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Buchcover: Marie-Therese Schins: Eine Kiste für Opa

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Eine Kiste für Opa von Marie-Therese Schins

erschienen bei Aufbau-Verlag

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

Kinderbuch des Monats [06.2008]. Der Tod ist ein Thema, das in unserer Gesellschaft meist verdrängt wird. Anders in Ghana: „Eine Kiste für Opa“ erzählt leicht aber tiefsinnig von dem Enkel Kofi und seinem Opa Mensah, der bald seine letzte, geheimnisvolle Reise antreten wird …

Opa Mensah bereitet sich auf seine letzte grosse Reise vor, indem er sich daran macht, eine Kiste – also seinen Sarg – auszusuchen. Dabei soll ihm sein Enkel Kofi helfen. Die Oma hat ihre Kiste schon im Hof stehen: Ihre Kiste sieht aus wie ein Huhn. Kofi und Opa sehen sich daraufhin mehrere Varianten beim Tischler Paa Joe an. Trotz des mulmigen Gefühls, das sich in Kofis Bauch breit macht, lässt er bald seiner kindlichen Fantasie über Form und Aussage der Kiste freien Lauf. Jedoch ist Opa sehr wählerisch. Eine Colaflasche kommt für Opa als Biertrinker nicht in Frage, ebenso ein Bus oder ein Schuh. Opa braucht eine Verschnaufpause am Meer, ein Ort an dem sich der alte Fischer besonders heimisch fühlt. Dabei denken Grossvater und Enkel weiter darüber nach, welches „Gefährt“ Opa Mensah am besten in den Himmel befördern kann. Doch Mensah konstatiert, dass eine Kiste in Form eines Bootes genauso fehl am Platz wäre wie ein Krebs, der ihn doch immer wieder bei der Arbeit gezwickt hat. Als Gemüse verpackt will Opa auch nicht reisen, Elefanten sind ihm zu langsam und so stark wie ein Löwe will er auch nicht mehr sein …Doch dann fällt es ihm ein: Obwohl Opa noch nie geflogen ist, findet er ein Fluggerät für sich genau richtig. Sie entscheiden sich schließlich gemeinsam für eine sonnengelbe Rakete und verabreden, dass sie sich vor Opa Mensahs Tod dort gemeinsam hineinlegen und sich ihren Gedanken hingeben wollen, über das was war und das was vielleicht kommen wird.

Marie-Therese Schins erzählt mit „Eine Kiste für Opa“ eine andere, berührende Geschichte über Trauer und Abschied. Transportiert durch die ausdrucksstarken und fröhlichen Illustrationen von Birte Müller, wirft es zunächst die nicht ganz neue Frage auf, warum der Tod in unserem Kulturkreis immer so „Schwarz“ sein muss.

Birte Müllers gestaltete Illustrationen, die nie mit Bedeutungen überfrachtet sind, ergänzen den Text auf ganz besondere Weise. Sie begleiten die lebensfrohe Geschichte mit kräftigen und warmen Farben. Die Hauptfiguren, Kofi und sein Opa, wirken wie dunkle Stempelbilder mit grossen Kulleraugen und stets wechselnden fröhlich gemusterten kurzen Hosen. Trotz ihrer schlichten Darstellung haben sie einen starken Ausdruck. Ihre Mundstellung (dargestellt nur durch eine rote Linie) und Körperhaltung drücken ihre jeweiligen Gefühle aus. Die Hintergründe und die darauf abgestimmte Umrahmung verleihen den Bildern eine wohltuende Ruhe. Im Vordergrund stehen ganz klar die bunt bemalten und lustig gestalteten Kisten für Opa.

Die präzise und für Kinder nachvollziehbar formulierten Gedanken und Gespräche zwischen Kofi und seinem Opa machen das Buch leicht zugänglich. Der dialogreiche, einfache Text erleichtert auch kleinen Kindern den Zugang zu diesem emotional schweren Thema.

In den meisten Bilderbüchern ist der Opa schon zu Beginn der Erzählung gestorben, und es geht „nur“ noch um die Trauerarbeit. Da hier der Opa schon rechtzeitig seinen geliebten Enkel mit in die Vorbereitungen einbezieht, findet Kofi in diesem Ritual Zuversicht und Wärme. Es bietet dem Jungen von Anfang an eine Hilfestellung für die Zeit, da er seinen Opa vermissen wird.

