06.2015 Interview mit Gabriella Engelmann

Das Kindliche in mir muss scheinbar raus.

Kinderbuch-Couch:
Liebe Frau Engelmann, Sie schreiben sehr erfolgreich Bücher für Erwachsene, JOLANDA AHOI! ist Ihr erstes Kinderbuch. Was macht für Sie die Faszination aus, genau für diese Sparte zu schreiben?

Gabriella Engelmann:
Da ich früher für einen Kinderbuchverlag gearbeitet habe, war es immer schon mein Traum, einmal meine Texte illustriert zu sehen. Mit JOLANDA ergab sich eine wundervolle Chance dafür. Ich bin sehr froh, dass der Magellan-Verlag Antje David ausgesucht hat, denn sie hat einen tollen Humor, einen frechen Stil und Sinn für liebevolle Details. Außerdem macht es mir große Freude, für noch jüngere Leser zu schreiben als für die 12-jährigen, die meine Jugendbücher lesen. Dieses Kindliche scheint immer noch in mir vorhanden zu sein und muss nun scheinbar "raus" ;-)

Kinderbuch-Couch:
Wie kamen Sie auf die Idee für JOLANDA?

Gabriella Engelmann:
Da ich am Kanal wohne und auf ein tomatenrotes Bootshaus mit weißen Fensterläden schaue, dachte ich, dies könnte ein toller Ort für eine Abenteuergeschichte sein. Deshalb habe ich die bayerische Familie Moosbach und Jolanda an einen solchen Ort geschickt, Allerdings fand ich dann ein so marodes Hausboot, wie es die Tomate Mozzarella zu Anfang ist, NOCH spannender als ein Bootshaus. Da ich selbst als Kind von München nach Hamburg umgezogen bin, lag mir die Geschichte eines Kindes, das unvermittelt in eine neue Umgebung und damit in ein neues Leben geworfen wird, sehr am Herzen. Dass ein Waschbär namens Gängsta als bester Freund dazu kommt, liegt an der Tatsache, dass ich diese Tierchen unglaublich putzig, frech und quirlig finde. Wenn ich könnte, hätte ich auch gern einen echten Gängsta, und nicht nur die Plüschversion, mit der ich auf Lesungen unterwegs bin.

Kinderbuch-Couch:
Nach dem Lesen dieses Buches ist man ja gespannt, wie es mit Jolanda und ihrer Familie weitergehen wird. Wann wird die Fortsetzung erscheinen?

Gabriella Engelmann:
Band zwei erscheint im Juli, Band drei im Januar 2016. Im nächsten Buch stehen Gängsta und seine Waschbärkumpels im Vordergrund. Die werden nämlich ins Tierheim gebracht, da sie als "Plagegeister" gelten. Doch Jolanda wäre nicht Jolanda, wenn sie dabei tatenlos zusehen würde. Zur Seite stehen ihr Omalona, die Freundinnen Polly und Rosalie, aber auch Julian, der Junge vom Nachbarhausboot. Diesmal wird es trubelig und spannend, denn es gibt auch noch ein Geheimnis an Bord der Tomate Mozzarella zu lüften ...

Kinderbuch-Couch:
Könnten Sie sich vorstellen, mal etwas ganz anderes zuschreiben? Vielleicht einen Krimi?

Gabriella Engelmann:
Da ich bereits für drei verschiedene Altersklassen schreibe, bleiben im Prinzip nur noch die Erstleser, oder das Genre Bilderbuch. Letzteres würde mich wieder wegen der Illustrationen sehr, sehr reizen. Ein bisschen "kriminell", bzw. thrillerig wird es in der Tat bei meinem neuen All Age-Jugendbuch STURMGEFLÜSTER, das Mitte Juni im Arena -Verlag erscheint. Darin geht es um eine geheimnisvolle Kite-Surfer-Clique auf Sylt, um Ferienliebe und eine dunkle Vergangenheit, die meine Hauptfigur Tinka unwissentlich heraufbeschwört und dadurch in Gefahr gerät. Diese Art des Schreibens war in der Tat ziemliches Neuland für mich, auch wenn es in KÜSS DEN WOLF, meinem modernen Märchen, ebenfalls ein bisschen in diese Richtung ging. Dennoch bleibe ich bei all meinen Büchern der Liebe zur Romantik "treu".

Kinderbuch-Couch:
Wie lange schreiben Sie an einem Buch? Von der Ideen-Sammlung, bis zum letzten Satz? Schreiben Sie lieber einfach drauflos oder lieber mit Plan?

