Couch-Wertung:

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Idee
Bilder
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Idee

Die Serie geht direkt auf das Alltagsleben der Kinder ein, thematisiert Konflikte, und eröffnet Lösungsmöglichkeiten. Die Vielfalt der Charaktere entspricht dem bunten Treiben im Kindergarten.

Bilder

Die Farben sind eher gedeckt. Die Bilder sind als Zeichnungen ausgestellt. Die Figuren setzen sich wenig voneinander ab. Gestik und Mimik sind expressiv und es gibt viele Details zu entdecken.

Text

Die Sprache ist leicht verständlich. Der Band leistet einen didaktische Beitrag zum Spracherwerb durch grammatikalische Schwerpunkte (Adjektive und Komposita) und die Thematisierung von Sprache selbst.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Nov 2012

Die Kindergartengruppe "Die wilden Zwerge" bekommt Zuwachs: Konstantin - der Neue - hat seinen ersten Tag. Statt schüchtern in der Ecke zu stehen, setzt er sich voller Mut und Selbstvertrauen gegen den Raufbold Richard durch und gewinnt dabei die Anerkennung der anderen. Der Neue ist der Eröffnungsband der Serie Die wilden Zwerge, in der sich Meyer/Lehmann/Schulze dem alltäglichen Leben im Kindergarten widmen.

Der Neue steigt direkt in das kreative Chaos des kindlichen Spiels im Kindergarten ein: die Kinder toben sich im "freien Spiel" aus und der ganze Raum liegt voller Spielzeug. Die Betreuerin, Frau Köhler, ruft zur Ordnung und kündigt den neuen Jungen an, der schon bald eintreffen müsste.

Nachdem alles aufgeräumt ist, versammeln sich die Kinder am Frühstückstisch und gerade als sie aus ganzer Kraft "Guten Appetit" rufen, kommt die Kindergartenleiterin, Frau Berger, hinzu und stellt den Neuen - Konstantin - vor. Er wird sofort freundlich aufgenommen, die Mädchen wetteifern darum, wer neben ihm sitzen darf und jedes der Kinder gibt ihm etwas vom Frühstück ab.

Konstantin wehrt sich gegen den Spitznamen "Konni" und die zweite Betreuerin der Gruppe, Frau Koslowski, erklärt, dass "Konstantin" ein alter Kaisername sei und dass die Stadt Konstantinopel, heute Istanbul, nach diesem Kaiser benannt sei. Fortan nennen die anderen Kinder ihn aus Verspieltheit und ohne Spott "Istanbul".

Als der Raufbold Richard Konstantin mit seinem Namen aufzieht ("Konstantinopel - Popel!), wird er sofort von den Betreuerinnen zu Recht gewiesen. Konstantin indes pfeift unauffällig ein Lied und zeigt schon hier seine Überlegenheit und seine für ein Kind ungewöhnlich starke Persönlichkeit.

Auf dem Spielplatz geht alles wieder seinen gewohnten Gang: Richard schubst Elena vom Bobbycar und tyrannisiert die anderen, indem er "Kinderüberfahren" spielt. Anders als sonst sind die Betreuerinnen kurzzeitig abgelenkt und greifen nicht ein. Konstantin - der Neue - ist es schließlich, der sich entschlossen vor Richard stellt und ihn bestimmt auffordert abzusteigen. Dem Selbstbewusstsein und der Entschlossenheit, die Kostantin zeigt, ist Richard nicht gewachsen. Er verzieht sich ins Spielhaus und Konstantin bringt heldenhaft das Bobbycar zurück zu Elena. Die anderen wilden Zwerge sehen begeistert, amüsiert oder nachdenklich zu.

