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Buchcover: Julie Colombet: Bestiarium der kleinen und großen Tiere

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Bestiarium der kleinen und großen Tiere von Julie Colombet

erschienen bei Sauerländer

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

Hinter dem für heutige Kinderohren doch gefährlich klingenden Titel „Bestiarium“ verbirgt sich eine sehr ungefährliche Sammlung an Tieren und Anekdoten, Fakten und Geschichten. Das Besondere an diesem Buch ist das Querformat. Man kann es gar nicht wirklich lesen, sondern liegt am besten auf dem Boden, blättert durch und schaut sich alles genau an.

Ebenfalls besonders ist die Sortierung in diesem Sachbilderbuch – besonders gut, könnte man fast sagen. Sie entspricht nicht irgendwelchen wissenschaftlichen Kriterien, die sich die Fachwelt ausgedacht hat, um das große Ganze der Welt in einzelne Schubladen zu sortieren, genormt, klassifiziert, einheitlich, vergleichbar. Was ja durchaus seinen Sinn hat, aber für den Alltag wenig Nutzen, für den Alltag mit Kindern zumal. Die ihre Welt ja auch nicht zerteilt in wissenschaftliche Kategorien erleben, sondern als großes bestaunenswertes Ganzes. Und die sich mit einem kleinen Ausschnitt dieser großen Welt stundenlang unter verschiedensten Blickwinkeln beschäftigen können, das wissen wir alle, wenn der Weg zum Bäcker mal wieder Stunden dauert, weil es unterwegs eine Schnecke, einen Käfer, eine Feder oder eine Pfütze zu erleben gilt.

In diesem Buch geht es zwar nur um denen einen Aspekt „Tiere“, aber wie die verschiedenen Arten immer doppelseitenweise zusammengestellt sind, ist angenehm unsortiert, spontan, spielerisch, zusammengewürfelt und gleichzeitig hochinteressant: Wer zum Beispiel frisst Ameisen? Der Ameisenbär; und der Grünspecht auch. Der Ameisenbär allerdings fünfzehnmal so viel. Auf der nächsten Seite kommt der Rosaflamingo zusammen mit dem Strauß, dessen Hals so lang ist wie der ganze rosa Flamingo. Dann das Baumstachelschwein, das groß und etwas überheblich den Betrachter anschaut, daneben der Igel, eher resigniert – hat das Stachelschwein doch fünfmal mehr Stacheln. Das Gleithönrchen ist so lang wie die Nase des Nasenaffen. Dann kommen Lemminge, Kaiserschnurrbarttamarin, Lamas, Faultiere, Wale und Elefanten, Kolibri und Koboldmaki; und auf einer Seite räkelt sich ein Seebär, auf ihm drauf und an ihm herumzuppelnd ein Kiwi, ein Bankivahuhn und ein Waldkauz, die alle drei gleich groß sind und gleichzeitig genauso groß wie ein Tasthaar des Seebären lang.

Den Bildern ist immer die untere Hälfte der Doppelseite vorbehalten: sie sind durchaus realistisch, naturgetreu, aber auf das Wesentliche konzentriert. Und gleichzeitig wirken die Tiere irgendwie menschlich, mit ihren Kulleraugen und den lustigen Positionen, die sie so in echt im Tierreich natürlich nicht haben.

Darüber steht das Thema, die Frage, die die jeweiligen Tiere zusammengeführt hat: Größe einzelner Körperteile, Tasthaarlänge, Ameisenportionsgröße und so weiter.
Wie sie jeweils zueinander arrangiert sind, erzählt noch mal eine kleine Geschichte in sich.

Dazu gibt es jeweils ein bisschen Text, Informationen über das Thema und über die Tierarten allgemein. Der ist an vielen Stellen gut und schwungvoll und auf ähnlich korrekt-unterhaltsamen Niveau wie die Zeichnungen, aber manchmal auch in normal steifem Sachbuchtext: Dann „besitzt der Riesenkalmar zehn Arme, zwei davon werden als Fangarme eingesetzt“, oder „natürliche Feinde der Kattas sind Reptilien“ und „die Lebenserwartung der Weibchen ist doppelt so hoch wie die der Männchen“.

Und es gibt viel zu viele Ausrufezeichen, die um die Aufmerksamkeit trommeln, die sie allein durch den Inhalt längst haben. „Ein Straußenei zu kochen dauert zehn Stunden! Allein der Hals des Strauß ist 1,30 lang!“

Das ist nicht wirklich schlimm, aber ein bisschen nervig! Und das wäre auch gar nicht nötig!! Die Aussagen an sich sind so schon staunenswert!!! Zu viele Ausrufezeichen machen diese Wirkung eher klein!!!! Aber es stört auch nicht wirklich doll!!!!!

Zum Glück.

Fazit:

Das Bestiarium beantwortet Fragen, die man sich so vielleicht nie gestellt hätte, aber danach sieht man die Welt der Tiere anschaulicher, hat ein bisschen was gelernt und hatte viel unterhaltsames Anschauvergnügen. Richtig lesen kann man das Buch schlecht; des großen Querformats wegen eignet es sich besser dafür, auf dem Bauch davor auf dem Fußboden zu liegen – übrigens eine von Ergotherapeuten durchaus empfohlene Körperhaltung, als Ausgleich zum dauernden Sitzen.

Sigrid Tinz

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