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Buchcover: Leonore Leitl: Susi Schimmel

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Susi Schimmel von Leonore Leitl

erschienen bei Tyrolia

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

Vor dem Wochenende das restliche Pausenbrot nicht aus der Tupperdose geholt -oder womöglich sogar vor den Ferien: und am nächsten Schultag ist der Rest kein Rest mehr, sondern ein mit grün-weiß-flauschigem Schimmel überzogenes Etwas. Genauso ist es in diesem Buch. Im vorderen Innendeckel sehen alle Stullen, Sandwichs und Snacks noch appetitlich frisch und lecker aus; im hinteren Innendeckel ist das Salamibrot grün, das Croissant weiß, die Apfelsinenscheiben sind voller schwarzer Sprenkel und der Joghurtbecher graugrasig gefleckt. Alles Schimmel.

Mehr als 250.000 Schimmelarten gibt es auf der Welt, und in diesem Sachbilderbuch kann man einige von ihnen ganz genau kennen lernen. Vorgestellt werden sie von Susi Schimmel, ihres Zeichens eine Gießkannenschimmelart und so genannt, weil die Form an den Ausguss einer Gießkanne erinnert. Susi ist sehr vermenschlicht gezeichnet, mit langen Wimpern und schicker Brille. Sie führt uns wie eine Art Conférencier durch Pausenboxen, hinter Schlafzimmerschränke, in feuchte Keller und zum Komposthaufen, in den Wald, auf Babyhintern, zwischen Fußzehen, unters Mikroskop. Überall sind Schimmel, Schimmel und noch mal Schimmel am Werk und zersetzen organische Masse.

Das, was wir Menschen „verfaulen“ nennen und „verschimmeln“ und „vergammeln“ passiert ja nicht einfach so, macht Susi uns eindringlich klar, sondern ist – aus Schimmelsicht – harte Arbeit. Wichtige Arbeit, sehr wichtige. Denn wenn man es sich mal überlegt, alle organische Masse würde liegen bleiben und nicht irgendwann wieder zu Sternenstaub und Erde – wäre es bei uns ziemlich voll mit altem Obst und Gemüse und vielem anderen mehr, was wir uns jetzt gar nicht so genau vorstellen wollen. Und was ja auch gar nicht da ist, zum Glück, weil es eben nichts gibt, vor dem Schimmel halt machen würde.

Wer dieses Buch gelesen oder angeschaut hat, wird Schimmel mit anderen Augen und mit anderem Wissen betrachten: allein die tollen Farben, mit denen er Brot, Marmelade, Käse und auch und Wände überzieht, oder Schuhe oder Gartenmöbel, Limonadenreste.

Die Bilder sind ebenso bunt und farbenfroh, doppelseitenweise große Szenen im Wald, im Haus, in einer Käserei – denn auch solchen leckeren Schimmel gibt es ja. In die Szenen hinein gestellt sind kleine Sprechblasen mit „Mampf“, der Hinweis, dass dort und da jeweils ein Schimmel am Werke ist.

Auch der Text ist in die Szenen hineingestellt und zweigeteilt. Da gibt es einmal die Erzählungen von Susi Schimmel, die genauso flott plaudert wie sie aussieht:

„Als Mikroorganismen sind wir so klein, dass man uns nur mit einem Mikroskop sehen kann. So können wir unbemerkt ausschwärmen und überall hingelangen. Weil wir so klein sind, sind wir richtig gute Teamplayer, denn wir wissen, nur gemeinsam sind wir stark. Und weil es immer viele von uns braucht, vermehren wir uns rasend schnell, pro Minute bilden wir mehrere Millionen Sporen. So wird unser Nachwuchs genannt.“

Zusätzlich zu Susis Plaudereien enthält jede Seite sogenannte Anmerkungen, in denen geht es dann ein bisschen wissenschaftlicher zu:

„Schimmelsporen sind nur wenige Mikrometer groß. Ein Mikrometer ist das Tausendste von einem Millimeter. Ein Schimmelpilz besteht aus ganz dünnen Fäden, den Hyphen. Das gesamte Fadengeflecht wird Myzel genannt und ist der eigentliche Schimmelpilz. Zu sehen sind allerdings meistens nur die Sporenträger, also jener Teil, in dem die Sporen gebildet werden.“

Zum Blättern und Betrachten und Erklären ist das Buch für Kindergartenkinder wunderbar geeignet, allein die Bilder machen Spaß. Zum einfach nur Vorlesen oder gar zum Selberlesen sollten die Kinder etwas älter sein.

Fazit:

Was erst mal für uns irgendwie nur Gammel ist, wird mit diesem Buch und der Hauptperson, der Gießkannenschimmelpilz-Dame Susi, zu einem faszinierenden Aspekt der Natur. Verfaulen und Verschimmeln passiert nämlich nicht einfach so, sondern ist dem unermüdlichen Arbeiten und „Mampfen“ von Susi und all ihren hunderttausend verschiedenen Kollegen zu verdanken. Am Ende des Buches wissen Groß und Klein eine Menge mehr über sie und hat sie beinahe lieb gewonnen. Zumindest wird man das vergammelte Pausenbrot mit anderen Augen sehen.

Sigrid Tinz

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