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Buchcover: Jason Lethcoe: Wings - Der mysteriöse Mr. Spines

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Wings - Der mysteriöse Mr. Spines von Jason Lethcoe

erschienen bei arsEdition

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

Kinderbuch des Monats [07.2010]. Edward, der seit dem Tod seiner Mutter ein ziemlich unglückliches Dasein im Internat für Schüler mit Lernproblemen fristet, wachsen eines Tages große ebenholzfarbene Flügel. Was zunächst mit einer sehr unangenehm juckenden Stelle beginnt, wird zu einem unübersehbares „Problem“ für den Jungen. Das ruft nicht nur die finsteren Mächte um den „Schakal“ auf den Plan, sondern auch Mr. Spines, der alles daran setzt, Edward in Sicherheit zu bringen. Doch Edward mag den Erklärungen des missgestalteten Kerls nicht trauen und flieht beinahe in sein Verderben …

Seit seinem 14. Geburtstag hat der Waisenjunge Edward ein ziemlich unangenehm juckende Stelle am Rücken – genau dort, wo man so schlecht hinkommt. Seit seine Mutter verstarb, lebt Edward in einem Internat für Schüler mit Lernproblemen. Dabei hat Edward nur ein Problem mit dem Stottern – ansonsten ist er ein sehr belesener und intelligenter Junge. Kurz, Edward ist kreuzunglücklich an diesem Ort, wo der schlaksige, fast zwei Meter lange Junge ständig von seinen tumben Mitschülern drangsaliert wird. Doch es geschehen merkwürdige Dinge, wenn er darüber in Wut gerät. Und irgendwie, so ahnt Edward, hängt dies mit der juckenden Stelle an seinem Rücken zusammen. Als er sich wünscht, ein riesiges Bücherregal möge auf den nervigen Mitschüler fallen, der sich mit ihm prügeln will, geschieht genau das. Der Direktor des Internats ruft daraufhin einen besonderen „Pädagogen“ auf dem Plan: „Whiplash – Peitschenhieb – Scruggs“. Der finstere Gesell von massiger Gestalt ist bekannt für seine unbarmherzigen Züchtigungsmethoden. Im Keller mit dem anderen Delinquenten eingesperrt, machen sie die unliebsame Bekanntschaft mit Scruggs. Als dieser Edward mit einer riesigen Schere vor der Nase herumfuchtelt, die allein für ihn bestimmt sei, so Scruggs, leidet Edward Höllenqualen. Die Stelle, die sonst so fürchterlich gejuckt hat, schmerzt ihn plötzlich ganz furchtbar.

Längst hat Mr. Spines die Fährte des Jungen aufgespürt, beobachtet Edward bereits über einen langen Zeitraum und wartet geduldig auf dem Moment, da sich Edwards wahres Wesen offenbart und ihm Flügel wachsen. Als Spines erfährt, dass Scruggs den Jungen in seine Fänge bekommt, weiß Spines, dass er schnell handeln muss. In allerletzter Sekunde rettet er den Jungen. Als Edward wieder erwacht, befindet er sich in einem Zug. Im gegenüber sitzt der eigenartige Mr. Spines, in Begleitung einer geflügelten Kröte und einem Hermelin – beide können sprechen und streiten lebhaft miteinander. Aber das Irritierendste sind die schwarzen Flügel an seinem Rücken, die aus den schmerzenden Stummeln an seinem Rücken gewachsen sind.

Die furchterregende, stachelige Erscheinung von Mr. Spines macht Edward Angst. Spines stellt sich ihm als Melchior vor. Im fast beiläufigen Ton erklärt, Mr. Spines, dass Edward später mit den Flügeln wird fliegen können. Edward kann kaum glauben, was er da gerade gehört hat. Wozu sonst wären Flügel denn gut, wenn nicht zum Fliegen, fragt Spines, als hätte er Edwards Gedanken gelesen. Das Hermelin mit Namen Sariel erklärt Edward, dass alle Wächter fliegen – „nur ein Gefallener würde nicht fliegen wollen.“ Artemus, die fliegende Kröte macht sich Edward bekannt, indem er ihm allerlei Dinge über das Fliegen und die „Verunstaltung“ erzählt, die sie alle drei durchmachen mussten. Von Spines erfährt Edward obendrein, dass er, Edward, kein Mensch ist. Er sei ein „Wächter“ und stamme von einem Ort, der „Woodbine“ genannt wird. Es ist jener Ort ist, an den die Menschen nach ihrem Tod kommen. Während die geflügelten „Wächter“ Woodbine und das Gute beschützten, so Spines, regiere „hier unten“ der Schakal – der „Meister des Bösen“. Edward erfährt weiterhin, dass zahlreiche gefallene Wächter dem „Schakal“ dienen. So auch Scruggs, der Edward seine frisch gewachsenen die Flügel abschneiden wollte. Dann erinnert Spines Edward an einen alten Reim über „Woodbine“, der dem Jungen auf eigenartige Weise bekannt vorkommt.

