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Buchcover: Gesa Schwartz: Emily Bones - Die Stadt der Geister

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Emily Bones - Die Stadt der Geister von Gesa Schwartz

erschienen bei Planet Girl

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

Emilys letzte Erinnerung ist Halloween. Dass sie in einem Sarg liegt, als sie wach ist, könnte vielleicht ein ganz besonders makabrer Streich sein. Ist es aber nicht. Als sie sich herausgewühlt hat aus ihrem Grab, stellt sie entsetzt fest, dass sie tatsächlich gestorben ist. Und als sie herausfindet, dass sie ermordet wurde, will sie nur eins: den Mörder finden und sich das Leben zurückholen. Und dann wieder nach Hause und sich um ihre kleine Schwester kümmern. Doch dieser Plan ist selbst für einen Geist ziemlich schwierig und gefährlich.

Schon nach den ersten Seiten wünscht man sich dieses Buch als Film. Und wenn es durchgelesen ist, umso mehr.

All die Figuren und Wesen und Horrorgestalten, jeder und jede mit ganz eigenem Aussehen und Charakter, dazu Kampfszenen mit Eisschwertern und Flammenherzen und übersinnlichen Kräften möchte man sehen. So wie den Friedhof, dessen alte Kapelle zur Geisterstunde ein prachtvoller illuminierter Dom wird, die Gruften, die in ihrem Inneren wahre Schlösser und gemütliche Häuser sind. All das kann der Leser anhand der Beschreibungen natürlich vor seinem inneren Auge erstehen lassen. Aber es braucht viele Worte und Sätze, kostet viel Vorstellungskraft. Vorstellungskraft, die man eigentlich lieber für die aufwühlende, rasante, spannende Story gebrauchen würde. Und um die durchaus komplexen Zusammenhängen zwischen den verschiedenen Welten und Figuren zu durchschauen.

Allein die Szene, in der Emily sich aus dem ihrem Grab befreit und entsetzt feststellt, dass sie gestorben ist und nun als Geist auf dem Pariser Friedhof leben soll, ist ein viele Seiten langer Erkenntnisprozess. Ein innerer Monolog, die Entdeckung einer völlig andern Welt, der Anderwelt. Der Leser weiß nie mehr als Emily. Er erlebt alles genauso verwirrend wie sie. Immerhin, es gibt einen Irrwicht, dessen Auftrag es ist, ihr – und uns – alles zu zeigen und darauf zu achten, dass sie die Regeln einhält. Denn davon gibt es eine Menge, aufgestellt von der DGU, der Gesellschaft der Untoten. Die verwaltet und regiert die Geisterwelt auf dem Friedhof. Weil Emily viel zu viele Fragen stellt – „Warum bin ich hier, wieso muss ich bleiben, wie komme ich weg“ – bekommt sie neben der Arbeit in der Grabpflegekolonne auch noch Gruppentherapie in der Geisterberatung aufgebrummt.

Und das ist erst mal nur das Drumherum. Die eigentliche Geschichte ist noch viel komplexer und gruseliger: Emily ist nicht einfach nur gestorben, sie wurde ermordet. Als sie das erfährt, will sie sofort los und sich ihr Leben zurückholen. Was strikt verboten ist. Und weil sie abermals fragt und fragt, warum, erfährt sie mehr als ein normaler Geist eigentlich wissen soll. Dass es neben den normalen lebenden Menschen und den untoten Geistern auch die wirklich Toten gibt. Darunter viele friedliche und einige sehr böse, teuflisch böse. Deren Anführer ist Dragar, er will die Herrschaft über alle Welten. Und einer seiner Lords hat Emily ermordet. Weil sie etwas Besonderes ist.

Emily will eigentlich nicht die Welt retten, auch nicht die Welten, und auch keine davon ins Verderben stürzen. Sie will einfach nur wieder leben und zurück zu ihrer kleine Schwester. Mutter und Vater sind bereits tot und die Kleine ist jetzt ganz alleine.

Sie überredet ihr Irrlicht und einen alten weisen Vampir, sie zur Jägerin auszubilden. Wie jeder Geist hat sie magische Kräfte, die sie aber erst entdecken und trainieren muss. Dann wird gekämpft, zum Schein und auch in echt. Jäger, die gab es früher, als noch alles gut war. Sie hielten die Kräfte der Welten im Gleichgewicht. Bis Dragar alles zerstört hat. Emilys Plan wird von vielen Mitgeister als sehr rebellisch wahrgenommen und sie bekommt viel Gegenwind.

Emily ist von ihrer Art her ähnlich wie Pippi Langstrumpf oder Momo, frei heraus und furchtlos. Ihr macht niemand etwas vor und sie hält auch nicht um des Friedens willen den Mund, wenn es etwas zu sagen gibt. Was vielleicht daran liegt, dass sie in ihrem Leben schon sehr viel mitgemacht hat. Sie weiß, was Angst und Trauer und auch Menschlichkeit wirklich bedeuten. Sie lässt keine Beschwichtigungen gelten, treibt ihr Gegenüber in die Enge, hakt nach und hat einen sarkastischen Humor, der einen beim Lesen manches Mal auflachen lässt. Gut so, bringt das doch Entspannung in all das Dunkel.

Der Showdown beginnt schon früh im Buch und dreht mehrere Runden. Immer wieder sterben die guten und bösen Hauptfiguren, aber nur fast, erstarken dann wieder und die nächste Schlacht wird noch magischer, entscheidender, gefährlicher. Kampfgetümmel Seiten über Seiten. Auch das würde man fast lieber sehen als nur lesen.
Das Ende ist offen, zuversichtlich und sehr emotional – und wird nicht verraten.

Fazit:

Kinder mögen Grusel. Es geht ihnen dabei weniger um das Böse, sondern um die Angstlust, ein Gefühl wie Achterbahnfahren, erst Adrenalin, wenn es spannend wird, dann Endorphine, wenn es gut ausgeht. Humor ist wichtig, weil sich zu große Spannung so regelmäßig in Lachen auflöst. All das hat dieses Buch und wenn ein Kind so etwas mag, ist es ein Genuss. Allerdings geht es hier nicht immer ganz gut aus für die Guten. Ob das Buch fürs eigene Kind passt, entscheiden am besten jeweils die Eltern.

Sigrid Tinz

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