Inhalt überspringen

Buchcover: Katja Riemann: Kinderbuch-Trilogie

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Kinderbuch-Trilogie von Katja Riemann

erschienen bei Beste Zeiten

geeignet für Kinder im Alter ab 6 Jahren

Drei fantastische Geschichten für jung gebliebene Große und träumerische, kleine Leser, die beim ersten Lesen nicht ganz einfach zu verstehen sind. Geschichten, die viele Rätsel aufgeben, aber auch viele Lösungsmöglichkeiten bieten. Geschichten die erzählen, wie ein kleines Mädchen sich von ihrer Mutter löst und langsam erwachsen wird. Um das zu erkennen, sollte man auf jeden Fall alle drei Bücher der Trilogie gelesen haben.

Von Sonne, Mond und Engeln handeln die drei Bücher (Trilogie) der Kinderbuchautorin Katja Riemann. Die Protagonistin in allen drei Büchern ist das Mädchen Lila (Ähnlichkeiten mit der Tochter Paula von Katja Riemann sind nicht ausgeschlossen), das abenteuerliche Reisen in die Phantasie unternimmt:

1. Inhalt – Der Name der Sonne

Als das Mädchen Lila eines Morgens vor die Tür tritt, ist die Sonne verschwunden. Gemeinsam mit ihrer Mutter, die über „einen direkten, himmlischen Draht“ verfügt, gelingt es Lila, heraus zu bekommen, warum die Sonne nicht mehr scheint. Der Sonne ist aufgefallen, dass sie ja eigentlich gar keinen Namen hat. Lila wird ganz krank vor Sorge um die Sonne und weil ihr kein passender Name einfällt. Dann plötzlich weiß sie es: sie schenkt der Sonne einfach ihren eigenen Namen! Jetzt muss sie es der Sonne nur noch sagen und am nächsten Morgen scheint die Sonne Lila vom Himmel.

2. Inhalt – Der Chor der Engel

Das kleine Mädchen Lila erinnert sich nie an ihre Träume, schon gar nicht, wenn ihre Mutter sie jeden Morgen danach fragt. Eines Nachts jedoch träumt sie, ihr seien Flügel gewachsen und sie könnte fliegen. Lila kann das kaum glauben, doch in der folgenden Nacht träumt sie ihren Traum weiter. Sie fliegt durch die Wolken zu einer großen Stadt mit einem Brunnen. Leider wird sie von ihrer Mutter geweckt, aber trotzdem kann sie am folgenden Abend ihren Traum weiterträumen: sie kehrt in die Stadt zurück und hört einer Engelchorprobe im Himmel zu. So träumt sie sich immer in den Himmel zurück und lernt die Engel näher kennen, vor allem der Soloengel „Labsal“ hat es ihr angetan. Eines Tages ist sie nicht länger nur Zuhörerin, sondern wird vom Oberengel Otto angesprochen, die Solopartie von Labsal zu übernehmen, da diese leider erkrankt ist. Und weil Lilas Traum ein gutes Ende nehmen soll, übernimmt sie gern den Sologesang von Labsal. Nach drei Tagen ist es soweit: das Konzert, der große Auftritt. Natürlich wünscht sich Lila, ihre Mutter wäre dabei und weil es ihr Traum ist, wird er auch wahr.

3. Inhalt – Die Einsamkeit des Mondes

„Guter Mond, Du gehst so stille“ heißt das Lied, das Lilas Mutter ihr eines Abends vorsingt. Lila macht dem guten alten Mond kurz vor dem Einschlafen noch ein Kompliment und so kommen sie ins Gespräch, denn Lila wollte schon immer erfahren, ob es den „Mann im Mond“ tatsächlich gibt. Am nächsten Morgen findet sie eine merkwürdige Kugel auf ihrer Fensterbank. Plötzlich strahlt die Kugel in einem violetten Licht und so lernt Lila den „Mann im Mond“ kennen, der in Wirklichkeit ein Junge ist. Durch die Kraft ihrer Gedanken nimmt sie wieder Kontakt zum Mondjungen auf und lernt in „Gedankengesprächen“ Antoine, den Mondjungen, näher kennen. Eines Nachts, Lila hatte gerade ihren Geburtstag gefeiert, erhält sie durch ein Lichtwesen eine geheimnisvolle Nachricht: eine Einladung – wie sich später herausstellt. Zwei Dinge braucht sie für die bevorstehende Reise: Ihren Amethyst (das Geburtstagsgeschenk ihrer Mutter) und eine warme Mütze. Abgeholt wird sie von fünf geheimnisvollen Gefährten, die ein Netz spinnen, um sie in den Himmel zum Mond zu bringen. Hier trifft sie auf ihre Freunde: die Sonne, Oberengel Otto, ihre Freundin Labsal, den Chor und den Mondjungen und alle zusammen feiern eine tolle Geburtstagsparty von der am nächsten Tag sogar etwas in der Zeitung steht.

