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Buchcover: Klaus Kordon: Piratensohn

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Piratensohn von Klaus Kordon

erschienen bei Beltz und Gelberg

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

Klaus Kordon erzählt in „Piratensohn“ die abenteuerliche Geschichte des Waisenjungen Assad, der in die Gewalt von Piraten gerät. Turuk, der berühmte Piraten-Kapitän, möchte dem mutigen und klugen Assad ein echter Vater sein und beschliesst, den Jungen zu einem hochkarätigen Piraten auszubilden. Doch Assad, der das Leben als Seefahrer zwar über alle Massen liebt, erträgt die Gewalt nicht, die das Piratenhandwerk nun einmal mit sich bringt. Assad gelingt es zu fliehen und erlebt weitere Abenteuer an der Seite seines wahren geistigen Vaters, dem weisen Ibrahim.

Assad, der seit dem Tod seiner Eltern bei seinem Onkel Saadi, dem Diamantenhändler, lebt, wird auf einer Handelsreise auf hoher See von Piraten überfallen. Ein Hinweis eines Besatzungsmitgliedes auf jene Kostbarkeiten, die Onkel Saadi am Körper trägt, lässt die Situation außer Kontrolle geraten. Denn Saadi weigert sich, den Piraten seine Rohdiamenten auszuhändigen: Er zieht es vor, sich in das Meer zu stürzen und zu ertrinken. Nun steht Assad wieder allein auf der Welt. Turuk, dem der Junge imponiert, will ihn zu sich an Bord nehmen und ihn zu einem Piraten ausbilden. Er will Assad ein Vater sein und ihn in allen Kampftechniken, die ein Pirat beherrschen muss, ausbilden. Viele Tage verbringt Assad in einem engen Käfig unter Deck und weigert sich, auf die Bedingungen des Piraten-Kapitäns einzugehen. Doch Ibrahim, ein in die Jahre gekommener und sehr weiser Pirat, erlangt schließlich Assads Vertrauen. Und so beginnt die Ausbildung des Jungen – unter den missbilligenden Blicken der übrigen Mannschaft – Assad erlernt alles über das Kapern, Entern und Kämpfen von Turuk, während Ibrahim ihm alles beibringt, was ein Seefahrer wissen muss. Assad ist ein Seefahrer aus tiefster Leidenschaft und so ist es nicht verwunderlich, dass er die Lehrstunden bei Ibrahim besonders genießt. Als Assad jedoch alt genug ist, um Mann gegen Mann zu kämpfen, enttäuscht er seinen Ziehvater Turuk, denn er verschont seinen Gegner und setzt sich sogar noch für dessen Unversehrtheit ein.

Mehr denn je möchte Assad von dem Piratenschiff fliehen, um bei seiner Tante oder anderswo sein Glück zu versuchen. Doch eine Flucht gestaltet sich als schwierig und auch Ibrahims kluge Taktik, den Jungen als „Geschenk“ für seine jahrelangen treuen Dienste auf dem Piratenschiff zu fordern, ehe er wieder an Land zurückkehrt, geht nicht auf. So muss Assad, den alle an Bord nur als „Azur“ kennen, seinen Schwur, dem er Turuk gegeben hat, brechen, um eines nachts doch heimlich von Bord zu gehen. Am Hafen des Küstenortes, wo er an Land geht, trifft er wieder auf Ibrahim. Sie machen sich, reich an den Piratenschätzen die Turuk Ibrahim mitgegeben hat, auf den Weg zu Ibrahims ehemaligen Heimatdorf. Ein Bettler-Mädchen heftet sich auf ihrem Weg an ihre Fersen und wird schon bald von Ibrahim mit offenen Armen aufgenommen. Welche Eifersucht plagt Assad, denn Tamar, so der Name des Mädchens, ist nicht nur sehr schön, sie ist auch sehr klug und der mittlerweile junge Mann fürchtet, dass Ibrahim ihm nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenken könnte. Ibrahims Großzügigkeit bleibt auch an anderer Stelle nicht unbemerkt und so werden sie durch eine dreiste Lüge eines mächtigen und skrupellosen Mannes, aller Habseligkeiten beraubt. Doch Assad, der Löwe, will sich nicht so leicht geschlagen geben und Ibrahim, der so klug an Erfahrungen ist, weiss die Habgier des Mannes auszunutzen. Auf diese Weise gelangen die vier, die sie mit dem Waisenjungen Machmud sind, den sie ebenfalls bei sich aufgenommen haben, wieder auf freiem Fuss. Ein langer und beschwerlicher Weg durch die Wüste steht ihnen noch bevor, bis sie in das Heimatdorf Ibrahims gelangen. Der Empfang ist mehr als kühl und es hält sie nicht sehr lange dort. Ibrahim zieht es mit aller Macht zurück auf das Meer und es gelingt ihm tatsächlich, auf das Schiff des Kapitän Turuk zurückzukehren. Assad und Tamar, deren Zuneigung auf ihrer Reise immer tiefer wurde, und Machmud, der ihnen ein kleiner Bruder ist, kehren zu Assads Tante zurück. Aus dem einstigen Piraten wider Willen wird nun ein eher mittelprächtiger Händler. Trotz seiner kleinen Familie, die er mit Tamar gegründet hat, ist seine Sehnsucht nach dem Meer unbändig. Als Tamar ihn wieder zur See „schickt“, ahnt Assad aber noch nicht, dass dort eine schicksalhafte Begegnung auf ihn wartet …