Edward wird das Gefühl nicht los, nicht gerettet, sondern entführt worden zu sein und nimmt die nächstbeste Gelegenheit wahr, um zu fliehen. In seiner Ziellosigkeit trifft er zunächst auf ein freundliches Ehepaar, das sich jedoch als Diener des Schakals entpuppt. In wirklich allerletzter Sekunde gelingt es Sariel und Artemus den Jungen auf dem Rücken eines mächtigen Zentaur zu retten. Doch um diesen Zauber zu bewirken, muss Spines einen hohen Preis zahlen. Er muss singen und weiß, dass dies seine Verunstaltung noch weiter vorantreiben wird.

Sariel, Artemus und Edward gelangen unbeschadet in das heimliche Hauptquartier von Mr. Spines. Dort erfährt er – von Sariel und Artemus ganz unbeabsichtigt – von einer seltsamen Maschine, die Spines eines Tages nach Woodbine zurückbringen soll. Sie ist die letzte Rettung für den ehemaligen Wächter Melchior – alias Mr. Spines. Edward gelingt es mittels seiner Karten, mit denen er nahzu alles genau nachbauen kann, den Mechanismus der Maschine zu verstehen und katapultiert sich in die Unwirklichkeit von Woodbine, ehe die Häscher des „Schakals“ ihn fangen können. Er wird, da er zweifellos als Wächter erkennbar ist, von den dortigen, ziemlich skurrilen Bewohnern freundlich aufgenommen. Hier erfährt er auch von einer Frau, einer wahren Heldin, in der Edward seine verstorbene Mutter wiedererkennt …

In seinem Vorwort zu dieser neuen Trilogie für Kinder ab 10 Jahren berichtet der amerikanische Autor Jason Lethcoe von der Faszination, die „Was wäre wenn“- Fragen auf ihn ausüben. Diese haben ihn auch zu seiner erfolgreichen „Benjamin-Pfiff-Reihe“ inspiriert wie auch zu „Zooms Academy“, in dem ein Mädchen übernatürliche Kräfte besitzt, ohne davon zu wissen. Ein wenig erinnert auch die Geschichte Edwards an diese Frage: Was wäre wenn ein Junge der Sohn eines gefallenen Engels ist, ohne davon zu wissen? Dabei macht Jason Lethcoe deutlich, dass es ihm in seiner neuen Buchreihe nicht um Glaubensfragen geht. Und so trifft Lehtcoe auch ganz den Geschmack von jungen Lesern, die es gerne etwas mystisch, skurril und abenteuerlich mögen.

Dabei entwirrt der Autor ganz geschickt das Knäuel an Fragen, die sich auch dem Leser aufdrängen und erschafft eine eigenständige Welt, die voller Überraschungen steckt. Jason Lethcoe streut dazu zahlreiche Hinweise und Begebenheiten in die Erzählung ein, die die Geschichte des jungen Wächters verdichten. Nach und nach gibt Lethcoe den Blick frei auf eine ganz und gar bizarre Parallelwelt mit Namen „Woodbine“. Jene „Niederungen“ – das Böse in Gestalt des Schakals und seiner Helfershelfer – , die inmitten der menschlichen Wirklichkeit ihr Unwesen treiben, wirken plausibel und greifbar. So fällt zunächst scheinbar zufällig der Hinweis, dass zahlreiche Lehrer bis hin zum Direktor der Schule auffallend helle, blaue Augen haben. Dies trifft auch auf den brutalen Scurggs zu, der unter dem Druck steht, sich dem Schakal zu beweisen. Wie sich herausstellt, ist es auch Scruggs gewesen, der Edwards Tante mit weit mehr als seiner Überzeugungskraft dazu bewegt hat, den Jungen genau in seine Obhut zu geben. Nach und nach wird deutlich, dass fast alle von Edwards wahrem Wesen wussten – nur er selbst nicht. Während sich Gut und Böse für den Moment, da Edward sein Wesen offenbart, in Position bringen, kämpft Edward mit seinem Gefühl vollkommen fehl am Platz zu sein.

Lethcoe gelingt es sehr gut, auch die eindeutig Guten im Kampf um Edward zunächst dubios wirken zu lassen. Die Gründe für ihr abnormes Erscheinen – wie das entstellte, stachelige Aussehen von Mr. Spines – sowie das Zustandekommen der „Verunstaltung“, die Bestrafung des Schakals für himmlische Gesänge, ist eine seiner überaus gelungenen Ideen, die schon einen Vorgeschmack auf das gibt, was die Leser in den Folgebänden erwarten dürfte. Da Jason Lethcoe über einen Zeitraum von über 20 Jahren als Autor für die berühmten „Filmfabriken“ Hollywoods gearbeitet hat, überrascht es letztlich nicht, dass sich sich die Geschichte Edwards sehr filmisch liest und ohne Frage das Zeug dazu hat, später verfilmt zu werden.