Die Autorin und Mitbegründerin des ITA / Institut für Trauerarbeit stellt dieses ghanaische Ritual als ein gutes Beispeil für die gemeinsame, positive Vorbereitung auf den Tod vor. In Ghana ist es üblich, schon zu Lebzeiten sich für einen Sarg zu entscheiden und bauen zu lassen, um ihn im Hinterhof zu lagern. Wie im Buch beschrieben, gibt es da die ausgefallendsten Modelle.

Die Wahl der richtigen Holz-Kiste ist zwar nicht einfach, denn immer wieder werden Großvater und Enkel von wechselnden Stimmungen zwischen Trauer, Melancholie und Zutrauen beeinflusst. Zu guter letzt entscheiden sie sich für das ausgefallene Modell der gelben Rakete, einem Modell mit Symbol- Charakter, denn „Akwaaba“, der Name der Rakete, heisst in unserer Sprache etwa „Herzlich Willkommen“.

Fazit:

„Eine Kiste für Opa“ ist ein berührendes und gleichzeitig tröstliches Buch, das von der aktiven Vorbereitung auf den Tod, als einen natürlichen Teil des Lebens, erzählt. Wunderbar transportiert durch die ausdrucksstarken und farbenfrohenn Illustrationen, zeigt die kleine ghanaische Geschichte einen Weg, der Kindern die spätere Trauerarbeit erleichtern kann.

Sylke Wilmer-Gruchmann

 

Meinungen zu diesem Buch

[Leser-Kommentare überspringen]

Barbara Cramer meint:
Ich schreibe eine Rezension zu dem Buch. Mit kommt eine Frage: Ich meine, gelesen zu haben , dass Birte Müller in einem workshop Kinder hat Särge basteln lassen und so den Kindern das Ritual aus Ghana nahe brachte?
Ich würde mich übr eine Antowrt freuen!
Viele Grüße Barbara Cramer
Chris meint:
Als ich den Einband sah, fühlte ich mich an ein vor Jahren in London erstandenes Buch erinnert:Peter Adler/Nicholas Barnard, Asafo
African Flags of the Fante
Und siehe da, Sie waren in Ghana !
Schön!
Schins, Marie-Thérèse meint:
O je, da hat sich ein dummer Fehler eingeschlichen, sorry!
Birte Müller sollte sich natürlich NICHT durch meinen Text eingeschränkt fühlen, ganz im Gegenteil!!!
Auch bei unserem ersten buch 'Zuckerguss für Isabel' (Peter Hammer Verlag) haben wir uns immer gegenseitig gestützt. Es war die perfekte Zusammenarbeit, die man sich als Autorin nur wünschen kann. Und so war es auch bei 'Eine Kiste für Opa'! Herzlich,
Marie-Thérèse Schins, Autorin
Schins, Marie-Therese meint:
Liebe Silke Wilmer-Gruchmann,

Ihre Rezension hat mich richtig glücklich gemacht und sie ist eine der schönsten und fundiertesten Reaktionen, die ich bislang zu 'Eine Kiste für Opa' gelesen habe. 1001 Danke dafür! Sie haben es genau verstanden, woran Birte Müller und ich seit mehr als 1 Jahr gemeinsam gearbeitet haben. Für ein anderes Buch besuchte ich das Tropenmuseum in meiner Heimat in Amsterdami. Dort wurde die Idee für dieses Bilderbuch geboren. Ich war vorher schon mal in Ghana und wenn ich in Amsterdam bin, fahre ich dorthin, wo ich gerne bin, eben in dieses Museum. Birte Müller und ich reisten zusammen nach Ghana, weil wir vor Ort mit Paa Joe reden wollten und mit Familien, die solche Särge kaufen möchten für ihre letzte Reise.
Den Text habe ich glaube ich mindestens 12 x neu geschrieben und sehr eng mit Birte hier in Hamburg zusammen gearbeitet. Ich wollte aber, dass sie sich durch meinen Text eingeschränkt fühlt. Es ist unser schönstes Buch geworden! Bald erscheint bei Terre des Hommes ein kleines Buch über Gloria, die ein unglaubliches Schicksal hatte. Birte und ich lernten Gloria während dieser Ghana-Reise kennen und sie bot mir sofort an, die Illustraionen zu dem Gloriabuch zu machen. Es ist eines unserer liebsten Bücher geworden., Auch, weil es Gloria jetzt gut geht, dort, wo sie ist, im Kinderparadise.
Ganz herzliche Grüße aus Hamburg-Blankenese, winkend und dankend,
Marie-Thérèse Schins, Autorin
www.marie-therese-schins.de

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