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Buchcover: Frauke (Hrsg.) Reitze: Freche Feen, zauberhafte Elfen und mutige Prinzessinnen

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Freche Feen, zauberhafte Elfen und mutige Prinzessinnen von Frauke (Hrsg.) Reitze

erschienen bei Ellermann

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

Wer wüßte nicht gern, wo die zartflügligen Elfen tagsüber ihre goldenen Tanzschuhchen verstecken? Wer würde nicht gern erfahren, wie die Elfe Samtflügel mit Amelie den Elfentanz einübt? Natürlich lohnt es sich auch herauszufinden, warum Riesin Griseldis geraubte Prinzen in Handtaschen stopft oder wie hilfreich ein Feenbesuch im Kindergarten sein kann …

Die fühlbar zarten, bunt schillernden Elfenflügel auf dem Einband und der verheißungsvolle Titel geben Fingern und Ohren ein zauberhaftes Versprechen, das in den zusammengestellten Geschichten auf so vergnügliche Weise eingelöst wird, dass auch die Seele tanzt und das Herz beschwingter schlägt. Frauke Reitze als Herausgeberin hatte ein wirklich glückliches Händchen bei der Auswahl der 19 Texte – fast ausschließlich weiblicher – zumeist bekannter Autoren. So werden viele Leser Isabel Abedi, Cornelia Funke, Enid Blyton und natürlich auch Astrid Lindgren gern derart thematisch geordnet versammelt sehen. Aber auch der Blick auf die weniger bekannten Schöpfer der märchenhaft, abenteuerlich oder fantastisch gewobenen Geschichten (äußerst selten mit Gruselkomponente) lohnt unbedingt:

Die Figur der Lupine Tollpatsch von Ingrid Kellner z.B. vereint in sich Züge von Aschenputtel und Goldmarie. Sie rettet das vom Maulwurf aus der Wiege geraubte Taufkind der Feenkönigin Amaryllis und beschert somit dem Fest ein versöhnliches Ende.

Dann ist da die kleine Lotte, aus Dagmar Geislers Geschichte, mit der man traurig einen einsamen fünften Geburtstagsmorgen erlebt. – Bis sie für ein däumlingsgroßes Mädchen und dessen wundersame Geburtstagsgesellschaft bestehend aus Tante Filomena, Onkel Blubber und dem Abflußgeist kurzerhand eine improvisierte Feier ausrichtet, die schließlich alle Geschenke übertrifft, die Lotte später am Tag überreicht werden.

Oder das Mädchen Jennifer, das Peter Maiwald die berühmte Schneewittchen-Frage stellen läßt „Wer ist die Schönste im ganzen Land?“. Wie im Märchen-Original fällt auch hier die Antwort alles andere als zufriedenstellend aus: ausgerechnet die Erzfeindin Karola Botterbusch soll die Schönste sein! Es ist sehr unterhaltsam, wie aus dem wüste Beschimpfungen gegen den Spiegel ausstoßenden, grimassierenden kleinen Giftzwerg schließlich ein höflich knicksendes Mädchen wird.

Zu den absoluten Höhepunkten zählt unzweifelhaft Enid Blytons Enthüllung des Elfengeheimnisses: den Elfen werden jeden Tag aufs Neue ihre mit Gold und Tautropfen als Glitzerstein versehenen Tanzgoldschuhe von garstigen Mäusen gestohlen. Sie ersinnen vergeblich immer neue Verstecke: im Kelchboden der Mohnblumen, im Fingerhut oder gar im Wurmloch – stets wird ihr unentbehrliches Schuhwerk aufgespürt. Welches Versteck schließlich die Rettung bringt soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur soviel: es existiert wirklich und kann von großen und kleinen Lesern nach dem Genuß des Märchens vielleicht sogar gemeinsam aufgesucht werden. So könnte sich die Erinnerung an diese poetische Geschichte mit dem geheimnisvollen Versteck verknüpfen und der Text viele Elfentänze lang im Gedächtnis verweilen …

Der niederländischen Illustratorin Anette Fienieg merkt man die Lust am bebildern fantastischer Geschichten sofort an. Ihre Elfen mit spinnwebzarten Flügeln sind ebenso greifbar und glaubhaft dargestellt wie drachenreitende Prinzessinnen oder Mäuse in Ritterrüstungen. Oft verleiht sie den Texten mittels der Illustrationen zusätzliche komische Effekte, wenn die Drachenfrauen sich z.B. mit Stricknadeln und Wollknäuel in den Klauen am Felsvorsprung treffen oder der kriegsbegeisterte König des Glasperlenschlosses von seinen vielen Militär-Orden fast zu Boden gezogen wird.
Die Aquarell-Kreide-Zeichnungen von pastell bis kräftiger Farbigkeit lockern als eingestreute Randbebilderung, Fußzeilendetail oder kleine Szenendarstellung die erzählten Geschichten auf.

Wenn also das nächste Mal die Morgenfee in ihr Schneckenhaus bläst, um die Sonne hervorzulocken, klingt hoffentlich der Zauber dieser Vorstellung lange genug im Leser nach um ihn durch einen ganzen langen Tag zu begleiten, an dessen Abend er erneut wieder ein Buch wie dieses zu seiner Erbauung zur Hand nehmen kann.

Fazit:

Mit Kindern ab 4 Jahren kann man als Vorleser auf märchenhaft-vergnügliche Weise in Elfen- und Feen-Welten verreisen. Die Geschichten knüpfen an Alltags-Erfahrungen der Kinder an, Konflikte werden auf oft überraschende Art aufgelöst und ein versöhnliches Ende für eine „Gute Nacht“ macht die Sammlung zum geeigneten Betthupferl.

Silvia Ströhmann

 

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