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Buchcover: Lene Kaaberbol: Wildhexe - Die Feuerprobe

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Wildhexe - Die Feuerprobe von Lene Kaaberbol

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

ab 11 Jahren

Die neue Erfolgsserie „Wildhexe“ aus Dänemark, die am 24. Februar 2014 auf dem deutschen Kinderbuchmarkt erscheinen wird, erzählt von Magie, wilden Tieren, eigenwilligen Charakteren und bietet einen im wahrsten Sinne des Wortes fantastischen Spannungsbogen. Eine der bekanntesten Kinderbuchautorinnen Dänemarks, Lene Kaaberbol, hat mit dieser Serie eine neue und eigenständige Welt entwickelt.

Clara dachte eigentlich immer, dass sie ein ganz normales 12-jähriges Mädchen ist. Vielleicht etwas scheu und ganz bestimmt nicht mutig oder selbstbewusst. Nicht einmal besonders schön findet sie sich selbst. Aber sie ist glücklich mit ihrer Mutter, die als „toughe“ Journalistin ihre kleine Familie beschützt und versorgt. Dies ändert sich, als sie erfährt, dass Clara von einem schwarzen Kater angegriffen wurde. Zunächst versteht Clara nicht, warum dies ihre Mutter so sehr aus der Fassung bringt – doch dann wird Clara krank und bekommt hohes Fieber. Es bleibt nur ein Ausweg: Sie müssen zu Claras Tante Isa, die sie noch nie zuvor gesehen hat.

Tante Isa lebt mehr als zurück gezogen – in einem uralten Holzhaus inmitten eines dichten Waldes. Überall, auch im Haus, leben Wildtiere. Selbst auf der Schulter der Tante hockt eine Eule. Sehr eigenartig, findet Clara. Doch die unbekannte Tante kann Clara helfen; sie legt ihr die Hand auf die Stirn, singt und murmelt unverständliche Dinge und gibt ihr ein undefinierbares Gebräu zu trinken. Aber – Clara geht es auf der Stelle besser.

Zurück zu Hause denkt Clara, damit wäre die Sache überstanden, doch dann erlebt sie – zusammen mit ihrem Freund Oscar – äußerst merkwürdige Dinge. Eine sehr gefährliche Verfolgerin ist ihr auf den Fersen. Es hilft also nichts, Clara muss nun für längere Zeit zu Tante Isa: Clara muss lernen, ihren Wildsinnn zu erwecken und ihrer Bestimmung folgen. Es kann kein Zweifel mehr bestehen: Clara ist eine Wildhexe.

Lene Kaaberbol ist eine der bekanntesten dänischen Kinderbuch-Autorinnen. Aus ihrer Feder stammen mehr als dreißig Kinder- und Jugendbücher, die in fünfundzwanzig Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet wurden. In ihrer neuen Fantasy-Reihe „Wildhexe“ hat sie eine fragile Welt entwickelt, die voller Magie, guten Ideen und sehr überzeugenden Darstellern ist, egal ob Mensch oder Tier. Mit ihrem besonderen Gespür für das Erzählen – und damit das Kombinieren der Ereignisse, das Streuen von kleinen, aber am Ende so wichtigen Details – ist ihr ein spannender, abwechslungsreicher Auftakt gelungen. Ihre Zutaten sind dabei nicht wirklich brandneu, aber sie stattet sie mit so viel Eigenständigkeit aus, dass sie ihre LeserInnen schon von der ersten Seite an in ihren Bann zieht.

Allein die Schilderungen um den – wen wundert es – ziemlich eigenwilligen Kater, der davon überzeugt ist, dass Clara ihm gehört, sind Lene Kaaberbol wunderbar gelungen und sie hat damit einen unverzichtbaren Hauptcharakter geschaffen, den man mit seiner ganzen Katzenschläue nicht mehr missen möchte. Er sagt Clara, worauf es ankommt, neckt sie, aber er macht ihr am Ende auch den Mut, den sie braucht. Die exzentrische Persönlichkeit des stattlichen Katers und die Dialoge, die er mit „seiner“ Wildhexe führt, dürften dabei nicht nur Katzenfreude begeistern. Kaaberbols Botschaft, die sie über die Tierfreundschaften transportiert, funktioniert und zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte: Die Tiere helfen den Menschen, doch man muss ihnen immer das zurückgeben, was sie brauchen. Dies ist nicht nur das Credo der Wildhexen, es ist auch die zentrale Lösung für die gefährlichen Prüfungen, die Clara am Ende noch zu bestehen hat.