Von Schergen und Toren, die einen nur dauern können, Schurken und Nächten in tiefschwarzem, blinkendem und glitzerndem Gewand, erzählt Klaus Kordon wie aus 1.001 Nacht. Vor seiner orientalisch-geheimnisvollen Kulisse hat man das Gefühl, man sässe mit Assad am Lagerfeuer, während er von seinem abenteuerlichen Leben erzählt. Dazu passt auch – und das macht die Erzählung so spannend – dass er so mache Bemerkung fallen lässt, die die nachfolgenden Geschehnisse geschickt andeuten. Dann, erst einmal neugierig geworden, kann man von der Erzählung kaum lassen.

In bester Abenteurermanier erzählt Klaus Kordon in einer Sprache, mit der er seine Leser in diese fremde Welt zu entführen weiß. Der Autor findet so treffende und schlichte Worte, mit denen er gleichzeitig so viel zu beschreiben weiß: Es liegen Bilder, Gerüche und Stimmungen darunter, die einem unmittelbar vor dem inneren Auge stehen. Dabei bleibt Klaus Kordon seinem Protagonisten sehr nahe und versteht es, ihn seine Geschichte mit der Distanz zu erzählen, die einer eben hat, der viel gesehen und erlebt hat. Er lässt seine Leser an Assads „Wachstumsprozess“ teilhaben und auf altersgerechte Weise verstehen, was in dem junge Helden vor sich geht.

Über allem liegt stets der innere Konflikt zwischen Gut und Böse. Assad erkennt schon früh menschliche Fehler, wie etwa die strikte Ausrichtung des Lebensinhaltes auf die falschen Dinge; egal, ob Pirat oder Diamantenhändler. Assad begreift, ganz gleich wie angesehen und „ehrbar“ auch ein Mensch ist, ob er das Richtige tut , richtet sich ganz danach, wie rücksichtsvoll er mit seinen Mitmenschen umgeht. Auch die Eindrücke und Gedanken, die Assad während seiner Reise schildert, wie zum Beispiel bei ihrer Wanderung durch die scheinbar endlose Wüste, geben der Erzählung Tiefe und Wärme.

Neben den vielen „;Weisheiten“ und der immer wieder erwähnten Schicksalsergebenheit, gibt es aber auch lebendige Schilderungen der historisch belegten Lebensbedingungen der damaligen Piraten. Zum Beispiel welche Qualitäten ein Pirat vorweisen musste, um von der Mannschaft zum Kapitän ernannt zu werden, wie und wo Piraten lebten und schliefen und wie sie sich auf ihren Raubzügen verhielten. Diese historischen Begebenheiten sind von Klaus Kordon sehr geschickt in die Handlung, bzw. in Assads Erzählung, eingeflochten worden.

Peter Knorrs wunderbare Illustrationen verdichten dann die abenteuerliche Piratenstimmung so richtig; sie wirken nostalgisch und faszinierend zugleich, ein Stil, wie man ihn von alten Klassikern kennt. Eine Besonderheit haben sie zudem: Der obere, schmale Teil der Illustrationen dient als Totale, sozusagen zur Übersicht. Darunter befindet sich der Hauptteil der Illustration, die Darstellung der Szene, wie eine Nahaufnahme, die mitten in das Geschehen führt. Ein schönes Mittel, um die Atmosphäre noch intensiver einzufangen.

Fazit:

Ein in jeder Beziehung gelungender Abenteuerroman, der die Erwartungen, die man zugegebenermassen schon beim Anblick des Covers hegt, auf keinen Fall enttäuscht. Klaus Kordon beschwört im nu eine Abenteuerstimmung herauf, bei der man das Lagerfeuer knistern und die Wellen gegen die Wände des Piratenschiffs plätschern hört.
Temporeich, gefühlvoll und in einer Sprache, die zu verführen weiß, bringt er seine Leser in einen geheimnisvollen Orient vor sehr langer Zeit.

Stefanie Eckmann-Schmechta


Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Mr. X meint:
Luke meint:
Ich fände es toll wenn man dieses Buch verfilmen würde!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Denn es ist so ein tolles Buch. Und ich würde gerne den Film sehen !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Tschüs
daniela havekost meint:
Es ist mit Abstand das Buch ab 8 Jahren, was wir je' gelesen haben!!!!! Einfach fantastisch!!Mitgerissen von den Abenteuern führt man mit Kindern auch im Anschluss gute Gespräche!!Für eltern und Kinder ein wunderbares Buch, mit tiefen beeindruckenden Gedanken!!

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