Hält man die Trilogie der Autorin Katja Riemann das erste Mal in den Händen, fällt dem Leser die schöne, hochwertige Aufmachung der drei Bände sofort ins Auge. Der Leinenrücken und der Einband sowie die Überschriften sind farblich perfekt aufeinander abgestimmt. Auch die jeweiligen Illustrationen scheinen mit den Grundfarben, gelb, weinrot und blau-violett, perfekt zu korrespondieren, sodass ein perfektes einheitliches Bild der Trilogie entsteht. Die Illustrationen, ausgeführt in Kreidetechnik, sind insgesamt sehr farbig und stimmig, bilden den Inhalt ab, aber enthalten auch viele nebensächliche Details, die ablenken und sogar verwirren. Auf mich persönlich wirkt die Bilderwelt etwas zu kitschig. Jedes der drei Bücher enthält im Einband eine Widmung: die Sonne ist den Kindern gewidmet, der Chor der Engel den Müttern und der Mond den Freunden. Jeweils 28 Seiten Inhalt, davon je 12 ganzseitige Illustrationen von Susanne Riemann, Katja Riemanns Schwester.

Dass es sich um eine perfekt abgestimmte Trilogie handelt, lässt sich sowohl an den Illustrationen erkennen, als auch an den angepassten Inhalten. Es werden bewusst in allen drei Bücher Details eingesetzt, die den Wiedererkennungs- bzw. Erinnerungswert steigern sollen. So z.B. die vermenschlichte Katze, das dritte Familienmitglied, die Lila bei allen Aktionen begleitet, aber inhaltlich keine Rolle spielt, so wie die kleinen Affen, die in den Illustrationen immer wieder auftauchen. Auch die verschiedenen Haushaltsgegenstände, die die Mutter von Lila (die Katja Riemann verblüffend ähnelt!) auf jedem Bild als Haarspangenersatz trägt, sind für die Geschichten nicht relevant. In jedem Buch taucht eine Verknüpfung zu einem der anderen Bücher der Trilogie auf, die meiner Meinung nach aber an der Stelle nur verwirrt und überflüssig ist. Ebenso wiederholt sich eine ähnliche gestaltete Metapher, wenn es um die Erklärung geht, wie sich etwas anhört (das Lied der Mutter am Telefon, Lilas eigene Stimme, als sie mit Otto spricht).

Die Ideen zu den drei Büchern sind im wahrsten Sinne des Wortes phantastisch und sicherlich neu. Die inhaltliche Umsetzung ist eine grandiose Reise in die Fantasie, die den Leser auch mal vom Weg abkommen lässt. Sie wirft aber meiner Meinung nach zu viele Fragen auf. Auch nach mehrmaligem Lesen bin ich zwischendurch immer wieder „hängen“ geblieben und zum Ende fehlte mir immer etwas: Die Geschichte hinter der Geschichte. Für Kinder ab 4 Jahren sind die Bücher meiner Meinung nach nicht geeignet. Nicht nur wegen des Verständnisses, sondern auch wegen sprachlicher und inhaltlicher Stolpersteine, die die Geschichte langatmig scheinen lassen.

1.Der Name der Sonne

Die wertvolle Aufmachung der Trilogie weckt beim Leser eine hohe Erwartungshaltung. Im ersten Buch ist der eigentliche Inhalt in drei Worten zusammengefasst und das Ende der Geschichte ist scheinbar so simpel. Inhalt sowie Illustrationen werfen beim weiteren Lesen jede Menge Fragen auf. Die ersten Fragen stellt sich gleich im ersten Satz: Warum wurde nicht bereits beim Licht anmachen bemerkt, dass es dunkel ist? Und wo ist das Gras morgens direkt nach dem Frühstück warm und trocken?

