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Buchcover: Ross Welford: Was du niemals tun solltest, wenn du unsichtbar bist

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Was du niemals tun solltest, wenn du unsichtbar bist von Ross Welford

erschienen bei Coppenrath

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

Esther ist ein ganz normaler Teenager, vielleicht sollte ich besser sagen, WAR.

Obwohl sie sich ihr Leben mit ihrer Großmutter ganz gut eingerichtet hat, stört sie ihr Pickelproblem gewaltig – auch ohne die fiesen Kommentare ihrer Mitschüler. Bei dem Versuch, ihren Hautunreinheiten ein- für allemal Herr zu werden, verändert sich Esthers Leben dramatisch.

Die gute Nachricht: Die Pickel sind weg.

Die schlechte: Esther auch!

Nach seinem erfolgreichen und originellen Debüt „Zeitreise mit Hamster“ legt Ross Welford einen weiteren fantastischen Roman vor, der wieder mit Science Fiction, überaus lebendigen Charakteren und jeder Menge Humor unterhält. Eingebettet in einer britischen Kleinstadtidylle – und dem ganz alltäglichen Wahnsinn, den Teenager in ihrem schulischen Umfeld erleben – entspinnt sich aus einer ganz normalen Begebenheit eine absolut verrückte Situation. Gleich auf den ersten Seiten erfahren wir, wie die Protagonistin Esther nach einem etwas zu langem Aufenthalt unter einem Solarium feststellen muss, dass sie unsichtbar geworden ist. Da bleibt man unweigerlich dran und so, wie Welford sie erzählt, möchte man denken: Ja, so könnte es wirklich so passieren.

Wie genau, kam nämlich so: Esther ist wegen ihrer Pickel so verzweifelt, dass sie nach zahllosen Fehlschlägen zu einem chinesischen Wundermittel greift, das sie sich heimlich im Internet bestellt. Bisher wird ihr nur k...übel davon, die Pickel aber bleiben. Durch einen Zufall kommt sie an eine gebrauchte Sonnenbank; die Bräunungsdusche soll ja auch helfen. Doch die Kombination aus beidem ist brisant.

Verzweifelt ruft sie ihre Großmutter an, die ihr natürlich nicht glaubt, das „Unsichtbar-Sein“ eher metaphorisch versteht und ihr geduldig erklärt, dass das ja in der Pubertät sicherlich normal sei, dass sie sich manchmal unsichtbar fühle. Beim Rettungsdienst hat sie noch weniger Glück. Dort hält man sie bestenfalls für „bekloppt“ oder, schlimmer noch, für dreist. Jedenfalls steht Esther mit ihrer plötzlichen Durchsichtigkeit ziemlich alleine da. Sie hat keine Ahnung, was sie tun soll und geht daher vollmaskiert auf die Suche nach dem Familienhund, der panisch vor ihr geflohen ist: Esther zu riechen und zu hören ohne sie zu sehen, hat die Retriever-Hündin restlos aus der Bahn geworfen.

Erst als ihr neuer und außerdem auch sehr anhänglicher Klassenkamerad Boydy das Desaster bei ihrer Begegnung zufällig mit eigenen Augen sieht, schenkt ihr jemand Glauben und möchte ihr helfen. Doch dummerweise bekommen auch die schrecklichen Zwillinge aus ihrer Schule mit, dass mit Esther irgendetwas gar nicht stimmt. Sie hätte danach besser abtauchen sollen, denn als Esther ihren „Zustand“ ausnutzen will, um Boydy einen spektakulären Auftritt bei einer Schulveranstaltung zu verschaffen, wird es sehr eng für Esther …

Ross Welford baut geschickt gleich mehrere Spannungsbögen auf – und um es ihm auf seine unverwechselbare Art gleich zu tun, folgt eine Aufzählung:

  1. Die Unsichtbarkeit
  2. Der Auftritt von Boydy
  3. Die „Entwaffnung“ ihrer Erpresser
  4. Das Geheimnis um Esthers Herkunft

Wieder einmal sind seine Handlungsstränge clever durchdacht und mühelos miteinander verwoben. Er schafft zum Brüllen komische aber auch berührende Höhepunkte – ganz der eigenen Logik folgend, auf deren Voraussetzungen man erstmal kommen muss. Alles, jede Begebenheit, spielt eine Rolle in der Geschichte, wobei gerade die „Rolling Gags“ raffiniert gesetzt sind, nämlich dann, wenn auf eine ohnehin schon komische Situation immer noch einen draufgesetzt bekommt.

Dabei tritt Esther selbst in Dialog mit ihren Leser/innen, und weiß sehr lebendig und pointiert zu erzählen. Wie auch in seinem Debüt „Zeitreise mit Hamster“ stammt seine Protagonistin nicht aus einer intakten Familie, hat aber einen engen Bezug zur Großeltern-Generation. Ebenso gilt es in dem vorliegenden Abenteuer, neben dem aktuell anstehenden Problem – nämlich die Ursachen und Folgen de Unsichtbarkeit – auch hinter die Geheimnisse der Vergangenheit zu gelangen. Und damit hinter das Vermächtnis der Eltern. So weit die Parallelen, denn in „Was du niemals tun solltest, wenn du unsichtbar bist“ entspinnt sich eine komplett andere Geschichte mit ihren ganz eigenen Herausforderungen.

Der humorvolle Überbau hat auch eine ernsthafte und berührende Ebene darunter: So sind es gerade das Zwischenmenschliche, die Begegnungen und Dialoge, die dieses Buch auch und unbedingt lesenswert machen – auch für Leser/innen, die zwar ihre Kindheit schon länger hinter sich gelassen haben, aber ihre Freude an echten, ehrlichen Abenteuern nicht.

Der Einfalls – und Detailreichtum Welfords, wie er seine Geschichte und damit seine Akteure in Szene setzt, sowie sein Gefühl für Dramaturgie und Timing ist auch dieses Mal mitreißend. Man merkt, dass Ross Welford Fernsehproduzent war, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Natürlich kommt es am Ende zu einem geradezu filmreifen Finale, bei dem in jeder Beziehung kein Auge trocken bleibt. Mehr werde ich hier natürlich nicht verraten.

Fazit:

Voller Humor und Situationskomik schickt er seine sympathischen Akteure in ein grandioses und verrücktes Abenteuer. Welfords unbändige Erzählfreude erschöpft sich nicht allein in einer originellen Idee, hier greifen so viele Begebenheiten ineinander, wie es (fast) nur wahre Geschichten bieten.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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