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Buchcover: Karen Meffert: Warum die Menschen einen Nabel haben

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Warum die Menschen einen Nabel haben von Karen Meffert

erschienen bei Aracari

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

Kinder können bekanntlich Löcher in den Bauch fragen. Aber daher kommt der Bauchnabel sicher nicht. Oder doch? Papagei Lori ergründet das Geheimnis des Bauchnabels …

Lori, ein bunter Papagei, wohnt in einer Stadt und träumt davon, so frei zu sein wie die anderen Vögel am Himmel, die er von seinem Platz am Fenster aus beobachten kann. Seine Chance kommt, als eines Tages jemand vergisst, seine Käfigtür zu schließen. Er macht sich auf den langen Weg über das Meer, um in seine warme Heimat zu fliegen. Nach vielen anstrengenden Flugtagen gelangt er schließlich in ein Land, in dem andere Vögel genau so bunt sind wie er und es wunderbare Blumen gibt. Bald kommt er mit den anderen Vögeln ins Gespräch, so auch mit Tukan, einem großen schwarzen Vogel. Der weiß zwar viel über die Menschen, ist jedoch trotzdem noch nicht dahinter gekommen, warum alle Menschen ein kleines Loch, das sie Nabel nennen, auf dem Bauch haben. Auch Lori, der lange bei den Menschen gelebt hat, weiß darauf keine Antwort, verspricht aber, sich dieser Sache anzunehmen. Gemeinsam fliegen sie zu einem kleinen Dorf im Urwald und beobachten seine Einwohner. Da alle nackt sind, kann Lori das Loch gut sehen und auch, dass sich Männer und Frauen äußerlich voneinander unterscheiden. Lori freundet sich mit Piru und Tivu an, einem Jungen und einem Mädchen aus der Dorfgemeinschaft und bleibt über viele Jahre bei ihnen. Er sieht sie vom Jungen zum Mann und vom Mädchen zur Frau heran wachsen, bemerkt, wie sich ihre Stimmen und Körper verändern. Schließlich heiraten Piru und Tivu und verbringen ihre erste gemeinsame Nacht. Danach sieht Lori staunend mit an, dass sich Tivus Körper wieder verändert und vor allem ihr Bauch größer und größer wird. Sein Freund, ein Leuchtkäfer, kann durch Dinge hindurch und in sie hinein sehen und berichtet Lori, dass in Tivus Bauch ein Kind heran wächst, welches am Bauch einen Schlauch hat, mit dem es an Tivu gebunden ist. Direkt nach der Geburt des Kindes kann auch Lori die Schnur sehen, die immer noch am Bauch des Kindes ist. Piru macht einen Knoten hinein und schneidet sie durch. Lori sieht, wie der Knoten vertrocknet und abfällt und schließlich nur das kleine Loch, der Nabel, am Bauch des Kindes übrig bleibt. Sofort ruft Lori Tukan, um ihm die Entdeckung mitzuteilen, denn das Geheimnis um den Nabel ist endlich gelöst.

