch im Kino

Es dauerte lange, bis „Das Haus der geheimen Uhren“ als Filmvorlage erkannt wurde. Erfolgreiche Streifen wie „Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children“ (2016; dt. „Die Insel der besonderen Kinder“) oder „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ (2016; dt. „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“) haben den Weg geebnet.

2018 kam „Das Haus der geheimen Uhren“ in die Kinos. Das Budget ist üppig, die Besetzung lässt zumindest aufhorchen: Den exzentrischen Onkel Jonathan spielt Jack Black („School of Rock“, 2003; „King Kong“, 2005; „Gullivers Reisen“, 2010), der exzentrischen Hexe im Nachbarhaus verleiht Cate Blanchett ihr markantes Gesicht, und den bösen Zauberer Isaac Izard gibt Kyle MacLachlan („Twin Peaks“).

Fazit:

Ein erfolgreicher Klassiker in neuem Gewand, der bald auch in die Kinos kommt. John Bellairs „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ ist schon etwas gruselig, aber auch sehr atmosphärisch und spannend. Sicherlich wird dieser zeitlose Roman auch den Kindern und Harry Potter Fans von Heute gefallen.

Michael Drewniok

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