Die Illustrationen von Susanne Riemann enthalten zum Teil Details, deren Zusammenhang mit dem Inhalt nie geklärt wird: Erdbeeren auf dem Dachboden, die Affen, warum fliegt die Mutter plötzlich? Warum hat Lila plötzlich lila Haare? Warum hat die Mutter immer Haushaltsgegenstände im Haar? Schwierig zu verstehen ist die bildhafte Erklärung für die veränderte Stimme der Mutter: Wie reden Leute im Meer? Und wie klingt es, wenn die Sonne bei jemandem ins Gesicht scheint? Zu phantastisch finde ich persönlich den „direkten Draht“ zu Gott. Die Protagonistin ist bereits ein Schulkind und wird über die Zusammenhänge bereits aufgeklärt sein. Heute interessieren sich bereits die Vierjährigen für die Entstehung der Erde, den Weltraum und bei einer offenen, realitätsbezogenen Erziehung ist es bei aller Fantasie schwer zu erklären, wieso die Sonne für Gott arbeitet und diese jetzt krank im Bett liegt.

Versteht man den Gesamtzusammenhang wird als Fazit für Band 1 der Trilogie klar: Die Mutter spielte hier am Anfang die dominante Rolle, sie hat den Weg für ihre Tochter bereitet, die zum Ende des Buches den ersten Schritt in die Selbständigkeit gegangen ist und der Welt die Sonne zurückgegeben hat. Für die Mutter wird es immer nur die Lila Sonne geben, so wie es für jede Mutter ihre eigene Sonne gibt.

2. Der Chor der Engel

Wer träumt nicht davon, einen besonders schönen oder spannenden Traum in Fortsetzung zu träumen oder gar inhaltlich beeinflussen zu können? Ein schöner Traum! In Band 2 der Trilogie gelingt dies dem Mädchen Lila jedenfalls gleich in Serie. Und sie kann im Traum fliegen, ihr wachsen nämlich Flügel und sie fliegt in den Himmel. Liest man die Geschichte als solche zum ersten Mal, mag sie dem Leser kitschig erscheinen, vor allem auch durch die grell bunten Illustrationen von Susanne Riemann.

Wie auch in Band 1 habe ich den Sprachgebrauch, trotz Umgangssprache, und Sprachfluss, trotz der Dialoge, als holperig empfunden („;Lila dachte einen Gedanken“;). Zuviel Inhalt lenkt stets ab. Es wurden wieder einige Fragen aufgeworfen: Wie jemand spricht, der in einer Muschel sitzt? Und was ist Himmlischer?

Die Illustrationen bieten ebenso viel Gesprächsstoff: Warum gähnt oder lacht Lila auf dem ersten Bild? Warum läuft sie, wenn sie doch fliegen kann? Warum fliegt sie über das Portal, wo sie doch hindurch schweben könnte? Warum hat der Oberengel grüne Haare? Ist der Springbrunnen ein goldenes Ei oder die Sonne? (die Fragen kamen von 4+ 5 Jahre alten Kindern!). Auch hier sind die bunten Illustrationen teilweise Detailüberladen, etwas kitschig durch die farbenfrohe Farbauswahl und scheinen verzerrt, wenn z.B. Emotionen in den Gesichtern ausgedrückt werden sollen. Ansonsten wirken die Abbildungen der Charaktere fast wie Fotographien. Als störend/verwirrend und überflüssig habe ich den Hinweis auf Band 1 der Trilogie empfunden.

Wiederum im Gesamtzusammenhang betrachtet, ist das „Flügel wachsen und fliegen“ vielleicht nur ein weiteres Synonym für das Erwachsenwerden. Lila geht in diesem Buch tatsächlich ihren eigenen Weg, sie erzählt der Mutter nichts von dem, was sie erlebt, sorry: träumt! Erst ganz zum Schluss – bei ihrem Auftritt als erfolgreiche Solo-Engelchor-Sängerin – möchte sie natürlich auch ihre Mutter dabei haben.

