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Buchcover: Dan Kainen und Carol Kaufmann: Safari

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Safari von Dan Kainen und Carol Kaufmann

erschienen bei Sauerländer

geeignet für Kinder im Alter ab 7 Jahren

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. Ein Buch, bei dem ein Blick genügt, um es unwiderstehlich zu finden: Schon bei der kleinsten Bewegung wird der Gepard in dem Rahmencover lebendig und legt einen seiner legendären Sprints hin. Ehe man es sich versieht, hat man dann auch das quadratische Buch mit dem Einband aus Lederoptik und Goldprägung schon in der Hand – und schlägt es auf...

Dabei lässt es sich wie ein Zeichenblock nach oben hin aufschlagen. Das dicke Buchcover bewegt, schlägt man es auf, sogleich den Leoparden. Zu Beginn finden wir das Vorwort des Autorenteams Dan Kainen und Carol Kaufmann. Dan Kainen, der sich als Erfinder, Zeichner und Künstler für diese außergewöhnliche Inszenierung der Tieraufnahmen auszeichnet, erklärt, wie es zu diesem verblüffenden Effekt kommt.

„Komm mit auf eine Abenteuerreise und erlebe eine Safari, als wärst Du hautnah dabei.“

Naja, ganz so ist es nicht, aber doch eine faszinierende Entdeckung auf dem Bilderbuch-Markt. 3-D-Bilder kennen wir ja schon, auch dass sich ein Motiv beim hin- und her wiegen, unter der Folie vor- und zurück bewegt. Bei dieser neuartigen Technik aber sieht es aus wie ein durchgehender Bewegungsablauf, fast wie ein kurzer Film. Wie ist das möglich? „Einzelne Videoaufnahmen werden in sehr dünne aufeinanderfolgende Streifen aufgeteilt“ – so wird das Bild, das wir sehen, erstellt, erklärt Dan Kainen. Wenn man nun eine Folie dünner Linsen darüber legt, wird aus dem zuvor etwas unscharfen Bild ein beweglicher Film, der den natürlichen Bewegungsablauf des Tieres zeigt.

Und das geschieht, ganz einfach, indem man eine Seite umblättert. Da sind einige „Ahs“ und „Ohs“ schon vorprogrammiert. Allerdings muss man ein wenig mit dem Tempo beim Aufklappen der Seiten variieren, ähnlich wie ein Filmvorführer aus der Zeit, als die Bilder noch laufen lernten. Denn natürlich wackelt der Elefant tüchtig mit den Ohren, weil ihm warm ist und er sich so Kühlung verschafft – aber auch dann, wenn er sehr aufgebracht ist (was gar nicht gut wäre) – aber vielleicht doch nicht ganz so hektisch; wie auch die Giraffe, die, wie wir aus den informativen Begleittexten erfahren können, durchaus bis zu 60 km/h schnell rennen kann, aber meist doch gemessen dahinschreitet.

Das nostalgische Erscheinungsbild auf den dunkel-chamois-farbenen Seiten ist auch etwas, das sofort ins Auge fällt und verleiht dem Buch eine nostalgische, etwas geheimnisvolle Optik. In zwei Textblöcken über jeweils einer Doppelseite verteilt, finden wir einen Reisebericht von der vielgereisten Autorin Carol Kaufmann, die uns von ihrem Aufenthalt in dem afrikanischen Nationalpark Masai Mara erzählt. Angefangen vom üblichen Tagesablauf, über die Ureinwohner, die Massai, ihren Guide Massek, der sie durch das aufregende Land zu den wilden Tieren führt, bis hin zu Hintergrundinformationen zu den immer noch sehr beliebten Safaris. Allerdings macht Carol Kaufmann zunächst mit einem Rückblick auf die Geschichte der afrikanischen Safari darauf aufmerksam, wie sehr die Tierbestände von den europäischen und amerikanischen Jägern – bis hin zum amerikanischen Präsidenten Roosevelt, der wie viele andere Begeisterte ein Buch dazu verfasst hat und damit in den USA das „Safarifieber“ ausgelöst hat – dezimiert wurden und sich zum Teil bis heute nicht erholt haben. Die neuen Programme der Nationalparks verhindern, dass sich allzu viele Wilderer unbeobachtet fühlen, da stets Touristen in ihren „Jagdgebieten“ unterwegs sind. Carol Kaufmann berichtet aber auch, wie sehr sich die Tiere unter dieser ständigen Beobachtung und die unmittelbare Nähe der Menschen verändert haben. Sie schildert im nachfolgenden viele interessante Begebenheiten mit den hier vorgestellten Tieren. Besonders beim Löwen hat mir imponiert, dass dies wohl das einzige Raubtier ist, das dem Menschen geradewegs in die Augen schaut und ihm unmissverständlich klar macht, wer hier das Sagen hat. Ja, wenn es nur so wäre. Denn tatsächlich hätte der Löwe – ebenso wie der Elefant – keine Feinde. Wäre da nicht der Mensch.

