Die fantastische Reise
des Dr. Dolittle

Film-Kritik von Sigrid Tinz (02.2020)/ Titelbild: © 2020 UNIVERSAL STUDIOS and PERFECT UNIVERSE INVESTMENT INC.

Tolle Tiere, tolle Bilder

Doktor Dolittle wurde erschaffen vor mehr als hundert Jahren: Der englische Schriftsteller Hugh Lofting schickte seinen Kindern aus den Schützengräben des Ersten Weltkriegs statt normaler Briefe ausgedachte Geschichten über diesen etwas anderen Arzt, der die Sprache der Tiere versteht. Daraus wurde später ein Buch, weitere Geschichten folgten, ein Musical und auch verschiedene  Verfilmungen, von einer Zeichentrickserie bis hin zu Filmen mit Eddie Murphy als Doktor. „Dr. Dolittle“ ist mit Fug und Recht das, was man als Klassiker bezeichnen kann: Jeder kennt irgendwie den Titel, aber nicht ganz genau die originale Story und jede Generation hat ihre eigene Version. Die Kinder von heute werden, wenn, dann diesen neuen Dolittle-Film als ihren kennen und sich an ihn erinnern.

Verfilmt mit großem Aufgebot

Robert Downey jr. spielt darin den etwas durchgeknallten Doktor, sehr kauzig und liebenswert. Antonio Banderas ist der exotische König, Dolittles Schwiegervater und Gegenspieler in Personalunion. Auch die Synchronsprecher haben Rang und Namen, im amerikanischen Original wie in der deutschen Fassung.  Die Tiere sind flauschig, pelzig, puschelig, niedlich, jedes nach seiner Art und aufwändig zum Leben erweckt. Jedes hat seinen eigenen Charakter – und seine eigene Macke. Der Gorilla hat eine Angststörung, der Eisbär friert die ganze Zeit, die Ente hat ein Holzbein und einen Gemüsetick, der Strauß ist chronisch streitsüchtig.

Wie Dolittle wurde, wer er ist, wird in einer kleinen Zeichentrick-Vorgeschichte erzählt: Dass er eigentlich Menschenarzt war, aber eben die Gabe hat mit den Tieren sprechen zu können und so ein hochberühmter Tierarzt wurde; wie er seine Frau Lily fand, ebenfalls Forscherin und Tierfreundin; was für ein Glück die beiden füreinander waren – und was für ein Unglück es war, als Lilys Schiff auf einer Expedition verunglückte. Danach war Dr. Dolittle nicht mehr er selbst, zog sich auf sein Anwesen zurück, das eher ein Zoo ist als ein Haus und trifft keine Menschenseele mehr. Nur um seine Tiere kümmert er sich noch.

Dolittles Tiercombo ist ein kleiner Zoo mit viele Macken

Hier startet der Film.

Eines Tages bringt ein Junge ein verletztes Eichhörnchen zu ihm – das reißt Dolittle aus seiner Trauer und depressiven Verlotterung. Wie schlecht es um ihn stand, zeigt ein kleiner Gag am Rande: Als er sich den bauchlangen verfilzten Bart abschneidet, krabbelt ein – ebenfalls verfilzt bärtiger – Mäuserich daraus hervor und beschwert sich, was denn da mit seiner Unterkunft passiert und welches Jahr man überhaupt hätte.

Neben all den psychisch kranken anderen Tieren gibt es auch noch Polly, den Papagei seiner Frau. Die Vogeldame ist die Vernünftigste von allen und für Dolittle eine resolute Ratgeberin. Sie verpasst ihm immer wieder den entscheidendes Schubs, nicht nochmal aufzugeben.

Denn es kommt noch schlimmer: Die Queen wurde vergiftet und braucht dringend Dolittles Hilfe. Nur eine exotische Frucht kann sie noch retten, die Frucht eines ganz besonderen Baumes. Den hatte seine Frau Lily versucht zu finden, auf eben jener Forschungsreise, auf der sie starb.

Verfolgungsjagd in der Karibik

Jetzt geht es los, auf große Fahrt übers Meer, John und alle Tiere kommen mit, der Junge und das Eichhörnchen auch und damit es schneller geht, schirrt Dolittle Wale ans Schiff. Die Zeit drängt, denn der böse Leibarzt der Königin ist den Freunden auf den Fersen. Um selbst als Entdecker der Frucht in die Geschichte einzugehen – und um zu verhindern, dass die Königin gesund wird.

Das ist die Story. Sie wird erzählt in  in schnellen Schritten und ausführlichen Szenen voller Action und Dialoge. Das Zusammenspiel zwischen dem Doktor und seinen Viechern ist einfach wundervoll: Wie er den Kopf ins Aquarium steckt um dem Tintenfisch zu entlocken, was wohl im Schlafgemach der Königin wirklich passiert sein könnte. Wie er seinem Strauß mit sanfter Gewalt aufnötigt, ihn auf sich reiten zu lassen, weil die Kutsche schon vollgequetscht ist mit Eisbär und Gorilla und Co. Wie er den bösen, traurigen Tiger davon abbringt ihn zu fressen, in dem er ihn mit den Lichtreflexen seiner Kamera zum Hopsen und Spielen bringt. Das bringt die Handlung zwar nicht entscheidend voran, lässt aber allen kleinen und großen Tierfans das Herz aufgehen. Die Tiere sprechen in Teenie-Slang miteinander, ein ungewöhnlicher Kontrast zum gediegenen viktorianischen Ambiente. Knackige Gags lassen auch die Kleinsten lachen, bei den durchaus handfesten Kämpfen fiebern besonders die Älteren mit.

Auf das Gute kommt es an

Die abenteuerliche Action spitzt sich zu, der Wettlauf mit den intriganten Bösewichtern bei Hofe genauso und auch Lilys Vater, dessen Inselreich die bunte Truppe ansteuert, hat mit seinem Schwiegersohn Dolittle noch eine Rechnung offen, gibt er ihm doch die Schuld am Tod seiner Tochter.

So traurig der ein oder andere Handlungsstrang ist, das Schicksal steht auf der Seite der Guten und am Ende wendet es sich immer zu Gunsten des allen so freundlich zugewandten Doktors. Auch den bösen Drachen besänftigt er mit seiner gütigen und zupackenden Art. Für all seine psychisch angeschlagenen tierischen Freunde bringt die Reise viel, wachsen sie doch alle nach und nach über ihre Macken hinaus, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

Seine geliebte Lily bekommt John Dolittle nicht zurück. Aber am Ende söhnt er sich damit aus und widmet sich wieder seiner Lebensaufgabe, so wie Lily es gewollt hätte: Dr. Dolittle zu sein, ein begnadeter, besonderer Arzt, der mit Tieren spricht und auch Menschen heilen kann wie kein anderer.

Fazit:

Die ohnehin schräge Originalgeschichte um den menschen- und tierfreundlichen, aber etwas durchgeknallten Doktor ist in dieser bildgewaltigen Neuauflage noch sehr viel schräger. Aber absolut familienfreundlich, voller Abenteuer, Action und Gags, aber auch voller Güte und Gutmenschlichkeit in ihrem besten Sinne. Kein Film, den man unbedingt gesehen haben muss, aber wer ihn gesehen hat, wird mit einem Lächeln im Gesicht das Kino verlassen.

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