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Buchcover: Jason Lethcoe: Flight - Der mysteriöse Mr. Spines

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Flight - Der mysteriöse Mr. Spines von Jason Lethcoe

erschienen bei arsEdition

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

Mit „flight“ setzt Jason Lethcoe sein bittersüßes Abenteuer in die Welt der Engel fort. In dem zweiten Band der Trilogie bleibt Edward keine Zeit, sich in Woodbine – der Zwischenstation zum Himmel – von den bisherigen Strapazen auszuruhen. Seine wahre Bestimmung wird offenbart und damit auch, welche Rolle sein Vater dabei spielt. Aber nicht nur ihm und seinen Freunden wird Edwards Bedeutung für das Reich der Engel klar, auch seine Feinde sind dem „Brückenbauer“ dicht auf den Fersen …

Für den „Schakal“, der einst die Brücken in die höheren Sphären zerstört hat, gilt es, den „Brückenbauer“ Edward zu vernichten. Die Beschreibungen in der Prophezeiung passen eindeutig auf Edward – sie besagt, dass er die Verbindung zwischen den beiden Sphären wieder aufbauen wird.

Edward, die Wächterin Thabita, Bridget und Mr. Spines sind auf der Flucht vor den Jägern – angeführt von Whiplash Scruggs, dem Edward bereits mehrere Male entkommen konnte. Whiplash erwartet eine furchtbare Bestrafung, falls es ihm abermals nicht gelingen sollte, Edward zu fassen. Dementsprechend unbarmherzig hetzt er Edward und seine Verbündeten durch Woodbine.

Nicht genug, dass Edward sich nun auf die Rolle als rettender „Brückenbauer“ einlassen muss, um seine Mutter aus den Fängen des Schakals zu befreien; auch die Tatsache, dass der gefallene Engel Melchior sein Vater sein soll, macht ihm schwer zu schaffen. Diejenigen, die bereits den ersten Band kennen, werden gleich aufmerken: Aus Melchior wurde aufgrund der „Verunstaltung“ durch den Schakal der unansehnliche Mr. Spines. Fanden sich für die Leser schon zahlreiche Hinweise für Spines Motive, Edward zur Seite zu stehen, so ist Edward doch ganz und gar von der Tatsache entsetzt, zumal Spines die Mitschuld an dem Tod von Edwards Mutter trägt. Melchior hätte sich niemals auf den Handel mit dem Schakal einlassen dürfen. Doch die Liebe zu der jungen Frau machte den Wächter Melchior blind für andere Optionen, die Lethcoe innerhalb der Geschichte ebenso aufzeigt.

Als Edward beginnt zu begreifen, dass sein Vater nur verzweifelt versucht, seine Taten irgendwie ungeschehen zu machen, ist es für eine Aussprache zu spät: Spines wird von Whiplash gefangen genommen. Auf sich allein gestellt, versuchen Edward, Bridget und Thabita nun jenen Schlüssel zu finden, der ihnen Zugang zu dem Bau des Schakals ermöglicht. Sie wissen von Spines, dass sie zu dem geheimnisvollen Cornelius gelangen müssen, der ihnen diesen Schlüssel aushändigen kann – aber existiert das sagenumwobene „Tal der Blauen Schnecken“, in dem Cornelius leben soll, wirklich?

Jason Lethcoes zweiter Band ist eher der Anlauf zum Sprung in das letzte Abenteuer der Trilogie – dem Höhepunkt des originellen Engel-Abenteuers. Während der erste Band noch voller Überraschungen und Rätsel steckt, gibt der zweite Band viele Erklärungen zu Edwards Rolle und den Hintergründen seines Schicksals.

Eingebunden in die Flucht der drei Freunde, erfahren wir auch einiges über die Zwischenwelt mit Namen „Woodbine“. Fantasievolle Schauplätze wie „Specter´s Hollow“ – wo die drei sich ihrer schlimmsten Ängste erwehren müssen – oder das „Tal der Blauen Schnecken“ sind auch dieses Mal wieder sehr bildhaft, einfallsreich und – im Fall von Specter´s Hollow – ziemlich gruselig dargestellt.

