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Buchcover: Anu Stohner: Neues von den Weihnachtsmäusen

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Neues von den Weihnachtsmäusen von Anu Stohner

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

Alle Jahre wieder …schwärmen die Weihnachtsmänner aus und verteilen an alle Kinder dieser Welt ihre Geschenke. Doch was passiert, wenn sich alle Weihnachtsmänner eine grausliche Erkältung einfangen und ihren Dienst nicht verrichten können? Alle, bis auf den dusseligen Friedebert, der die hochachtungsvolle Aufgabe für die gesamte Mannschaft übernehmen muss. Wären ihm die Weihnachtsmäuse nicht zur Hilfe gekommen, hätte es in diesem Jahr falsche Geschenke gegeben …

Weihnachtszeit, besinnliche Zeit! Auch für die Tiere des Waldes haben die Dezembertage über eine besondere Stimmung. In dieser Zeit gibt es keine Unterordnung und Rivalitäten. Diese Tage werden gemeinsam mit einer täglichen Versammlung auf der großen Lichtung verbracht. Dann lauschen sie einer Geschichte in vierundzwanzig Stücken, die ihnen die Stadtmaus erzählt. Doch dieses Jahr, pünktlich zum 1. Dezember, lässt die Stadtmaus auf sich warten …Sie hat sich das Bein gebrochen und kann die Tiere nicht besuchen. Doch gewissenhaft und geschickt wie die Maus aus dem ersten Buch von Stohner bekanntlich ist, schickt sie an allen Tagen stellvertretend die Kirchenmaus in den Wald, die ihre Geschichte von einer vergangenen Weihnacht in kleinen aber inhaltlich reichen Erzählungen vorliest.

Alles beginnt mit dem ersten Schneefall und einem unglücklichen Ereignis. Die Weihnachtsmänner, die sonst so ruhig und vernünftig wirken, verwandeln sich beim Anblick der weißen Flocken in wilde Kerle, schnappen sich ihre Schlittschuhe und toben sich beim Eishockey aus. Wild sein bringt oft auch Verletzungen mit sich und hier ist es ausgerechnet der Oberweihnachtsmann, der sich auf die Nase legt. Sein lauter Schrei holt auch den letzten Weihnachtsmann aufs Eis, um ihm zur Hilfe zu kommen. Doch in diesem Jahr war es bis zum ersten Schnee noch gar nicht kalt und das Eis auf dem Teich ist viel zu dünn, um alle Mann zu tragen …

Es kommt, wie es kommen muss: die Weihnachtsmänner brechen in den Teich ein. Und schon am Abend sind die Medizinvorräte des Weihnachtsmanndoktors fast aufgebraucht. Es reicht bei Weitem nicht aus, um alle Schnupfnasen und Kratzehälse pünktlich zum Weihnachtsfest zu heilen. Die schwerste Krankheit hat sich aber der Oberweihnachtsmann zugezogen: er leidet unter Gedankensprung, einer äußerst heiklen Erkrankung, die man bekommt, wenn man ohne Mütze in der Kälte ist.

Nun ist guter Rat teuer. Wie sollen bis Weihnachten alle Pflichten erfüllt werden, wer übernimmt die Dienste zum Geschenke Verteilen?? Außer dem Weihnachtsmanndoktor ist nur eine Person gesund geblieben: Friedebert, der dusseligste Weihnachtsmann der Welt, der den Eis-Einsturz aufgrund seiner Gedankenlosigkeit gar nicht miterlebt hatte. Die Entscheidung fällt, wenn auch mit einem mulmigen Gefühl, schnell: Friedebert muss in diesem Jahr ganz alleine alle Dienste erledigen.

In den nächsten Tagen erfahren die Waldtiere witzige aber auch spannungsvolle Ereignisse rund um Friedebert, auf seinem Weg zu den Kindern der Welt. Auf der Erde gelandet, steht er dem Geschenkehaufen hilflos gegenüber. Den Routenplan und die Geschenkeliste hat er natürlich vergessen …Aufmerksame Leser des Vorgängerbuches wissen, dass bei solch einem hilflosen Fall die Weihnachtsmäuse eingreifen und alles wieder ins Lot bringen. Und so flitzen sie in die Städte, fragen die Haustiere nach den Wünschen der Kinder, um die richtigen Geschenke neu zu ordnen. Sie kämpfen für das Wohl der kleinen Leute, überlisten und überreden sogar ihre allergrößten Feinde, die Katzen. Das flinke Mäuseteam übernimmt das Kommando und mit vereinter Kraft gelingt es ihnen, dass Friedebert jedes Haus mit den richtigen Geschenken versorgt. Er, die Mäuse und die wieder genesenen Weihnachtsmänner daheim sind froh, dass die Kinder der Welt ihre Wünsche unter dem Tannenbaum finden. Sie haben ihr großes Ziel erreicht: Sie haben die Augen der Kinder zum Leuchten gebracht.