3. Die Einsamkeit des Mondes

Bereits in den ersten beiden Bänden wird die Phantasie des Leser/Vorlesers im Höchstmaße gefordert, so auch in der Geschichte von Mann im Mond, der eigentlich ein Junge im Mond ist und auch noch Antoine heißt. Da gibt es einen Parfumherstellenden Mond, der Gedanken lesen kann und nach „Sternschuppenmilch mit Vanille und kühlem Ostwind und einem Hauch Sonnenaufgang“ riecht, einen Mondjungen, der aus der Kugel kommt, ein Lichtwesen, das Scheiben durchbricht und seltsame Gefährten, die ein Spinnennetz weben, um Lila zu Mond zu bringen. Hier feiern dann alle Freunde ein Fest – ohne Lilas Mutter.

Wiederkehrende Details z.B. die Gegenstände in den Haaren der Mutter, Lilas Zimmer usw. stellen den Zusammenhang zu den anderen Büchern her und haben einen hohen Erinnerungswert. Lyrische Aspekte wie „heulende Wölfe“ und „Kristalle, die wie Kartoffeln wachsen“ und „Regenbogenlicht, das man trinken kann und von dem man strahlt“ sind nicht immer verständlich.

Zum Ende des Buches und damit zum Ende der Trilogie von Katja Riemann wird dann klar: Lila hat geschafft, eine wichtige Frage in ihrem Leben selbst zu lösen und sich ganz allein auf den Weg gemacht. Sie hat neue „Gefährten“, Freunde, gefunden, die sie in „ihrem Sicherungsnetz“ auffangen. Sie hat sich äußerlich von der Mutter gelöst, trägt sie aber nach wie vor in Form des Amethysts „Folge Deiner inneren Stimme“ bei sich am Herzen.

Als erwachsener Leser versucht man den Sinn hinter den Geschichten zu erkennen, eine Intention des Autors. Wer ist eigentlich die Sonne? Die Mutter oder das Kind? Steht der Chor der Engel für alle Kinder? Und wer ist der Mann im Mond wirklich – der einsame Vater hinter der allein erziehenden Mutter? Wer sind die Gefährten? Erst bei der näheren Auseinandersetzung mit den Inhalten insgesamt lernt man zu verstehen, das es wohl um den Loslösungsprozess der kleinen Lila gehen könnte. Um das Erwachsen werden und die Welt für sich entdecken. Natürlich müssen Intention und die fast tatsächlichen Inhalte auch wahrgenommen und vom Vorleser wie Leser verstanden werden, sonst wirken die Geschichten schnell bizarr und man verliert eventuell die Lust weiter zu lesen. Größere Leser, die gerne und viel lesen und auch schon erste Erfahrungen mit „anspruchsvoller Kost“ gemacht haben, werden mit diesen Büchern gut zurechtkommen und ihren Horizont erweitern, denn nichts bereichert unser leben mehr als die Fantasie!

Von dem Erfolg der bekannten Schauspielerin und Sängerin und nun auch Kinderbuchautorin, Katja Riemann, partizipieren die Schwester als Illustratorin und auch die Tochter Paula, die als Lila die ebenfalls erhältlichen Hörbücher besprochen hat.

Fazit:

Eine abstrakte und sehr phantastische Geschichte, die nicht bloß von Sonne, Mond und Engeln erzählt, sondern von Mutterliebe, Trennung und Freundschaft und so versucht, das alltägliche Geschehen mit kindlichem Verständnis und sehr viel Fantasie zu erklären. Nicht ganz einfache Kinderbücher, die nicht nur an die jungen Leser hohe Ansprüche stellt, aber dafür mit fantasiereichem Inhalt belohnt.

Rufina Wieners

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Miriam Werner meint:
Ähem...ich bin eine fast 40 jährige Leserin und habe ehrich gesagt NULL UND NIX hineininterpretiert, sondern eine wunderschöne, kreative und phantastische Geschichte gelesen.

Die obige Rezi erscheint mir etwas pseudo-elitär.

Inhalte von www.kinderbuch-couch.de:

über die Kinderbuch-Couch:

Machen Sie es sich auch auf unseren anderen Online-Angeboten der Literatur-Couch gemütlich:

  • Krimi-Couch.de
  • Phantastik-Couch.de
  • Histo-Couch.de
  • Belletristik-Couch.de
  • Jugendbuch-Couch.de
  • Kochbuch-Couch.de
Kinderbuch-Couch.de ist ein Projekt der Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.
Copyright © 2004–2018 Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.