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Buchcover: Maja Bach: Auf Wiedersehen, kleiner Vogel

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Auf Wiedersehen, kleiner Vogel von Maja Bach

erschienen bei Coppenrath

geeignet für Kinder im Alter ab 3 Jahren

Der Tod gehört zum Leben, das sagt man so. Aber ganz stimmt es nicht, denn natürlich hat er eine Sonderrolle. Weil er das Ende ist, weil es traurig ist und weil man so viel darüber nicht weiß – und auch nie wissen wird. Wir Erwachsenen haben unseren Umgang damit: Rituale, Konventionen, stehende Redewendungen, Metaphern und ein bisschen Verdrängung lassen uns diese Unsicherheit und Ambivalenz gut aushalten. Kinder dagegen fragen und interessieren sich noch ganz unverstellt dafür, wie das eigentlich ist mit dem Tod: Bestimmt langweilig, wenn man gar nichts mehr tun kann? Hat man noch Hunger, wenn man tot ist? Kommen alle Verstorbenen in den Himmel oder auf den Friedhof und ist das dasselbe?
Genau darum geht es in diesem Buch.

Es ist ein toller Herbstgag: der Wind weht, die Blätter tanzen, die Wäsche flattert, die Sonne scheint. Drei Kinder, Ole, Lotta und Paul wirbeln über die Wiese, stöbern in Laubhaufen und werfen mit Kastanien. Bis sie hinter einem Blätterberg plötzlich einen Vogel entdecken. Ganz still liegt er da, auf dem Rücken, die Augen geschlossen, die Federn zerzaust. Tot.

Ole, der Kleinste, fragt, ob man wohl schläft, wenn man tot ist. Und daraus entspinnt sich ein Gespräch zwischen den drei Kindern darüber, was das überhaupt ist, „tot“. Mit genau den typischen Gedanken und Fragen und Aussagen, die Kinder zu diesem Thema so haben. Lotta zum Beispiel kennt sich ein bisschen aus, denn ihre Oma war auch schon mal tot und sie weiß noch ein bisschen, wie das bei der „ergrabung“ so zugegangen ist. Ole weiß noch nicht viel darüber, er fragt und fragt: ob Tote noch Hunger haben, spielen, Leute besuchen, Kuchen essen. Paul ist der Älteste von den dreien, schon sieben, und versucht alles zu beantworten, so gut es geht.

„ Tote kann man nicht besuchen. Aber wenn du deine Augen schließt und fest an jemanden denkst, kannst du ihn überall besuchen. Egal wo er ist, auch im Himmel, das hat meine Mama gesagt.“

Manches weiß er auch von seinem Opa, den er ebenfalls zitiert. Mit dieser Konstruktion finden erwachsene Antworten ihren Platz in der von Kindermund und Kindersicht geprägten Unterhaltung. Als Figur in der Geschichte taucht keine erwachsene Person auf – was Vorteile hat, weil zum Beispiel niemand den Kleinen sagt, dass sie den Vogel nicht anfassen sollen, weil er vielleicht Krankheiten übertragen könnte. Und so den schönen verspielten Kindernachmittag beenden würde, bevor er angefangen hat: denn natürlich spielen die drei jetzt Beerdigung, mit Loch buddeln, Lieder singen, Kekse essen. Und damit der Vogel nicht so struppig und zerzaust tot sein muss, kämmt und schmückt Lotta ihn noch, mit allem was ihr Schminkköfferchen hergibt.

Dadurch, dass der Erzähler all das quasi nur zu Protokoll gibt, wird wenig eingeordnet. Das bleibt dem erwachsenen Vorleser vorbehalten und darauf sollte man sich einstellen, denn längst nicht alle Fragen, die ein Kind zu diesem Thema haben kann, werden von Lotta, Ole und Paul abgehandelt. Oder nur sehr eng gefasst.

Denn natürlich werden nicht alle Tote vergraben, wie Lottas Oma. Manche werden verbrannt, oder müssen in einer bestimmten Himmelsrichtung liegen. Andere Familien, andere Rituale. Auch, dass die Oma im Himmel ist, wie Paul erklärt, ist ja ein sehr konkretes, christlich-westliches Erklärungsmodell – und es gibt viele andere.

Wer also das Buch in einer Kindergruppe vorlesen möchte, zum Beispiel, sollte sich darauf vorbereiten. Generell empfehlenswert ist, sich das Buch vorher durchzulesen und zu entscheiden, ob und was davon gerade für einen selbst oder das Kind passt.

Geht es ganz allgemein um das Thema Tod, ohne konkreten Anlass in der Familie oder im Freundeskreis, ist es perfekt. Es beschäftigt sich nicht explizit mit einer Person oder einem eingeschläferten Haustier. Sondern es ist einfach nur ein Vogel. Eine Zufallsbekanntschaft, kein Verlust. Nur ein Spiel- und Gesprächsanlass. So lässt das Buch viel Raum und für Möglichkeiten.

Die hellen, bunten Bilder machen das Schwere leicht, zuversichtlich und tröstlich: viel grünes Gras und buntes Laub, Pilze, Kastanien, Käferchen und Blümchen überall; die Kinder sind fröhlich und in bunt gemusterte Sachen gekleidet. Außerdem gibt es eine kleine Parallelgeschichte am Rande: drei Vögelchen, die mit Schildern, Mimik und Gestik jeweils ihren Kommentar zum Geschehen geben.

So tanzt die Geschichte fröhlich über alles Ernste hinweg. Trauer kommt nicht wirklich vor: Als das Vögelchen in der Erde liegt, rollt Lotta eine Träne über die Wange und sie sagt:

„Ist es nicht schrecklich traurig, wenn man tot ist?“

„Nein, nein, Tote kommen in den Himmel“, erklärt dann Paul sofort seine beschwichtigende Sichtweise – oder die von Mama oder Opa. Tote sind irgendwie immer noch da und nie allein. Und Lotta ist beruhigt. Tatsache ist aber, es ist schrecklich traurig, wenn jemand stirbt. Und traurig zu sein und zu weinen, das ist dann normal und okay.

Am Ende schreiben die Kinder Lottas Oma noch einen Brief, dass bald das Vögelchen in den Himmel zu ihr kommt und sie es schön grüßen soll. Den schicken sie mit einem Luftballon nach oben in den Himmel. Das ist in jedem Fall ein schöner Schluss, wieder ganz kindlich und handfest. Egal ob man dabei weinen würde. Oder lachen, wie hier im Buch.

Fazit:

Wenn es um das Thema Sterben und Tod geht, beschäftigen sich Kinder mit vielen Fragen. Hier sind sie eingebettet in einer fröhlichen Kindergeschichte. Sehr leicht und aus Kindersicht und immer tröstlich finden die Kinder im Gespräch und im Spiel Antworten; über ernste und traurige Aspekte wirbelt das Buch hinweg wie das tanzende bunte Herbstlaub. Ob das gut ist oder schlecht, ist Geschmackssache und hängt auch ein bisschen vom konkreten Anlass ab, weswegen man das Buch zur Hand nimmt.

Sigrid Tinz

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