„Warum die Menschen einen Nabel haben“ von Karen Meffert erschien erstmals 1970 und ist seither ein Klassiker in der Aufklärungsliteratur für Kinder. Die hier vorliegende Neuausgabe wurde textlich von Andreas Gerber auf Grundlage des Originaltextes von Karen Meffert nacherzählt und von Barbara Connell neu illustriert. Liebevoll wird darin die Geschichte des Papageien Lori erzählt, der dank seiner Freundschaft zu zwei Menschen das große Geheimnis um den Nabel löst und dadurch, ganz nebenbei, eine wunderschöne Erzählung mit dem Thema Aufklärung verbindet. Gehen andere Bücher dieser Sparte von den Unterschieden zwischen Mann und Frau aus und erklären diese teilweise recht klinisch nüchtern und im Detail, wählt dieses Buch eine andere Art, um sich diesem Thema zu nähern. Nicht die Frage nach dem „Wie entstehe ich?“ steht im Vordergrund, sondern das Geheimnis um den sagenumwobenen Nabel, von dem niemand so recht weiß, warum er da ist. Diese vielleicht naive, aber auch poetische Herangehensweise wird wunderbar durch den Umstand getragen, dass ein Papagei, sich auf die Suche nach der Antwort begibt und dabei manch wundersame Entdeckung macht. Doch auch biologische Einsichten fehlen in diesem Buch (im wahrsten Sinne des Wortes) nicht. Sie sind charmant durch die Anwesenheit eines Leuchtkäfers gelöst, der auch in Menschen hinein sehen kann und so Lori z.B. darüber informiert, dass Tivu in sich zwei Eier mit langen Schnüren daran trägt, die zu einer kleinen Höhle führen – etwas, was Piru nicht hat. Dabei beschränkt sich die Erzählung jedoch auf die Beschreibung von Beobachtetem und überlässt es dem Vorleser, dieses mit Begriffen zu versehen oder einer Funktion zuzuschreiben.

Durch die Einbettung des Themas Aufklärung in eine kleine „Detektivgeschichte“ gelingt es Karen Meffert einen Spannungsbogen zu zeichnen, der auch jüngere Leser in seinen Bann zieht und ihre Aufmerksamkeit garantiert. Denn schließlich beschäftigt das Geheimnis um den Nabel früher oder später jedes Kind und auch Lori vergisst bei seinen Beobachtungen seinen „Auftrag“ nie, wodurch seine passiven Hilfsdetektive immer wieder an die große Frage erinnert werden.

Da die Geschichte aus der Perspektive Loris, des Papageien erzählt wird, bedient sie sich einer bewusst einfach gewählten Sprache, die vor allem beobachtet und beschreibt. Wörtliche Rede zwischen Tivu und Piru oder zwischen den Vögeln lockert die Erzählstruktur auf, ist aber schlicht gehalten und bedient vor allem den stringenten Handlungsverlauf. Obwohl das Thema Aufklärung biologisch nicht tiefgehend behandelt wird und scheinbar ein Nebenprodukt der Geschichte ist, liegt darin gerade der Reiz des Buches. Während des Lesens erfahren Kinder zunächst alles, was sie interessiert: wie Kinder entstehen, wie sie auf die Welt kommen und welche Veränderungen der menschliche Körper durchläuft. Dafür verzichtet Meffert zwar auf Fachbegriffe, behält dadurch jedoch den Zauber der Geschichte und des Themas bei.

Passend zu dieser bewusst naiv und simpel gewählten Erzählweise sind die Illustrationen von Barbara Connell. Sie zeigen Lori, Piru und Tivu in ihrer natürlichen Umgebung eines Urwaldes und verzichten auf grelle und künstliche Farben. Die Hintergründe sind großflächig aquarelliert und Details im Vordergrund illustrieren mit Liebe zum Detail die Erzählung, verzichten jedoch auf Überraschungsmomente und Entdeckungen, um nicht von der Geschichte abzulenken.

Die gelungene Verbindung einer Abenteuergeschichte mit Aspekten der Aufklärung ist ein seltenes Fundstück in der Fülle der Aufklärungsliteratur, da es auf die rein klinische Wissensvermittlung verzichtet und vielmehr erste Grundkenntnisse der Fortpflanzung poetisch durch die Rahmenhandlung transportiert. Eine gute Wahl für all diejenigen, die ihre Kinder nicht gleich mit Fachbegriffen überfrachten und sanft an die Thematik heranführen wollen.

Fazit:

„Warum die Menschen einen Nabel haben“ ist ein informatives und zugleich poetisches Buch, welches eine wunderschöne Erzählung mit dem Aspekt der Aufklärung verbindet und dadurch dem Thema viel Zauber verleiht.

Claudia Goldammer

 

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