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Buchcover: Stephan Knösel: Master of Disaster

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Master of Disaster von Stephan Knösel

erschienen bei Beltz und Gelberg

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

Quentin kommt zum Kennenlernnachmittag in die weiterführende Schule und stellt fest: auch Stella, die verhasste Klassenkameradin aus der Grundschule, ist in seiner neuen Klasse. Ab sofort hat er nur noch ein Ziel, die Megazicke loswerden. Zusammen mit seinem kleinen Bruder und unterstützt von seinem Onkel startet er eine Serie von Streichen. Nur leider ist Stella auch nicht tatenlos.

Quentin schreibt in der Vierten extra schlechte Noten, damit er keine Gymnasialempfehlung bekommt, somit in der Fünften auf die Gesamtschule geht, um bloß nicht mehr mit Stella in eine Klasse und auf einer Schule gehen zu müssen. Eben genau die Stella, die von ihm Schlumpfine genannt wird und die sich diesen gehässigen Namen mit Gehässigkeiten verdient hat.

Schon in der ersten Klasse hat sie ihn in die Hacken getreten, wenn er an ihrem Platz vorbei gehen musste, um etwas in den Mülleimer zu werfen. „Und wenn ich dann aufgeschrien habe, weil das echt wehgetan hat – dann hieß es immer nur: “Was ist denn jetzt schon wieder, Quentin?„ Wenn ich dann gesagt habe, “Stella hat mich gerade getreten!„ dann hat unsere Lehrerin gefragt: “Stella, hast du Quentin getreten?„ Und Stella hat gesagt: “Nein, hab ich nicht.„ Und dann hat sie angefangen zu weinen. Und dann hieß es: “Quentin! Wegen dir weint Stella jetzt. Stella, Schatz, na komm, das wird schon wieder. Quentin entschuldige dich! Sofort.„

Das zum Beispiel erzählt Quentin im Laufe der Geschichte; der ganzen Geschichte, die er gerade auch dem Direktor der Gesamtschule erzählen muss, denn dort sitzt er, “wegen der Sache mit Stella und dir„; und damit ist dem Leser auf den ersten Seiten klar, dass der Plan, mit dem Ende der Grundschule Stella nie wieder zu sehen, offenbar schief gegangen ist. So gründlich schief, dass Quentin jetzt im Direktorenzimmer sitzt und auf seinen Schulverweis wartet.

Und nach und nach erfährt der Direktor und mit ihm auch der Leser alles.

Wie am Kennenlerntag vor den Sommerferien auch Stella da war – und nicht auf dem Gymnasium.

Wie Stella Quentin anbietet, sich doch noch eine andere Schule zu suchen, wenn er das Pfadfinderzeltlager sprengt, zu dem ihre Mutter sie gegen ihren Willen angemeldet hat. Wie Quentin seinen jüngeren Bruder einweiht, dann die Eltern überredet, auf der Fahrt ans Meer genau dort am Ort des Zeltlagers in einem Familienhotel Station zu machen. Und sie dort nächtelang und sehr erfindungsreich versuchen, das Zeltlager platzen zu lassen, von Spinnen in den Zelten bis zur angsteinflößenden Bärengebrüll-App.

Die Bären-App lockt tatsächlich einen Bären an, einen männlichen, von dem es in den österreichischen Bergen ein paar gibt, denn das Gebrüll auf der App ist von einem Weibchen. “Aufgelöst wurde das Zeltlager trotzdem nicht. In Österreich macht man sich wegen eines Bären nicht gleich in die Hose. Da muss vermutlich erst ein Dinosauerier auftauchen.„ Immerhin hat eines geklappt: Stella wird abgeholt.

Aber: am ersten Schultag ist sie trotzdem da. Und Quentin leidet weiter unter ihren Spötteleien und Quälereien und schmiedet weiter eifrig Pläne.

Quentin ist Ich-Erzähler, schwungvoll und direkt an den Leser gerichtet erzählt er von seinen Ideen, seinen Problemen, seinen Gedanken. Wie in einem guten Film gibt es neben dem wichtigsten Handlungsstrang viele gute Nebenhandlungen. Da ist die Familie Stolte-Nieben, der Vorzeigefamilie in der Straße: “Frau Stolte-Nieben ist immer hübsch angezogen und hat für jeden ein nettes Wort übrig. Und Herr Stolte-Nieben verdient wahnsinnig viel Geld und fährt immer die tollsten Autos und ist trotzdem null arrogant und sogar fast noch netter als seine Frau. Aber am schlimmsten sind die Kinder, Lasse und Feli. Die haben immer gute Noten und sind immer brav, grüßen höflich und ziehen die Schuhe aus, bevor sie irgendwo reingehen."

Und wenn Quentin beschreibt, wie seine Eltern die Stolte-Niebens als gutes Beispiel heranziehen, dann ist das auch für (vor)-lesende Erwachsene sehr erhellend, weil er so mit seiner liebenswert altklugen Art einem den Spiegel vorhält.

Am Ende legen er und sein Bruder noch eine Schippe drauf, und es eskaliert alles ein bisschen. Und Quentin sitzt beim Direktor im Zimmer und wartet – mit einem Huhn auf dem Schoß – auf seinen Schulverweis. Und auf die Erlösung von Stella. Aber beides kommt nicht. Sondern, der Direktor hat immerhin so viel Weitblick und Menschenkenntnis, auch Stellas Anteil an dem Streit und den Streichen zu sehen. Und sein Urteil lautet: Bis zum Ende des Schuljahres sitzt ihr beiden nebeneinander.

Da gibt es garantiert Band 2. Der ist noch nicht erschienen und ein bisschen Erholung wünscht man den beiden irgendwie auch. Aber dann freut man sich auf den Gong zur nächsten Runde.

Fazit:

Zwei Brüder gegen ein gar nicht so harmloses Mädchen, die mit viel Kreativität einen ein Streich nach dem anderen aushecken. Die meisten gehen schief. Authentisch aus dem Leben der Altersgruppe, aber doch einen sehr humorvollen Tick überzeichnet. Ein Jungsbuch, das bestimmt auch Mädchen Spaß macht zu lesen.

Sigrid Tinz

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