Auf dem Heimweg beginnen Selin und Anton ihrer Mutter von dem Jungen "Istanbul" zu erzählen und auch später gibt es kaum ein anderes Thema. Die Initiative der Mutter, nun bald gegen Richard vorgehen zu wollen, interessiert Anton kaum, der auf dem Klo sitzend voll und ganz in seinen Erinnerungen an den Kindergartentag und Konstantins Heldentat schwelgt.
Die wilden Zwerge ist eine Soap-ähnlich aufgebaute Bilderbuchserie, die sich am Erleben und an den Alltagsschwierigkeiten von Kindergartenkindern anlehnt. Sie bietet Kindern damit Identifikationsmöglichkeiten und Eltern die Chance die Probleme ihrer Kleinen ernst zu nehmen und mit diesen ins Gespräch zu kommen. Jeder der Bände endet mit einem Gespräch zwischen den Eltern und ihren Kindern über die Geschehnisse des Tages. Hierbei wird einerseits vermittelt wie wichtig es ist über das Erlebte zu sprechen, andererseits wird auch aufgezeigt wie wichtig es ist die Eltern als aktive und auch nachfragende Zuhörer zu haben. Die Tatsache, dass am Ende jeden Bandes ein Kind auf dem Klo sitzt und von dort aus mit den Eltern plaudert, kann gerade in der routineartigen Wiederholung amüsierend wirken. Grundsätzlich sind die Wiederholungsmomente und die Möglichkeit, denselben Charakteren bei verschiedenen Alltags-Abenteuern zu folgen, sicherlich dazu geeignet die Aufmerksamkeit und Zuhörfreude der jungen Leser zu wecken.

Der Neue geht gleich auf mehrere schwierige Momente im Kindergartenleben ein: auf das Wieder-Ankommen im Kindergarten nach einem Umzug, auf den Terror durch "Raufbolde" und auf die Herausforderungen interkultureller Gruppen. Konstantin, der Neue, scheint vorerst noch schüchtern, wird jedoch mit offenen Armen empfangen und zeigt schon am ersten Tag ein ausgesprochen hohes Maß an Selbstbewusstsein: er tritt Richard, der "Kinderüberfahren" spielt, in den Weg und zwingt ihn mit Bestimmtheit und standfestem Augenkontakt vom Bobbycar zu steigen. Obgleich es sicherlich ein guter Weg wäre Störenfriede mit persönlicher Stärke und Setzungsvermögen in die Schranken zu weisen, ist dies vielleicht ein allzu "erwachsenes" Verhalten und wird bei Kindergartenkindern wohl nur in sehr wenigen Einzelfällen zu finden sein. Es ist jedoch ein guter Anstoß nicht nur Geschichten von Kindern zu erzählen, die in der Gruppe ein schlechtes Sozialverhalten an den Tag legen, sondern auch nach Möglichkeiten zu suchen, wie die anderen Kinder damit umgehen und sich wehren oder schützen könnten. Antons Mutter hebt am Ende des Bandes hervor, dass etwas unternommen werden müsste und plant eine Unterschriftenaktion. Dies könnte Eltern dazu anregen ähnliche Maßnahmen anzuzetteln. Hier wäre es jedoch ratsam eine überlegtere Perspektive zu wählen und auch die Frage zu stellen, warum es in jeder Gruppe jene "Raufbolde" zu geben scheint und inwiefern die Gruppendynamik und nicht nur die möglicherweise fehlende Erziehung oder persönliche Veranlagung hierzu beiträgt.

Das Buch nimmt sich komplexer und schwerwiegender Fragestellungen an und schafft es nur begrenzt diesen sehr hohen Ansprüchen in der für ein Kinderbuch ganz klar notwendigen Einfachheit zu entsprechen. Dies trifft auch auf die Thematisierung interkultureller Kontakte zu, die sich in der Reihe Die wilden Zwerge insbesondere auf deutsch-türkische Beziehungen konzentriert. Im Kindergarten sind zwei türkische Kinder und sowohl kulturelle als auch religiöse Aspekte werden in den Bänden immer wieder einbezogen. In Der Neue geht es vornehmlich um Konstantins Namen und dessen Verbindung zur Stadt Konstantinopel/Istanbul. Da in Deutschland viele Vorurteile gerade gegen Menschen mit türkischer Herkunft verbreitet sind, wirkt es geradezu provokativ, dass die Kinder beginnen Konstantin "Istanbul" zu nennen. Es wird zwar betont, dass Konstantin kein türkischer Junge sei, sondern es vielmehr um den Spaß am Spiel mit den Worten gehe, dennoch können auch im kindlich naivem Spiel rassistische Momente aufscheinen und aus diesem Grunde könnte die Art der Integration interkultureller Fragestellungen speziell in Der Neue als grenzwertig gedeutet werden.

