Interview mit Margit Auer

Für die Kinderbuch-Couch: Stefanie Eckmann-Schmechta

Margit Auer Foto-Copyright Autorin
Foto-Copyright: Autorin

Am liebsten hätte ich ein Gorillamädchen. Zu zweit könnten wir auf Bäume klettern. Das müsste gar nicht der Urwald sein, der Stadtpark ginge auch. Wir schwingen uns von Ast zu Ast und stoßen dabei wilde Schreie aus, so laut, dass alle gucken. Margit Auer

Kinderbuch-Couch: Liebe Frau Auer, mit Ihrer Schule für magische Tiere haben Sie eine neue Reihe für Kinder ab 8 Jahren begonnen, die noch viel Stoff für Abenteuer bietet. Schließlich haben im ersten Band erst Ida und Benni ihr Tier erhalten; es warten aber noch viele andere Kinder auf ihren tierischen Freund …Was hat Sie auf die Idee gebracht, über die – ja ohnehin schon magische – Verbindung zwischen Kind und Tier in diesem Rahmen zu erzählen?

Margit Auer: Ich wollte Alltagsgeschichten erzählen, die so turbulent und witzig sind, dass die Kinder gar nicht mehr aufhören wollen zu lesen. Und wer kann dazu mehr beitragen als Tiere? Noch besser: Sprechende Tiere! Wer Kinder und ihre Haustiere beobachtet, weiß, wie innig dieses Verhältnis oft ist. Das Tier liegt abends mit im Bett, man teilt flüsternd seine Sorgen und Erlebnisse mit, bekommt Trost …Auch bei uns zuhause sitzt die Katze auf dem Küchentisch, wenn die Kinder ihre Hausaufgaben machen. Am liebsten mitten auf dem aufgeschlagenen Schulheft.

Kinderbuch-Couch: Sowohl Ida als auch Benni haben ihre Schwierigkeiten, aber auch andere Kinder in der Klasse von Miss Cornfield – inwiefern kann ihnen ein Tier helfen und was muss es in einem speziellen Fall mitbringen?

Margit Auer: Ein Kinderleben steckt voller Herausforderungen und Stolperfallen. Ida bekommt ihr magisches Tier, weil sie neu an der Schule ist und nicht weiß, wie sie sich verhalten soll. Wie gut, dass sie den Fuchs Rabbat an ihrer Seite hat! Benni bekommt seine Schildkröte, damit er lernt, sich zu wehren. Diese Idee wird in den Nachfolgebänden weitergeführt: Ein Kind muss eine Hürde nehmen – und das magische Tier hilft ihm dabei. Zum Beispiel, wenn Helene eine Lügengeschichte gerade rücken muss oder Finja von Heimweh geplagt wird.

Kinderbuch-Couch: Welches Tier würden Sie sich selbst als magischen Begleiter wünschen?

Margit Auer: Das hat mich Mr. Morrison auch schon gefragt! Er kommt ab und zu in meinem Schreibbüro vorbei, um bei einer Tasse Tee mit mir zu plaudern. Peperoni, das Pinselohrschwein, würde mir gut gefallen, aber der ist ja leider schon vergeben...Doch dann fiel uns doch noch ein passendes Tier für mich ein: ein Gorilla! Am liebsten hätte ich ein Gorillamädchen. Zu zweit könnten wir auf Bäume klettern. Das müsste gar nicht der Urwald sein, der Stadtpark ginge auch. Wir schwingen uns von Ast zu Ast und stoßen dabei wilde Schreie aus, so laut, dass alle gucken. Vielleicht erfüllt mir Mortimer bei seiner nächsten Afrikareise meinen Wunsch …

Kinderbuch-Couch: Haben Sie sich bei der Charakterisierung Ihrer tierischen Darsteller von den natürlichen Eigenheiten einer bestimmten Tiergattung beeinflussen lassen – oder haben Sie für sich ein ganz eigenes Bild, etwa von dem Fuchs Rabbat oder der Schildkröte Henrietta, entwickelt?

Margit Auer: Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter, ganz klar!. Es ist ja kein Zufall, dass die Elster Pinkie den Glitzerohrring klaut. Und dass der schlaue Fuchs zur neunmalklugen Ida kommt. Und dass die langsame Schildkröte bei dem verträumten Benni landet. Das schließt nicht aus, dass die beiden zusammen eifrig für den Staffellauf trainieren. Schließlich soll Benni beim Wettkampf gegen die Dante-Schule eine gute Figur machen.

Margit Auer Foto-Copyright Autorin
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Kinderbuch-Couch: Gibt es eine Art Auftrag, den die Tiere und vielleicht auch die Kinder erfüllen müssen, der im Verlauf der einzelnen Bände deutlich wird – etwa wie eine „Klammer“ die alle Bände zusammenhält? Oder ist jeder Band in sich abgeschlossen und für sich lesbar, wie auch der erste, da der Stinkbomben-Übeltäter doch noch entdeckt wird?

Margit Auer: Jedes Buch ist in sich abgeschlossen. Die einzelnen Bände folgen dem Verlauf eines Schuljahres mit seinen klassischen Schulereignissen: Miss Cornfield probt mit den Kindern ein Theaterstück. Die Klasse fährt ins Landschulheim. Eine Lesenacht findet statt. Allerdings wird es in der „Schule der magischen Tiere“ dann schnell aufregend: Es gibt einen Stromausfall und die Kinder finden sich im „Keller des Grauens“ wieder. Und insgesamt wird das Klassenzimmer im Laufe der Bände immer voller mit Tieren – das wird ein wunderbares Gewimmel.