Gabriella Engelmann:
Es kommt darauf an, wie viele Seiten das Buch hat und wie viel ich recherchieren muss. Für einen Roman mit ca. 400 Seiten benötige ich - ohne Recherchezeit - alles in allem ca. 10 Monate. Für ein Jugendbuch ca. 4, für ein Kinderbuch ungefähr zwei Monate. On top kommen Recherche, Promotion und Lesetermine und alles, was sonst noch zu meinem Job gehört. Und das ist mittlerweile eine ganze Menge...

Als erstes entsteht das Exposé, also die Grundidee zur Geschichte, damit der Verlag und ich in etwa wissen, worum es geht. Da ich leider eine absolute "Bauchschreiberin" bin, kann es im Verlauf des Schreibens allerdings passieren, dass ich von meinem ursprünglichen Kurs abweiche, weil ich bessere Ideen habe oder mir plötzlich neue Figuren einfallen, die den Verlauf der ursprünglichen Geschichte beeinflussen. Das wissen meine Verlage aber zum Glück und tragen es mit Fassung ;-)

Kinderbuch-Couch:
Haben Sie bestimmt Schreibrituale? Oder bestimmte Schreibmomente? Bestimmte Schreiborte?

Gabriella Engelmann:
Exposés schreibe ich gern per Hand in Cafés, am liebsten an Orten, an denen später die Bücher spielen. Das Schreiben selbst erfolgt allerdings - wenig spektakulär- an meinem Hamburger Schreibtisch. Da ich lange im Buchhandel und Verlag gearbeitet habe, bin ich an die üblichen Bürozeiten gewöhnt und habe mir die weitestgehend beibehalten. Die Abende müssen frei bleiben, sonst tanzen die Buchfiguren nachts auf der Bettdecke herum ;-)

Kinderbuch-Couch:
Wie sieht Ihr perfekter Schreibtag aus bzw. wann schreiben Sie meistens?

Gabriella Engelmann:
Am effektivsten bin ich früh morgens, wenn mein Kopf noch richtig schön "leer" ist und ich mich gut konzentrieren kann. Während ich den zweiten Milchkaffee des Tages trinke, lese ich erst einmal Korrektur dessen, was ich am Vortag geschrieben habe. Erst wenn ich alles zu meiner Zufriedenheit umgearbeitet habe, lege ich "los". Dabei ist absolute Ruhe Pflicht, daher arbeite ich ab und zu auch gern sonntags. Da will keiner was von mir und ich kann so richtig schön in meinen Buchwelten versinken.

Kinderbuch-Couch:
Haben Sie viele Autorenfreunde?

Gabriella Engelmann:
Wenige, dafür aber sehr gute. Gerade in so einer Branche ist es wichtig, dass man sich gegenseitig vertrauen und auch mal um Hilfe bitten kann. Ich finde es überhaupt wichtig, sich zu vernetzen und helfe deshalb auch umgekehrt gern weiter, wenn ich kann.

Kinderbuch-Couch:
Was liest denn eine Schriftstellerin so? Gibt es gerade ein besonderes Buch, was Sie mitgerissen hat? Oder einen bestimmen Klassiker, den Sie einem ans Herz legen könnten?

Gabriella Engelmann:
Meine Lieblingsbücher der letzten Jahre:

  • "Der Geschmack von Apfelkernen" von Katharina Hagena
  • "Sommer in Sepia" von Marie Velden
  • "Das Lavendelzimmer" von Nina George
  • Aktuell: "Altes Land von Dörte Hansen

Generell lese ich das Genre "Querbeet", wie ich es gerne nenne. Das beinhaltet Kunstbiografien, Kinderbücher, Sachbücher - und häufig auch Titel von lieben Kollegen. Dann habe ich aber auch mal wieder Phasen, in denen es zeitlich leider nur für Magazine reicht. Generell ist ein Leben ohne Lesen und Bücher für mich unvorstellbar!

Kinderbuch-Couch:
Was mögen Sie besonders gern, kurz und knapp:

Gabriella Engelmann:

  • Salami oder Eis? Schokoladeneis. Und Chips!
  • Ballett oder Rockkonzert: Ballett. Zuschauen und selbst tanzen, bzw. es zumindest versuchen ;-)
  • Buch oder E-Book: Immer noch das echte Buch, das ich in der Hand halten, riechen, fühlen und frontal ins Regal stellen kann, wenn das Cover besonders hübsch ist.
  • Rot oder Blau: Blau weil es die Farbe des Meeres ist.

Kinderbuch-Couch:
Frau Engelmann, vielen Dank für dieses Interview und viel Glück für Ihre zukünftigen Projekte!

Gabriella Engelmann:
Ich bedanke mich für diese Chance und die schönen Fragen. Hat Spaß gemacht, sie zu beantworten.

Das Interview führte Andrea Delumeau im Mai 2015.

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