„Heute, liebe Freunde, öffnen wir das (erste, zweite, dritte ...) dreiundzwanzigste Türchen unseres Adventskalenders.“ Mit diesen Worten werden große und kleine Leser an vierundzwanzig Tagen auf den Fortgang der Weihnachtsgeschichte eingestimmt. Anu Stohner verfolgt mit den Geschichten ein festes Schema, dass zu Beginn mit einer kurzen Wiederholung das Vorwissen der jungen Leser aktiviert und sie somit in das weitere Geschehen einbindet. Die Briefe der Stadtmaus schließen zudem mit einem offenen Ende ab, das Vermutungen für den kommenden Tag anregt und das Vorlesen zu einem aktiven Erlebnis werden lässt.

Anlehnend an ihr erstes Weihnachtsbuch erleben die Weihnachtsmäuse in diesem Jahr eine spannende Vorweihnachtszeit, die sie mit den Lesern teilen. Die genauen und authentischen Charakterbeschreibungen aller beteiligten Tiere und Personen verleihen der Geschichte eine große Spannung zwischen Realität und Fiktion. Kaum ein Kind wird bei der heiteren Erzählung nicht mehr an die Weihnachtsmänner glauben wollen sondern sich ein weiteres Buch für das kommende Jahr mit einer neuen Geschichte wünschen. Besonders Weihnachtsmann Friedebert ist durch seine Dusseligkeit Sympathieträger und lockert die kindliche Vorstellung vom ruhigen, Respekt gebührenden Weihnachtsmann in unterhaltsamer Weise auf.

Die Vielzahl von Tieren und Weihnachtsmännern mit unterschiedlichen „Dienstgraden“, die Stohner in ihrer Geschichte aufführt, schult das kindliche Wissen von Tierarten und verschiedener Berufe. Das erfolgreiche Zusammenspiel aller Beteiligten verdeutlicht außerdem die Grundaussage des Buches, dass die unterschiedlichen Fähigkeiten verschiedener Personen zu einem erfreulichen Ergebnis führen können.

Die Briefe der Stadtmaus sind in kindgerechter Sprache verfasst und können aufgrund ihrer genauen Beschreibung und Kleinschrittigkeit der Ereignisse für junge Leser gut nachvollzogen und mitgedacht werden. Sie eignen sich wegen dem vorwiegend komplexen Satzbau jedoch eher zum Vorlesen als zum Selberlesen. Die Zuhörer werden von einem stimmungsvollen Vortrag begeistert sein und die teils witzige, teils spannende Atmosphäre der einzelnen Tagesbriefe genießen.

Die kurzen Kapitel eignen sich hervorragend zur täglichen Lektüre. Sie sind in wenigen Minuten vorgelesen, bieten jedoch allerhand weiterführendes Gesprächsmaterial. Jedes Kapitel wird durch anregende und detailgetreu gezeichnete Illustrationen ergänzt, die den Inhalt verbildlichen. Aufmerksame Leser erkennen zudem, dass sich auf jeder Illustration eine kleine Maus entdecken lässt. Weiterhin sind im gesamten Text viele Hinweise zur Lebenswelt der jungen Leser enthalten. Nicht ohne Mütze aus dem Haus gehen, bei Schwierigkeiten um Hilfe bitten oder aber dass Dussel genau so weit kommen wie die Ordentlichen und „Siebengescheiten“ – mit gekonnter Rollenbeschreibung werden den Kindern diese Lebensweisheiten vor Augen geführt.

Stohner gelingt es somit, ein unterhaltsames und lehrreiches Buch zu schreiben, das das Warten auf den Weihnachtstag wundervoll verkürzt und erheitert.

Fazit:

Wer hätte gedacht, welch vereinte Kräfte am Gelingen des Weihnachtsfestes beteiligt sind! Stohner schärft auf unterhaltsame Art den kindlichen Blick für die vielfältigen Turbulenzen, die für das Strahlen der Kinderaugen notwendig sind. Am liebsten würde man in der Adventskalendergeschichte von Anu Stohner selber Mäuschen spielen!

Ina Kolöchter

 

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