Kinderbuch-Couch: „Eigentlich“ so steht es in den Presseinformationen des Verlags sind Sie ja Reporterin und haben für die Süddeutsche Zeitung und für die dpa geschrieben – sie bringen also eher den erwachsenen Lesern komplexe Sachverhalte nahe. Wie kam es dazu, dass Sie auch für Kinder schreiben wollten?

Margit Auer: Nachdem meine drei Söhne zur Welt gekommen waren, hat das mit dem Reporterinnenleben mit seinen vielen Terminen nicht mehr so richtig gut geklappt. Ich musste mir etwas suchen, wo ich mir die Zeit selbst einteilen konnte. Gleichzeitig fing ich an, bergeweise Kinderbücher zu lesen, hatte viel Spaß daran – und beschloss, selbst welche zu schreiben.

Kinderbuch-Couch: Müssen Sie sich ganz bewusst auf die jungen Leser einstellen, wenn Sie sich an ein Kinderbuch setzen – oder tauchen Sie zusammen mit Ihren Protagonisten ganz automatisch auch sprachlich in die magische Welt der Kinder ab?

Margit Auer: Ich bin zuhause umgeben von Quasselstrippen, die mich mit lustigen Kommentaren und Schulerlebnissen versorgen. Kein Problem, in diese Welt einzutauchen! Wenn ich am Morgen anfange zu schreiben, lese ich mir die letzten Seiten durch – und schon geht es weiter. Keine Hexerei. Zum Schreiben radle ich übrigens in die Eichstätter Universitätsbibliothek. Dort klappe ich meinen Laptop auf und kann in Ruhe arbeiten. Kein Telefon, kein Internet.

Kinderbuch-Couch: Hat sich beim Schreiben von Kinderbüchern etwas in Ihrer Arbeitsweise verändert? Gibt es zum Beispiel nun jemanden, dem Sie ihre ersten Entwürfe anvertrauen und dessen Meinung Ihnen wichtig ist?

Margit Auer: Ich gehe die Sache mit der gleichen Professionalität an, mit der ich früher meine Reportagen geschrieben habe. Ich nehme die jungen Lesern genauso ernst wie zuvor die SZ-Leser. Dazu gehört, dass ich meinen Kindern erzähle, woran ich gerade arbeite. Sie sagen dann schon mal: „Nee Mama, das ist langweilig.“ Dann fliegt es sofort raus. Wir reden auch darüber, welche Tiere sie cool finden und auf welche Namen ich die Tiere taufen soll: Was passt besser zu einem Krokodil: Lennox oder Rick? Die Antwort gibt es in Band 4. …

Kinderbuch-Couch: Gibt es etwas, das Sie den Kindern mit Ihren Geschichten über die zwei- und vierbeinigen Helden auf den Weg geben möchten? Was ist Ihnen besonders wichtig, wenn Sie für Kinder schreiben?

Margit Auer: Oh ja! Ich möchte ihnen auf den Weg geben, dass es sich lohnt, eine Sache von verschiedenen Seiten zu betrachten. Dass man sich ändern kann. Dass es witzig sein kann, mal etwas ganz anders zu machen. Die Kinder sollen lernen, an sich und ihre Stärken zu glauben.

Kinderbuch-Couch: Welches Feedback haben Sie bereits von den Kindern bekommen?

Margit Auer: Bei den Lesungen merke ich, dass die Kinder großen Spaß an den Geschichten haben. Zu meiner Überraschung lieben sie besonders Pinkie, die Elster. Sie ist Mr. Morrisons quietschvergnügte Assistentin und hat eigentlich nur eine Nebenrolle. Eine Mutter erzählte mir, dass ihr Sohn die beiden ersten Bände verschlungen hat, obwohl er sonst gar nicht gerne liest. Er wartet sehnsüchtig auf Band 3.

Kinderbuch-Couch: Es geht mit dem zweiten Band „Voller Löcher“ und dem dritten Band „Licht aus!“ spannend weiter mit Ida, Benni und Miss Cornfield und den magischen Tieren von Mister Mortimer Morrison. Mögen Sie uns verraten, zu welchen entlegenen Ecken der Erde uns die Geschichte noch führt und wie viele Abenteuer unsere Helden noch erleben werden?

Margit Auer: Solange Mr. Morrisons Omnibus fahrtüchtig ist, wird er überall hinfahren, wo es ihm und seiner Elster gefällt. In der Antarktis und in Madagaskar war er ja schon, ebenso in West- Afrika, genauer gesagt im Senegal, und in Paris. Australien steht bald an. Magische Tiere gibt es überall! Und meine „Enzyclopädie der Tiere“ von National Geographic hat 608 Seiten. Meine Ideen reichen noch für viele, viele Bände. Am Inhaber der magischen Zoohandlung wird es auch nicht scheitern: Wenn sein alter Omnibus mal wieder eine Panne hat, dann hat Mr. Morrison ja immer noch sein Klapprad.

Kinderbuch-Couch: Herzlichen Dank für das Interview.

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