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Buchcover: Waldemar Bonsels: Die Biene Maja und ihre Abenteuer

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Die Biene Maja und ihre Abenteuer von Waldemar Bonsels

erschienen bei Cbj-Verlag

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

Kaum zu glauben: Das emsige, neugierige Bienchen, vielen bekannt aus der gleichnamigen Zeichentrickserie, wird 100 Jahre alt! Zum runden Geburtstag der „Original-Biene“ von Waldemar Bonsels hat der cbj Verlag eine liebevoll illustrierte Jubiläumsausgabe spendiert. Bei einer so „betagten“ Protagonistin haben wir uns die Geschichte einmal genauer angesehen, um herauszufinden …

 …ob die kesse Biene auch für heutige Kinder noch zeitgemäß ist. Es beginnt damit, dass die kleine Biene Maja gerade aus ihrer Zelle geschlüpft ist. Da erfasst sie schon eine unbändige Neugier auf die Welt außerhalb des Bienenstocks. Also nutzt sie gleich ihren ersten Ausflug, um ihr Volk hinter sich zu lassen und das kunterbunte Leben jenseits des Stocks zu erkunden. Dabei erlebt sie das eine oder anderen Abenteuer und macht zahlreiche mal freundliche, mal eher feindliche Bekanntschaften. Wie zum Beispiel die mit Peppi, dem Rosenkäfer, der sie auf eine Portion Honig einlädt. Oder die mit Hans Christoph, dem Brummer, und Schnuck, der Libelle, die dem Brummer direkt vor Majas Augen kurzerhand den Kopf abbeißt. Kurt, dem dicken Mistkäfer, rettet sie das Leben, nachdem er auf den Rücken geplumpst ist. Der wiederum kann sich kurze Zeit später revanchieren, als Maja einer Spinne ins Netz geht und er sie mit seinen Zangen aus dem klebrigen Gefängnis befreit. Sie streitet sich mit Hannibal, dem Weberknecht, der bei einer Begegnung mit den Menschen ein Bein verloren hat, und lässt sich von einer Elfe trösten, als sie mitten in der Nacht das Heimweh überkommt.

Eines Tages warnt der Tausendfüßler Hieronymus sie gerade vor den räuberischen Hornissen, da wird sie schon von so einem gepanzerten Insekt entführt und in das Verließ der Hornissenburg gesperrt. Dort kann sie ihre Entführer belauschen und erfährt, dass sie am kommenden Tag einen Überfall auf Majas Bienenstock planen. Mit sehr viel Glück gelingt der kleinen Biene die Flucht. Gerade noch rechtzeitig kehrt sie nach Hause zurück, um ihr Volk zu warnen. Dank einer List können die schlauen Bienen die körperlich klar überlegenen Hornissen in die Flucht schlagen. Maja, die Angst hatte, für immer verstoßen zu werden, da sie ihr Volk zu Beginn im Stich gelassen hatte, wird jetzt herzlich aufgenommen und der Königin als welterfahrene
Beraterin zur Seite gestellt.

Als Waldemar Bonsels vor genau 100 Jahren das mittlerweile so berühmte Insekt zum Leben erweckte, wollte er nur einen Freund übertrumpfen, der sich eine Kindergeschichte über Ameisen ausgedacht hatte. Dass aus dem kleinen Wettbewerb ein solcher Erfolg werden würde, dass Maja Kinder in der ganzen Welt als Bilderbuch, Hörbuch oder Zeichentrickfilm begeistern würde, hätte er nie zu träumen gewagt. Weil aber der Originaltext nicht wirklich in die moderne Welt passt, hat ihn Frauke Nahrgang rundum überarbeitet. Nicht nur die Sprache musste aufgefrischt und an die heutige Zeit angepasst werden. Auch einige Szenen wurden gestrichen, da sie in einem zeitlichen Kontext stehen, den Kinder heute überhaupt nicht mehr verstehen können. Das gilt genauso für das Verhalten der Menschen wie auch für die Kriegszenen zwischen Hornissen und Bienen, die kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs entstanden.

Diese komplett überarbeitete Version des Kinderklassikers hat nur wenig mit der Biene Maja zu tun, die wir aus der Zeichentrickserie kennen. Weder Freund Willy noch der Grashüpfer Flip sind als Begleiter an Majas Seite, noch erlebt sie die Abenteuer ihres gezeichneten Ebenbilds. Nein, der Klassiker ist glücklicherweise eine ganz eigene Geschichte. Die allerdings nicht ganz überzeugt. Toll ist die Vorstellung so vieler Krabbelwesen. Ob Weberknecht oder Wanze, die kleinen Leser erhalten einen tollen Einblick in die Welt der Insekten. Auch ist die Geschichte spannend aufgebaut und gut erzählt. Zwei Aspekte sind mir allerdings negativ aufgefallen: Zum Einen tauchen hier und da noch etwas brutale Szenen auf, die mich als Mutter etwas schockiert haben. So beißt beispielsweise die Libelle dem Brummer mal eben einfach so den Kopf ab und redet dabei weiter mit Maja, als wäre nichts geschehen. An anderer Stelle wird ausgiebig beschrieben, wie der Mistkäfer einen Regenwurm verspeist und dessen gekappte Enden schnell die Flucht ergreifen. Auch wenn das im Tierreich gang und gäbe ist und mein fünfjähriger Testleser nicht mit der Wimper gezuckt hat – ich musste doch schlucken. Zum Anderen spürt man als erwachsener Leser sehr oft den erhobenen Zeigefinger, auch wenn er in der neuen Fassung sicherlich abgemildert wurde. „Du bist nichts, dein Volk ist alles“ und die Meinung, dass besiegte Völker Grund und Boden an den Sieger abtreten sollen, stoßen mir in einem Kinderbuch doch auf.

Wiederum positiv fallen die liebevollen Illustrationen ins Auge. Es gibt keine Seite, über die nicht wenigstens ein Käfer krabbelt oder die nicht von einer Reihe Grashalme gesäumt wird. Die Illustratorin Verena Körting hat dabei auf ganz klassische Art zum Zeichenstift gegriffen – naturgetreu, ohne Skizzen oder ohne zu abstrahieren – was gut zur Geschichte passt.

Fazit:

Ein schöner Kinderbuchklassiker, der trotz der Überarbeitung an einigen Stellen doch etwas altbacken wirkt. Zwar ist die Geschichte für die Zielgruppe der ab sechsjährigen noch immer eine spannend, allerdings sollte der Vorleser an einigen Stellen als Vermittler zwischen den jungen Zuhörern und dem 100-jährigen Klassiker und den Kindern eintreten.

Frederike Treu

 

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