Zu Anfang während der Einführung in die Safari, finden sich auch immer wieder sehr aufwändig angelegte Federzeichnungen der Tiere – Elefanten, die durch das Dickicht ziehen, ein graziler Geparde, Gnus an der Wasserstelle und auch Warzenschweine, die stets mit hochgerecktem Schwänzchen durchs hohe Gras rennen, damit sie einander nicht verlieren. Diese feinen Tuschezeichnungen wirken alt und sind auch tatsächlich eine Leihgabe. Sie scheinen aus den lange zurückliegenden Zeiten der großen Jagdsafaris zu stammen, als die Jäger noch glaubten, der Bestand an Tieren sei unerschöpflich.

Umso mehr berührt es, wenn man auf den darauffolgenden Seiten jene Tiere sehen kann und einiges über sie erfährt. Wie auch über den Elefanten oder das Spitzmaulnashorn, dessen Bestände heute noch immer stark bedroht sind, ebenso wie die der Gorillas. Ferner lernen wir noch die Zebras kennen, die den ihnen nachfolgenden Gazellen, sozusagen den Gabentisch bereiten, indem sie das lange Gras, das etwa die Thomson Gazelle nicht mag, vorher abfressen. Außerdem ist so eine Zebraherde bei drohender Gefahr ein sehr guter Wachposten. Wenn die Herde in den schützenden Wald rennt, dann folgen ihnen häufig auch die anderen Tiere. So viele Gestreifte „Aufpasser“ können sich schließlich nicht irren.

Ebenso begegnet man einem Löwenweibchen, das direkt auf einen zu galoppieren scheint: Die Ohren aufmerksam aufgestellt jagt sie mit ihren dicken Pranken hinter irgendetwas her. Man sieht, wie sich das Tier trotz seiner beachtlichen Masse unheimlich behände durch das hohe Gras bewegt. Allerdings ist diese Abbildung der Löwin, wie auch ein paar andere ihrer Mitstreiter, noch immer etwas unscharf. Was aber den gewünschten Effekt, die Tiere in ihren ganz natürlichen Bewegungsabläufen wieder und wieder zu erleben, in keiner Weise schmälert.

Ich würde das Buch für Kinder ab sieben Jahren empfehlen; zum einen finde ich gerade die vielen Hintergrundinformationen für jüngere Kinder noch zu kompliziert und vielleicht auch an manchen Stellen zu langatmig, wenn es um die Geschichte der Safari geht. Die finde ich jedoch wichtig, um zu verstehen, dass die Tiere immer noch unseres Schutzes bedürfen. Wenn man es jüngeren Kindern zugänglich machen möchte, ist das natürlich auch gut umzusetzen. Das heißt, man sollte sich als Erwachsener auf jeden Fall mit dem geschichtlichen Teil und der Einleitung auseinander setzen, um ein paar dieser Aspekte mit eigenen Worten beim Betrachten der einzelnen Tiere einzubringen. Dann wird daraus eine spannende Sache – vorausgesetzt, die jüngeren Zuhörer gehen etwas vorsichtiger mit dem Buch um, denn jede der Photicular®-Seiten ist mit einer Lasche, die beim Auf- und Zuklappen einen innenliegenden Mechanismus in Gang setzt, mit der vorherigen Seite verbunden. Hin- und Herbewegen können diese Seiten gut vertragen, aber wenn es etwas rabiater zugehen sollte, wäre ich mir selbst bei diesem doch sehr robust wirkenden Buch nicht so sicher, was seine Haltbarkeit angeht. Im Grund ist es ein echter All Age-Titel„, denn an diesem Buch hat die ganze Familie ihre Freunde und ist ein echter Schatz im Buchregal, der auch Besucher neugierig machen wird.

Das dicke quadratische Buch ist 2012 in den USA zum ersten Mal erschienen. Zuvor gab es Ocean: A Photicular® Book, das vielleicht auch hier erscheinen wird, aber bisher nur in englischer Sprache erhältlich ist.

Fazit:

Auch “analog" kann man noch verblüffen, ganz ohne elektronische Add-Ons. Es ist kurzweilig, unterhaltsam und zugleich sehr informativ, das außergewöhnliche Buch von Dan Kainen und Carol Kaufmann: Hier kommt man den wilden Tieren Afrikas schon sehr nahe, die auf beinahe magische Weise zum Leben erweckt, immer wieder faszinierend anzusehen sind – für jedes Alter ein echter Hingucker.

Stefanie Eckmann-Schmechta, Februar 2015

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