Aber nicht nur Aufrichtigkeit und der Respekt vor der Natur werden von Lene Kaaberbol sehr einfühlsam und überzeugend transportiert, auch die innere Verfassung ihrer kleinen Heldin beleuchtet sie sehr genau. Da ist zum einen Claras Angst vor den neuen Herausforderungen. Denn in ihrem Innen fühlt sie sich so machtlos und klein. Sie schwankt zwischen dem Wunsch, es soll doch bitte wieder alles beim Alten sein, und ihrer tiefen Sehnsucht, die Geheimnisse um die Wildhexen zu ergründen – und damit auch ein Teil dieser magischen Gemeinschaft zu werden. Die wunderbar treffsicheren Gleichnisse, die Lene Kaaberbol zu dieser inneren Zerrissenheit findet, fordern das Einfühlungs- und Vorstellungsvermögen ihrer jungen Leser heraus und erleichtern ihnen auf diese Weise das mühelose Eintauchen in die Geschichte.

Viele Mädchen werden sich mit dem zurückhaltenden Mädchen bestens identifizieren können. Da die Geschichte aus Claras Sicht erzählt wird, gibt sie mit ihrer guten Beobachtungsgabe manchen humorvollen Kommentar zum Besten. Und mal ehrlich: Welches Kind liebt es nicht, den Tieren so nahe zu sein und so frei mitten unter ihnen zu leben? Insgesamt schafft Kaaberbol es mit ihrer warmen und lebendigen Erzählweise hervorragend, ihre eigenwilligen Charaktere zum Leben zu erwecken; sie hebt viele kleine Details hervor, die die Geschichte am Ende so glaubhaft machen und die ihre Leser schließlich mitreißen. Dadurch, dass an jedem Plätzchen an diesem entrückten Ort in den Wäldern ein eigenwilliges Wildtier sich die Ehre gibt, wird die Geschichte für Kinder einfach unwiderstehlich: Wer hätte nicht gerne eine kleine Kohlmeise auf der Fensterbank, eine quakende Ente auf dem Küchentisch, eine Eule auf der Schulter und den besten und liebsten Hund aller Zeiten, der sogar noch sein Leben für Clara riskiert, um sie zu beschützen? Und nicht zu vergessen, das freundliche, alte Pferd, das Clara so in ihr Herz schließt …

Neben der lebendigen Erzählweise hat Lene Kaaberbol auch einen guten dramaturgischen Aufbau für ihren ersten Band gefunden. Spannende Überleitungen, gut gelegte „Fährten“, die im Laufe der Geschichte wieder aufgenommen werden, machen das Buch durchweg abwechslungsreich. Schon der Einstieg, als Clara von dem schwarzen Kater angegriffen wird, der ihr einen ganz schönen Kratzer auf der Stirn verpasst, löst schon so viel Neugierde aus, dass Kinder hier am Ball bleiben. Neben dem gelungenen Einstieg sind es auch die kurzen Kapitel und die gerade einmal 160 – 180 Seiten der Reihe, die zu einem schnellen Leseerfolg führen. Auch Jungen werden sich von dieser Mischung angesprochen fühlen – wurde „Harry Potter“ schließlich auch nicht nur von Jungen gelesen.

Dabei will ich die Vergleiche zu der Ausnahme-Erfolgserie von Joanne K. Rowling gar nicht überstrapazieren – schafft Lene Kaaberbol doch eine ganz eigene Welt, die Welt der Wildhexen und damit ganz eigene Gesetzmäßigkeiten. In den Folgebänden (der zweite Band wird ebenfalls schon am 24.02.14 erhältlich sein) wird sich Claras Freund Oscar – so viel darf wohl schon verraten werden – mehr in die Abenteuer einmischen. Und damit wird es noch mehr zu einer Kinderbuchserie, die beide Geschlechter begeistern dürfte.

Das Konzept der neuen Reihe geht also auf – denn die spannende Welt der Wildhexen sind eine bekannte aber doch neue Mischung aus Magie und Tierwelt. Last but not Least erschafft die dänische Autorin in ihrem ersten Band bereits eine dichte, sehr eigene Atmosphäre. Ihre Ausgestaltung ist vielfältig und spannend, überfordert LeserInnen ab 11 aber nicht. Obwohl es schon ziemlich bedrohlich werden kann, schafft Kaaberbol immer einen schnellen Ausweg aus der Gefahr und findet so eine gute Balance.

Fazit:

Die „Wildhexe“ überzeugt auf ganzer Linie. Lene Kaaberbols Auftakt ist gut austariert, geschickt findet sie die richtige Balance zwischen Humor, Ernsthaftigkeit und Spannung. Zusammen mit den tollen, eigenständigen Charakteren und dem überzeugenden Spannungsbogen, hat Lene Kaaberbol eine in sich stimmige magische Welt erschaffen – voller wilder Tiere und Abenteuer – und ist für alle fantasievollen Kinder, die Tiere lieben, ein „Must-Have“.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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