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Buchcover: Sara Varon: Robo und Hund

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Robo und Hund von Sara Varon

erschienen bei Ravensburger

geeignet für Kinder im Alter ab 8 Jahren

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. So mancher kommt dieser Tage ja auf den Hund; doch in der Geschichte von Sara Varon, die ganz ohne Worte auskommt, verhält es sich ein wenig anders, denn hier kommt Hund auf Roboter …

Es ist August und Hund bekommt ein langersehntes Paket, er freut sich sehr, das sieht man, denn er wedelt heftig mit dem Schwanz. Im Paket befindet sich ein Bausatz für einen Roboter: „Arme und Beine anschrauben FERTIG“ steht in der Anleitung. Und so schraubt, näht und klebt Hund, bis sein neuer Freund endlich fertig ist. Schon machen sich die beiden auf, um in der Bücherei einen Film auszuleihen. Sie tun das, was gute Freunde eben machen: Mit selbstgemachtem Popcorn machen sie es sich vor dem Fernseher bequem – bis Robo einschläft. Liebevoll deckt Hund seinen neuen Freund zu. Am nächsten Tag entscheiden sich die beiden, in die Sommerfrische zu fahren zu einem der „schönsten Hundstrände“. Mit der „Greyhound Line“ geht es dann in Richtung Meer. Am Strand angekommen, lockt sofort das Wasser. Robo überlegt noch, ob er ebenfalls ins Wasser gehen soll – irgendetwas, das kann man seinem Gesicht ansehen, scheint ihn zu warnen. Doch Robo geht dennoch ins Wasser und beide plantschen vergnügt. Zum Trocknen machen es sich die beiden auf ihren Decken in der Sonne bequem. Als die Sonne bereits am Horizont versinkt, beschließt Hund, dass es Zeit ist zu gehen. Er stupst Robo an, der will sich erheben, doch es geht nicht mehr. Seine Gelenke sind vom Meerwasser offensichtlich ganz verrostet und jeder Versuch einer Bewegung erzeugt ein markerschütterndes Quietschen.

Hund denkt nach. Es ist bereits dunkel geworden. Schamesröte tritt ihm ins Gesicht, als er den Entschluss fasst, Robo allein am Strand zu lassen.

Es werden noch viele Monate ins Land gehen, Hund wird im September versuchen, seinen Roboter doch noch vom Strand zu holen, doch es ist Wintersaison und der Strand ist bereits geschlossen. Hund wird andere Freunde treffen, wie zum Beispiel die drei Enten, die schon bald in den Süden ziehen, oder die Ameisenbären, dessen Essen er nicht verträgt. Zu guter Letzt freundet er sich mit einem Pinguin und seinem Schneemann an, doch letztlich sind seine neuen Freunde immer fort. Hund denkt immer wieder an Robo. Aber die Zeit ist ein relatives Ding und sie vergeht für Hund viel schneller als für seinen mechanischen Freund, den er am Strand zurückgelassen hat.

Robos Zeit scheint still zu stehen. Immer wieder taucht der Blechmann, der die Hoffnung niemals aufgibt, von seinem Freund nach Hause geholt zu werden, in seine Traumwelt ein. Zuerst träumt er, er wäre nicht ins Wasser gegangen und hätte mit nach Hause gehen können. Dann träumt er, die drei Hasen, die tatsächlich eines Tages an den Strand kommen, würden ihn retten. Doch die schlagen ihm nur ein Bein ab, um mit einem Stück davon das Leck in ihrem Boot zu stopfen. Er träumt, wie er sich im Winter durch die dicke Schneedecke gräbt und einfach zu Hund nach Hause geht und anklopft, er träumt, wie er sich durch die Erde gräbt und im Frühling wieder herauskommt und sich mit einer grossen Blume anfreundet. Aber was immer Robo auch in seinen Träumen sieht und erlebt, er landet am Ende, wenn er aufwacht, immer wieder an genau derselben Stelle am Strand.

Robo wird als Nistplatz für eine Vogelfamilie auserkoren, wird von einem Affen an einen Schrotthändler verkauft und seine verbliebenen Einzelteile werden zu guter Letzt von einem Waschbär erworben, der ein Radio aus ihm bauen will. Doch auch mit den Teilen von Robo gelingt es nicht. Da übernimmt Robo, der nun ein Radio als Rumpf hat, die Regie und baut sich selbst um. Und es funktioniert: Jetzt hat der Waschbär nicht nur ein funktionierendes Radio, sondern auch einen Kameraden mit dem er tanzen kann. Waschbär und Robo werden gute Freunde: Ein „Familienfoto“ an der Wand scheint das nur noch zu bestätigen.

Hund kehrt bei Eröffnung der Badesaison noch einmal an den Strand zurück; er sucht, schnüffelt und buddelt, doch er findet nur noch Robos abgerissenes Bein. Traurig kehrt Hund zurück und kauft sich einen neuen Roboter. Das gleiche Modell bekommt er nicht, doch er wählt eines aus, das dem alten Robo sehr ähnlich ist. War Robo vielleicht einzigartig?

Es ist wieder August, als Hund mit seinem neuen Roboter die Reise zum Hundestrand antritt. Doch dieses Mal erlaubt Hund seinem neuen Freund nicht, ins Meer zu gehen. Und so können beide am Abend gemeinsam nach Hause zurückkehren.

