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Buchcover: Didier Lévy: Angelman

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Angelman von Didier Lévy

erschienen bei Gerstenberg

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

[ab 5 Jahren]

Wer ist nur der seltsame Mr. Angel? Als Arnie den alten Mann und seinen Roboter Alfie kennen lernt, ahnt er noch nicht, dass ihnen ein sehr bedeutsames Erlebnis bevorsteht.

Eines Tages hilft Arnie dem etwas seltsamen und stillen Nachbarn Mr. Angel Einkäufe in dessen Wohnung zu tragen. Der alte Mann dankt freundlich, doch Arnie würde zu gerne einmal einen Blick in Mr. Angels Wohnung werfen und so bittet er um ein Glas Wasser. Mr. Angel sucht etwas verlegen nach einer Ausrede, doch eine Stimme aus der Wohnung mahnt nicht zu lügen. Ein kleiner Roboter auf zwei Rädern erscheint, stellt sich als Alfie vor und Arnie darf eintreten.

Im Wohnzimmer von Mr. Angel fallen Arnie vor allem Bilder, Fotos und Plakate von einem Mann mit zwei Flügeln auf. Auf seine Nachfrage, wer das ist, erhält er von Mr. Angel aber nur eine ausweichende Antwort. Als Alfie sich schließlich zu Wort meldet und Arnie noch einmal genauer hinsieht, erkennt er den Mann. Es ist Mr. Angel selber – als Superheld „Angelman“.

Und so erzählt Alfie schließlich die Geschichte vom „Angelman“, als dieser noch ein strahlender Superheld war – vor vielen, vielen Jahren – und dutzende Menschenleben gerettet hat. Seine Figur hat Kinderzimmer und Briefmarken geschmückt und natürlich gab es Comics von seinen heldenhaften Taten. Aber alles nur solange bis neue Helden auf den Plan traten: Phantoman, Flashman und andere. Es war schließlich Zeit abzutreten, denn wer wollte schon einen alternden Superhelden, dessen Muskeln erschlafft sind. So wurde aus „Angelman“ Mr. Angel.

Von nun an besucht Arnie die beiden häufiger und muss bald feststellen, dass Mr. Angel an irgendeinem bedeutenden Plan arbeitet, der schon bald in die Tat umgesetzt werden sollte. Der alte Mr. Angel will noch ein letztes Mal „Angelman“ sein. Dazu hat er eigens Düsenstiefel angefertigt und sein Kostüm enger genäht. Schon bald ist der große Tag gekommen. Ein wieder erstrahlender „Angelman“ zündet ohne große Abschiedsworte auf dem Dach der Wohnung seine Düsenstiefel und ist kurze Zeit darauf in der „Unendlichkeit des Himmels“ verschwunden.

Arnie wartet ungeduldig bis die Sonne untergeht. Voller Erwartung und beinahe sehnsüchtig sind seine Augen gen Himmel gerichtet, doch keine Spur von Mr. Angel. Und so berührt Arnies Traurigkeit auch beim Vorlesen, wenn Alfie die letzten Hoffnungen auf ein Wiederkehr begräbt: „Er wird nicht wiederkommen“...„;Angelman hat uns verlassen, Arnie. Für immer.“;

Matthieu Roussel ist es zu verdanken, dass der poetische Klang der Geschichte durch die Bilder mehr als intensiviert wird und „Angelman“ so einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die fotorealistischen Illustrationen des 3D-Künstlers sind mit Hilfe modernster Computerprogramme entstanden und so ist es nicht verwunderlich, dass seine Bilder einem modernen Filmabenteuer entnommen scheinen. Die Szenen sind detailliert ausgestattet und wirken durch das intensive Licht- und Schattenspiel äußerst stimmungsvoll. Die wechselnden Perspektiven wirken dabei nicht gestellt sondern häufig wie Momentaufnahmen, den Augenblick im richtigen Moment einfangend.

Bei aller künstlichen Anmutung schaffen die Bilder genügend Nähe, Wärme und Emotionalität. Viel Mühe hat sich Roussel mit der akribischen Texturierung der Umgebung, der Gegenstände und auch der Personen gemacht. Gerne nimmt man da in Kauf, dass die Haare, per se eine der größten Herausforderungen in der 3D-Technik, wie Knetmasse aussehen, eine Postertextur zusätzlich auch als Buchrücken herhalten muss oder sogar identische Bücher zweimal im Schrank stehen.

Bei soviel Bildgewalt muss man beinahe fürchten, dass die Geschichte etwas untergeht. Aber das geschieht nicht. Ganz ruhig und behutsam erzählt Didier Lévy von seinem alternden Superhelden. Dabei geht Lévy recht zielstrebig vor, ohne große Ausschweifungen und dennoch vermisst man nichts, alles scheint gesagt und dennoch bleiben am Ende so viele Fragen offen mit denen gerade jüngere Kinder ganz bestimmt nicht lange hinterm Berg halten. Wo ist der Angelman jetzt? Ist er gestorben? Und auch die wohl treffendste Frage dürfte dabei sein: Ist Mr. Angel jetzt im Himmel?

Doch nicht nur den Tod und den Abschied von einem nahen Menschen thematisiert Lévy. „Angelman“ handelt auch von der Freundschaft, von der Bedeutung eines Begleiters in schweren Zeiten mit tiefgreifenden Veränderungen. Die Trauer und die Wut über den Verlust von Mr. Angel weichen einem klaren, wenn auch zaghaften Lächeln in Arnies Gesicht, als Alfie am Ende zu verstehen gibt, dass sie nun für einander da sein werden. Dieses wiederum ist eine glückliche Erkenntnis. Das gemeinsam Erlebte bleibt, so erfahren wir noch, ihr besonderes Geheimnis.

Ja, irgendwie schwingt etwas Hollywood in „Angelman“ mit und dem ein oder anderen mag das Superhelden-Pathos zu phantastisch und aufgesetzt erscheinen, aber Lévy und Roussel gelingt es ausgesprochen wirkungsvoll darüber eine ehrliche Botschaft zu den Kindern zu transportieren. Und sind nicht auch Väter und Großväter für unsere Kinder manchmal der „Angelman“?

Fazit:

„Angelman“ ist ein wunderbares Buch über einen ehemaligen Superhelden, der Abschied von dieser Welt nimmt. Mit herausragenden Bildern und einer leisen einfühlsamen Erzählung erfahren wir, wie wichtig eine Freundschaft im Moment der Trauer ist, wie bedeutend es ist, jemanden nahe zu wissen, mit dem man sich vertrauensvoll Erinnerungen nähern kann und wieder festen Halt im Leben spürt.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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