Klar auf den Punkt, bildreich und durch die Perspektive Edwards auf Augenhöhe mit den jungen Lesern, bewegt sich Lethcoe sprachlich auf einem hohen aber keinesfalls auf abgehobenem Niveau. Selbst in den unwirklichen Szenarien, wie der Übergang Edwards in die Sphären von Woodbine, wird seine Sprache nicht pathetisch, sondern beeindruckend bildreich und atmosphärisch. Sympathisch – gerade für Jungs – ist die Tatsache, dass Lethcoe seine Darsteller nicht allzu ernst nimmt. Er streut allerlei trockene Kommentare ein, die Edwards Galgenhumor und seine intelligente Denkweise widerspiegeln. Dadurch erzeugt Lethcoe, trotz aller Dramatik, eine leichte, beinahe bittersüße Atmosphäre, die sehr gut die Waage zwischen Ernsthaftigkeit, Spannung und Humor hält. Die manchmal geradezu grotesk wirkenden Darsteller und ihr Verhalten tragen maßgeblich dazu bei.

Die Verlorenheit des Jungen hat etwas Rührendes – besonders durch die Thematik des „Gefallenen Engels“. Zugleich finden wir hier sehr viel Fantastisches und Surreales. Diese Mixtur löst im Zusammenspiel ohne Frage Faszination aus und eröffnet noch viele Möglichkeiten für weitere Bände. Der Auftakt der Trilogie mit dem „geheimnisvollen Mr. Spines“ ist gelungen und der Appetithappen am Ende des Buches, der erste Ausblicke auf den nächsten Band gewährt, ist vielversprechend; stellt er doch in Aussicht, dass Edward endlich seine Flügel einsetzen wird, um das zu tun, was Engel gemeinhin machen, nämlich Fliegen.

Fazit:

Ich gebe normalerweise nicht allzu viel auf besonders schöne Buchcover, denn der Inhalt entscheidet. Doch bei diesem Buch spiegelt das atmosphärische Cover von Scott Altmann die bittersüße und hochspannende Geschichte, die sich hinter den Buchdeckeln verbirgt, erstaunlich treffend wider. „Der geheimnisvolle Mr. Spines“ ist ein gelungener Auftakt zu Jason Lethcoes neuer „Wings“- Trilogie: Einfallsreich, dicht und zugleich humorvoll versteht es der amerikanische Autor das Thema „Engel“ neu zu beleben.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

the flowers meint:
the flowers meint:
jeanila meint:
es ist eht schön nur ein bisschen traurig!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Miharu Taiyo meint:
Das Buch ist wirklich gut geschrieben. Es regt den Leser zum Träumen an und man wünscht sich danach instinktiv auch Flügel zu haben. Edwards Lage und seine Sehnsucht nach seiner Mutter wird wunderbar dargestellt. Der Schreibstil ist wirklich große Klasse. Er ist authentisch und leicht verständlich. Ein Buch für groß und klein. Den nächsten Band hole ich mir auf jeden Fall. =D ^^
Lol meint:
Ich persönlich finde das Buch einfach nur KLASSE!!
Ich würde gerne den zweiten Band lesen(ich glaube den gibt es noch gar nicht aber egal)
Wusstet ihr schon das das Buch in Ameriker verfilmt wird??Ich gehe da auf jeden Fall rein wen es bei uns in die Kinos kommt und ich hole ihn mir auf DVD :)
Cendanelle meint:
Ich find das buch toll
es hatt sPass gemacht es zu lesen
fantasie spielt hier eine große Rolle
es ist ein Buch für groß und klein
sehr faszinierend
und zu gleich auch sehr spannend !!
Ich hoffe es wird auCh anderen gefallen
mir auf jeden Fall
Melanie meint:
Ich habe das Buch selbst gelesen
und finde es fazinierend
wie Edward seinen weg geht (fliegt)
durch gut und böse
!!!!!:)
ein junge
dem Flügel wachsen
sehr faszinierend
der Autor musste wohl besonders
viel Fantasie haben
!!!:)
grinder meint:
das Buch ist ein sehr Lebhaftes Buch und wurde mit viel Fantersie gestaltet es ist auserdem ein sehr Spandes Buch das für Jung und Alt ist für manche leser were es bestimt eine ofenbarung wenn es ein zweites buch geben wirde."_

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