Dabei wäre der zweite Band unter Umständen auch für diejenigen verständlich, die den ersten Band noch nicht kennen. Jason Lethcoe erklärt gerade zu Anfang der Geschichte vieles, das diesem Teil des Abenteuers vorausgegangen ist. Teilweise wirkt seine Erzählweise aber nicht mehr so elegant wie im ersten Band. Es wirkt stellenweise so, als hätte Lethcoe selbst ein wenig Anlaufschwierigkeiten gehabt, um wieder in die Geschichte zu finden.

Dennoch: Wieder hat Lethcoe für die Gefühle und die innere Zerrissenheit Edwards eindrückliche Worte gefunden. Für eine klassische Entwicklungsgeschichte ganz typisch, entwickelt sich Edward von einem schüchternen, ängstlichen Teenager mehr und mehr zu einem Helden – trotzdem, oder besser gesagt, gerade weil er selbst so manches Mal von seinen Fähigkeiten überrascht wird.

Das Kartenspiel, ein Geschenk seiner Mutter, bekommt nun im zweiten Teil eine tiefere Bedeutung. Das Talent des „Brückenbauers“, mit den Karten die unglaublichsten Gebilde zu erschaffen, hat schon früh auf seine Bestimmung hingeweisen. Trotz ihres schmerzlichen Verlustes bleiben die Karten eine mentale Stütze für Edward. Wenn er in Gedanken mit ihnen etwas erbaut, verfällt er in eine Art Trance. Auf diese Weise erlernt er sogar wie von selbst das Fliegen. Ein gutes Beispiel, wie ich finde, wie einfallsreich Jason Lethcoe seine Welt und seine Figuren ausstattet und sie so bis ins Detail stimmig werden.

Das erkennt man auch an den Motiven seiner Darsteller, sich auf das gefährliche Abenteuer einzulassen. Wie selbstverständlich bringt Jason Lethcoe ihre Schicksale mit ein und lässt seinen Lesern so den Raum, um ihre Sichtweise nachvollziehen zu können. Schön ist auch die erste Verliebtheit zwischen Edward und Bridget, für die es jedoch aufgrund der persönlichen Erlebnisse Bridgets keinen Platz gibt. Dennoch gelingt es Edward, Bridgets Vertrauen zu gewinnen und zumindest zu erahnen, in welch schwieriger Lage seine Freundin steckt.

Enttäuscht war ich ein wenig von dem Setting im Anhang des Buches, in dem die Geschichte von Melchior (Mr. Spines) erzählt wird, bevor er zu einem Gefallenen wird. Es wirkt doch ein wenig entmystifizierend, wenn Melchior eine Behörde aufsuchen muss, um eine Schutzbefohlene zugeteilt zu bekommen. Denn das war es ja eigentlich, was den ersten Band ausgemacht hat: Die mysteriöse Grundstimmung einer Dimension, die von anderen Gesetzen als den irdischen beherrscht wird. Lethcoes einfühlsame Schilderungen von Melchiors Gefühlen sind hingegen aufschlussreich und vielleicht findet die Liebesgeschichte zwischen Melchior und Edwards Mutter eine Fortsetzung.

Sicherlich aber hat dieser Epilog Lethcoes einen Sinn, denn wie so vieles, das er zunächst erwähnt und sehr lebendig in seinen Roman einfügt, wird am Ende zu einem großen Ganzen. Dass er dabei nicht zu kompliziert wird, macht auch „flight“ für Kinder ab 10 Jahren durchaus lesenswert und verständlich. Obwohl seine Sprache sehr bildreich und teilweise auf hohem Niveau ist, bleibt er auch im zweiten Teil auf Augenhöhe mit den jungen Lesern.

Fazit:

Der zweite Teil der Trilogie „Der mysteriöse Mr. Spines“ von Jason Lethcoe wirkt wie der Anlauf zum großen Finale. So manches Rätsel wird hier aufgeklärt und vielversprechende Ausgangssituationen werden geschaffen. Ob Edward aber im dritten und letzten Band tatsächlich schlechte Karten haben wird, bleibt abzuwarten. Man darf also gespannt sein, was sich Lethcoe für seinen schwarzflügeligen Helden noch einfallen lassen wird.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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