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Buchcover: Doris Diedrich: Der einsame Drache

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Der einsame Drache von Doris Diedrich

erschienen bei Bohem Press

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

Lebt dort oben in der Burg auf dem Berg wirklich ein so schrecklicher Drache, wie die Leute in der Stadt behaupten? Matthias mag das nicht so recht glauben. Neugierig macht er sich also eines Tages auf den Weg den Drachen zu suchen …

Immer, wenn der große Drache einem Bewohner der Stadt begegnet, fliehen die Menschen erschrocken vor ihm. Schließlich ist ein Drache doch böse und gefährlich – sagen die Menschen. Getan hat er allerdings noch keinem etwas. So hat sich der Drache auf seine Burg auf dem Berg zurückgezogen, ist dort ganz allein und spielt oft auf seiner Violine traurige Lieder.

Auch Matthias – ein Junge aus der Stadt – ist allein, denn es gibt keine anderen Kinder in seinem Alter. So langweilt er sich oft und streunt in der Gegend herum. Auf den Berg allerdings darf er nicht. Die Menschen sagen, dort lebe ein gefährlicher Drache. Das jedoch macht die Sache erst recht interessant und so begibt sich Matthias eines Tages auf die Suche. In der Burg angekommen, vernimmt Matthias Musik und entdeckt tatsächlich den großen roten Drachen. Zunächst erschrocken über seine Entdeckung, fasst sich Matthias ein Herz und will sich dem Drachen nähern. Der wiederum hat ebenfalls Geräusche gehört und sich unbemerkt in Richtung Matthias bewegt. So kommt es zu einem unvermeidlichen Aufeinandertreffen der beiden.

Drache und Matthias erkennen schnell, dass sie keine Angst voreinander zu haben brauchen. Sie teilen ein gemeinsames Schicksal – ihre Einsamkeit. Matthias ist fasziniert von der wunderschönen Musik des Drachen und lädt ihn ein, bei sich zu wohnen. So kommt es, dass der Drache wieder in der Stadt auftaucht. Als auch die Menschen die Musik des Drachen vernehmen, verlieren sie ihre Angst. Matthias nimmt den Drachen mit nach Hause und beide sind nicht mehr allein. „Und von nun an spielte der Drache nur noch fröhliche Lieder.“

Die Illustrationen von Javier Zabala wirken in ihrer naiven Anmutung äußerst eigenwillig. Die Collagetechnik bringt mit vielen erdigen und teils dunklen Farben einige Unruhe mit sich. Das Auge muss sich also erst einmal auf die ungewöhnliche Bildsprache mit nicht immer ganz einfachen Perspektiven einlassen. Für jüngere Kinder stellt das ganz sicher eine gewisse Herausforderung und gar Hürde dar, auch wenn sich in den Bildern teilweise klare Flächen oder geometrische Formen – wie Linien, Vierecke oder Kreise – als markante Anlaufstellen mit deutlich frischeren Farben bieten.

Zwar fällt die zusätzliche Betonung des Drachen mit der Farbe rot und des grafisch hervorgehobenen Matthias mit dem blauen Hut deutlich aus, doch die über alle Seiten dennoch uneinheitliche Darstellung der Hauptfiguren macht es Kindern schwer, sich mit ihnen schnell anzufreunden und sie so mit ungeteilter Aufmerksamkeit durch die Geschichte zu begleiten.

Ein gewisser Reiz – auch für Kinder – darf den Illustrationen des mehrfach ausgezeichneten Künstlers ganz sicher nicht abgesprochen werden. Dem erfahrenen und geübten Bilderbuchpublikum sollte man eine Begegnung mit Matthias und dem Drachen daher nicht vorenthalten.

Einen „musikalischen“ Drachen mit schöner Stimme hat der Verlag bohem press bereits mit dem überaus liebevollen „Bodo“ im eigenen Programm. Der trifft in Stefan Gemmels „So wie Du!“ zwar nicht auf die Menschenwelt, findet aber in einer Maus einen echten Freund. Doris Diedrich erzählt eine ähnliche Geschichte über eine neue und besondere Freundschaft, die aus Einsamkeit erwächst. Über ihr gemeinsames „Schicksal“ finden Matthias und der Drache zueinander. Allen Vorurteilen zum Trotz möchte sich Matthias ein eigens Urteil bilden und hat damit Erfolg. Es zeigt aber auch: einer muss den ersten Schritt machen, auch wenn es einen Schritt ins Ungewisse und Neue bedeutet.

Doris Diedrich gelingt es mit ihrem angenehm vorzulesende Text die verschiedenen Positionen der Protagonisten mit einfachen Worten wiederzugeben und schließlich harmonisch zusammenzuführen. Gerade die ungewollte „Annäherung“ von Matthias und dem Drachen ist dabei spannender Höhepunkt der dramaturgisch gelungenen Erzählung.

Fazit:

„Der einsame Drache“ ist eine ungewöhnlich in Szene gesetzte Bilderbuchgeschichte um einen Jungen und einen Drachen, die mit ihrer neuen Freundschaft der Einsamkeit ein Ende bereiten. Die eigenwillige und teils überfordernde Bildsprache macht es Kindern aber nicht leicht, sich in die ansprechende Erzählung fallen zu lassen und ihr ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken.

Stefanie Eckmann-Schmechta


Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Claudia Dewald meint:
Ich finde es ein tolles Buch. Ich kann es nur sehr empfehlen und hoffe, dass es noch weitere Bücher über Matthias und den Drachen geben wird. Die ich mir ganz sicher auch kaufen werde, um sie meinen Kindern vorzulesen.
Annerose Wannemacher meint:
Ich finde das Buch wunderschön. Sowohl hinsichtlich der Geschichte, die sicher auch in der Grundschule vorgelesen oder selbst gelesen werden kann, wie auch hinsichtlich der Illustrationen, die überhaupt nicht kitschig - eine Herausforderung bei solchen "Drachengeschichten" - ist. Man sollte Kindern etwas zutrauen, statt ihren Geschmack mit Kitschbildern schon früh zu verderben.
Ein tolles Buch!!!

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