Auch auf sprachlicher Ebene ist der Band durchaus anspruchsvoll. Die Sprache ist zwar leicht verständlich und die Sätze sind oft einfach aufgebaut, jedoch wird beispielsweise der "Riesenberg Zwergen-Spezial-Frühstücksmix" den Konstantin aufgetischt bekommt in sehr detaillierter Weise beschrieben. Er bekommt nicht einfach nur Käse, Joghurt und Brot, sondern "einen angebissenen kleinen runden Käse", einen "fast leer gelöffelten Aprikosen-Joghurt" und " ein halbes Vollkornbrot mit Bio-Nutella". Zumindest einer der sprachlichen Schwerpunkte des Bandes scheint auf der detailgenauen Beschreibung durch Adjektive und durch die Bildung von zusammengesetzten Wörtern zu liegen. An einigen Stellen wird Sprache und Grammatik auch explizit zum Thema, so weist die Mutter ihre Kinder, die von "dem Istanbul" erzählen, darauf hin, dass bei Städtenamen keine Artikel verwendet werden, nachdem die Tochter sich zuvor darüber gefreut hatte, dass sich "Istanbul" auf "cool" reimt. Der Neue gewinnt auf diese Weise didaktische Dimensionen und fördert den Spracherwerb der jungen Zuhörer. Dies wirkt an keiner Stelle anstrengend oder überfordernd, da die Sprache dennoch sehr einfach gehalten und gut verständlich ist.

Die größte Herausforderung des Bandes ist sicherlich die Vielzahl an Namen, die direkt zu Beginn durch die Benennung der Tätigkeiten der Kinder im "freien Spiel" eingeführt werden. Obgleich auch dies sicherlich dem Kindergartenalltag entspricht, kann das Namensgewirr durchaus einen Moment der Überforderung hervorrufen. Zum Glück ist auch hier eine Hilfe eingebaut: der Band beginnt mit einem Gruppenbild, auf dem jedem Kind sein Name zugeordnet ist. So können die Eltern mit ihren Kindern üben und dabei ihr Namensgedächtnis schulen. Die Illustrationen erinnern mitunter an die Zeichnungen, die man von den Peanuts oder Der kleine Nick im Gedächtnis haben mag. Die Illustrationen sind klar als Zeichnungen hervorgehoben. Dies heißt zum Beispiel, dass viele Elemente mit bewusst wenigen Strichen gezeichnet werden und die schwarzen Umrandungslinien teils eher grob gezeichnet sind und in der Regel hervorstechen. So sehr dieser Zeichenstil seinen Charme hat, sind die Strichmännchen-haften Ausführungen der Gesichter teils problematisch, da sich die vielen Kinder fast nur noch durch Klamotten, Haarfarbe und Frisur unterscheiden. Gestik und Mimik sind sehr expressiv. Die Gesichtszüge leider teils zu aggressiv, ohne dass dies durch fröhliche Gesichter aufgewogen würde. Vielleicht kann dieser Eindruck entstehen, weil das Lachen der Kinder längst nicht so lebhaft wirkt, wie ihr Weinen oder Schreien. Hier könnten deutlich größere Münder und ein breiteres Lachen, wie es von Charlie Brown bekannt ist, vielleicht stärker positive Emotionen übertragen. Sehr schön sind die Anfangsbilder: erst wird das Tohuwabohu des "freien Spiels" quasi als Suchbild gezeigt und auf den folgenden Seiten werden die einzelnen Kinder sozusagen "in Großaufnahme" gezeigt. So werden die kleinen Leser - wieder ein gekonnter didaktischer Kniff - zum Suchen und Wiederfinden inspiriert.

Der Neue ist aufgrund der komplexen Thematiken, der verwirrenden Vielzahl an Namen und der teils eher aggressiven Mimik der Figuren nicht für Kinder unter drei Jahren geeignet. Da der Fokus auf Problemen im Kindergartenalltag liegt, bietet sich der Band auch nicht für Kinder an, denen der Einstieg noch bevorsteht, oder die sich in der Eingewöhnungsphase befinden. Die vom Verlag genannte Altersempfehlung "ab 4 Jahre" ist somit zu unterstreichen. Jene Zwerge, die schon mitten im Kindergartengeschehen stecken, werden sich durch die aus dem Leben gegriffenen Geschichten in Der Neue und der Serie um Die wilden Zwerge angesprochen fühlen, vieles aus ihrem eigenen Alltag wiederentdecken und vielleicht gemeinsam mit ihren Eltern nach Lösungen für Probleme suchen.

Fazit:

Der Neue fördert mit seiner aus dem Kindergartenalltag gegriffenen Geschichte den Austausch zwischen Eltern und Kindern. Die Illustrationen bieten zwar sehr viele Details, die es zu entdecken gilt, doch die Bilder hätten ein wenig mehr Freude und lachende Gesichter gut vertragen können.

Anneka Esch-van Kan

 

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