Der jetzt musikalische Robo, der gerne mit Waschbär in gemütlichen Sesseln sitzt und liest, hat Hund nicht vergessen. Bei einem Blick aus dem Fenser sieht er zufällig, dass auf der Strasse Hund mit einem neuen Roboter-Gefährten geht. Sie scheinen sich gut zu verstehen. Robo, tief in seinem Herzen getroffen, tut das, was er die ganze Zeit über nicht getan hat: er weint . Dann denkt er ein wenig nach, es müssen nur ein paar Sekunden gewesen sein, denn dann stellt er sich ans Fenster und schickt seinem alten Freund eine schöne Musik aus seinem Innersten hinterher. Das Lied, das das Ohr von Hund erreicht, setzt sich fest und Hund trällert es fröhllich beim Weitergehen.

Am liebsten würden wir Hund mal ordentlich an seinen Schlappohren ziehen oder selber zum Strand gehen und den armen, hilflosen Robo bergen. Die Melodramatik dieser rein aus Bildern bestehenden Geschichte ist unübersehbar. Ausgerechnet ein Hund, der dem Menschen doch als treuester Gefährte gilt, entpuppt sich als derart gedanken- und verantwortungslos. Doch vielleicht müssen wir ihm zugute halten, dass Robo für Hund „nur“ ein technischer Gegenstand war, der allzu emotionalisiert wird. Hätte Hund gewusst, wie sehr Robo an ihm hängt, wie tief seine Freundschaft zu ihm geht, vielleicht hätte er Robo mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, vom Strand fortgebracht. Vielleicht, denn auch Hund vermisst seinen metallenen Freund irgendwann. Er bekommt ein schlechtes Gewissen und kümmert sich darum, Robo nach Hause zu holen – aber zu spät. Der lange Winter ist für Hund schliesslich die Zeit des Vergessens. Er denkt: Vor dem nächsten Badesommer kann er sein Spielzeug sowieso nicht vom Strand holen. Doch für Robo spielt die Zeit nicht mit. Er denkt in seiner Einsamkeit immerzu an Hund und hofft, dass alles gut wird.

Sara Varon setzt diese einsamen Momente Robos auf fast ganz leeren Seiten in Szene. Nur ein kleiner Ausschnitt ist auf dem unteren Rand der Seite zu sehen. Ein einfaches, wie geniales Mittel, die für Robo unendlich lange Zeit darzustellen. Auch kündigt sie auf diese Weise häufig neue Begegnungen oder wichtige Veränderungen bei beiden Protagonisten an.

Vor allem fällt die zwar schlichte aber doch gleichzeitig so gelungene Darstellung von Robo auf:
Zwei Kreise und ein Strich sagen alles über Robos Gemütsverfassung. Und der Blick auf seine Gestalt genügt, um mit ihm zu fühlen. Dabei „macht“ Sara Varon mit ihrem Robo nur wenig: Sie variiert die Grösse der Augen und verändert den Strich-Mund nur um feine Nuancen. Doch genau das macht ihn so unverwechselbar.

Die insgesamt sympathische Aufmachung spricht an und es ist gerade die Einfachheit der Illustrationen, die die Geschichte besonders gut nachvollziehbar macht. Obwohl sie so viele Aspekte in sich trägt, funktioniert ihre Bildsprache dank der gelungenen Reduktion auf das Wesentliche.

Kinder ab 8 Jahren werden sicherlich aufgrund der Bilder den Fortgang der Geschichte gut nachvollziehen können – aber: nicht jedes der so besonderen Details wird sich ihnen erschliessen. „Robo und Hund“ ist ein Buch für jedes Alter ab 8 Jahren aufwärts. Und wahrscheinlich tut die Geschichte gerade uns Erwachsenen „weh“, da wir die tiefen Emotionen Robos und die Dramatik der Geschehnisse wohl am besten nachvollziehen können. Kinder sind da meist unbeschwerter und gehen etwas pragmatischer an das Thema heran. Und das ist auch gut so.

Gut ist auch, dass Sara Varon uns kein perfektes Happy End beschert. Auf diese Weise erhält die Geschichte einen entsprechend bittersüßen Nachklang. Dabei ist Sara Varons Bildergeschichte ein unaufdringliches aber kraftvolles Plädoyer für den respektvolleren und bewussteren Umgang mit unserer Umwelt. Sie erzählt uns ihre Geschichte nicht anklagend, denn sie zeigt uns im wahrsten Sinne des Wortes nur, was geschieht. Hund ist sich wohl nie wirklich im Klaren darüber, was er Robo angetan hat und er wird auch am Ende nicht für sein Verhalten bestraft. Im Gegenteil: Das Herz hat Robo und das Herz des Lesers gehört ihm auch. Sogar am Schluss beweist er echte Grösse, denn trotz der bitteren Enttäuschung über das Verhalten seines Freundes ist er noch nicht einmal nachtragend – es stimmt: „Wahre Freundschaft rostet nicht.“

Fazit:

In „Robo und Hund“ braucht es keine Worte, um eine kluge und berührende Geschichte zu erzählen. Es ist ein Buch das trotz, oder gerade wegen seiner reinen Bildsprache noch lange nachhallt. Dabei schafft Sara Varon mit ihrem unbeschwerten Illustrationsstil unverwechselbare Charaktere, die man einfach mögen muss.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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