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Buchcover: Kirsten Reinhardt: Die haarige Geschichte von Olga, Henrike und dem Austausch-Franzosen

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Die haarige Geschichte von Olga, Henrike und dem Austausch-Franzosen von Kirsten Reinhardt

erschienen bei Carlsen

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

Olga und Henrike sind – so unterschiedlich sie auch sein mögen – ziemlich eigenartig. Und nicht weniger eigenartig ist der Austauschfranzose Albert Xavier, der sie in den Ferien besucht. Olga und Henrike unternehmen sogleich alles, damit sich „das Entenrülpserchen“ – wie die Mädchen den geschniegelten Internat-Schüler nennen – bei ihnen gar nicht erst wohl fühlt. Doch dann geschieht das Unvermeidliche: Albert Xavier ist nett, höflich, kann gut zuhören – trotz seines pomadigen Scheitels und gerade wegen der leckeren „Kräpps“ schließen die zwei Schwestern ihn in sein Herz. Dabei haben sowohl die Mädchen als auch der Franzose ganz eigene – sehr gegenteiligen – Pläne miteinander …

Olga und Henriette sind – da muss man gar nicht zweimal hinschauen – zwei sehr ungewöhnliche Mädchen. Wie ihr Zuhause wirken sie beide etwas verlottert. Sie tragen viel zu große Stiefel, lungern in ihren Sesseln in der Küche herum, waschen nur selten ab und trinken am liebsten Kaffee. Eltern gibt es keine. Nur eine Mutter, die eigenartige Karten aus der ganzen Welt schickt, allerdings alle mit dem gleichen Postkartenmotiv.

Olga hat eher ein Faible für Rockmusik, Henrike ist begeisterte Botanikerin und Pflanzenkundlerin. Sie arbeitet bei dem Apotheker – Herrn Meerbaum – in dem verschlafenen Nest, während Olga die Reklame für den einzigen Supermarkt von „Miss Moneypenney“ austrägt. Die Mädchen sind bei den anständigen Bewohnern nicht gern gesehen. Irgendetwas ist zu eigenartig an ihnen. Während der Austauschfranzose Albert Xavier bemüht ist, den Schein zu wahren und den Kindern Grammatikstunden zu verabreichen, tun die alles, um dem geschniegelten Franzosen aus dem Weg zu gehen.

Dann wird es Zeit für A.X. – wie ihn seine Freunde, die er nicht hat, nennen dürfen – seinen Plan umzusetzen. Mit einem uralten Rezept geht er zu Meerbaums Apotheke und verlangt ein ungewöhnliches Medikament, auch bekannt als das „Das schreckliche Elixier“. Dabei drängt die Zeit, es bleiben nur noch sieben Tage, dann muss das Medikament fertig sein. Die Jagd nach einer bestimmten Zimmerpflanze beginnt, bei der Henrike und Olga sogar noch helfen, weil Henrike mit der Herstellung des Elixiers beauftragt wird. Sie ist in dem Glauben, dass das Rezept für Madame Perrier – ihrer Französischlehrerin ist – doch wir Leser wissen, dass das Elixier einzig und allein für Olga und Henrike gedacht ist, für den 14. Tag, da in der Nacht der Vollmond aufgehen wird …

Von Tag 1 bis zu dem Tag 14 – der Tag des Vollmonds – sind die Kapitel des neuen Buches von Kirsten Reinhardt gegliedert. Über diesen Tag hinaus, das sei hier vorweg genommen, gibt es auch noch den Tag 15 bis 16 sowie auch eine Rückschau – aber der Spannungsbogen von Kirsten Reinhardt neuester, schräger Geschichte richtet sich doch ganz auf den 14. Tag von Albert Xaviers Aufenthalt aus.

Dabei liegt von Anfang an etwas in der Luft, die Mädchen hecken etwas aus und auch A.X. verfolgt seinen Plan. Klein gedruckte Auszüge aus der „Enzyklopädie des Kosmos, Otterdingen 1989“ geben hier und da Hinweise auf die Natur der beiden Mädchen. Aufmerksame Leser werden gleich ahnen, dass es sich hier um „Werwesen“ handelt und sicherlich wissen, was eine Vollmondnacht bedeutet. Doch warum ist der Franzose hier und was genau ist sein Auftrag?

Neugierig ist man allemal und es scheint, als würden sich der Franzose und die Mädchen die ganze Zeit belauern. Während dessen erfahren die Leser Tag für Tag mehr über die Protagonisten, können einzelne Puzzleteile zusammenfügen und sich fragen, wohin diese Reise wohl führen mag. Dabei bleibt Kirsten Reinhardt gerade im Hinblick auf ihre jungen Leser sehr lange ziemlich vage. Der Clou kommt denn auch relativ spät um die Ecke.
Ein wenig Beharrlichkeit ist bei der Lektüre ihres neuen Werkes nach dem erfolgreichen „Fennymores Reise oder wie man Dackel im Salzmantel macht“ also von Vorteil. Im Gegenzug dazu werden die jungen Leser zum Ende hin – da sich die Geschichte immer mehr verdichtet und die Akteure mehr und mehr in Interaktion treten – für ihre Geduld belohnt. Kirsten Reinhardt sprüht wieder vor Einfallsreichtum und schafft es, eine so schöne, harmonische und runde Geschichte zu erzählen, die ja hauptsächlich rückblickend erst zu so einer werden kann, dass man dem Buch und sich selbst gerne noch ein paar weitere Kapitel gönnen würde. Besonders die skurrilen Charaktere machen dieses Buch wieder – wie bei „Fennymores Reise“ – zu einem abwechslungsreichen Buch: Herr Meerbaum, der Apotheker, der ein viel wichtigere Rolle spielt, als es zunächst den Anschein macht, die kettenrauchende Französichlehrerin oder Herr Brecht, einem alten Mann, der mit seinen vielen hunderten Zinnsoldaten die Schlachten Napoleons in seinem Wohnzimmer nachbaut, sie alle sind schon eine Geschichte für sich.

Wer das mag, sich einfach auch durch eine Geschichte treiben zu lassen, ohne zu wissen, wohin die Reise wohl gehen mag, für den ist auch dieses Buch ein echter Lesetipp.

Und für alle jene, die sich noch ganz sicher sind, ist die schräge Geschichte, die zum Ende auch mit einer ordentlichen Portion Grusel und Tragik punkten kann, wieder einmal so eine Mischung, wie sie in ihrer hier gebotenen Leichtigkeit wohl nur Kirsten Reinhardt beherrscht wird. Scheinbar ganz mühelos spinnt sie ihre Geschichte um die vielen zotigen und eigenwilligen Begebenheiten herum und schafft eine ganz eigene Atmosphäre. Das ist doch auf jeden Fall einen Ausflug in diese eigenwillige Welt wert, vor allem weil Kirsten Reinhardt – trotz aller Vorsätze – der Freundschaft zum Sieg verhilft.

Fazit:

Ein Buch mit großem Tusch am Ende. Wer gerne kombiniert, schräge Charaktere und verrückte Geschichten mag, der wird mit dem neuen Buch von Kirsten Reinhardt bestens unterhalten werden. Humor, Grusel und Überraschung inklusive!

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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