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Idee

Ein schöner Spannungsbogen, die direkte Ansprache, mit der Kirsten Boie auch so manches historische Detail erklärt, und die wunderbaren Charaktere machen es zu einem absoluten Muss für alle Freunde von „Der kleine Ritter Trenk“.

Bilder

Die Illustrationen von Barbara Scholz überzeugen durch die besondere Atmosphäre, in Aquarelltechnik. Mit sicherer Hand erschafft sie tosende Meere, düstere Wolkenberge und würzt dies mit jeder Menge liebenswerter Details.

Text

Wortwahl und Sprachgebrauch sind kindgerecht auf das „raue Seefahrerleben“ zugeschnitten. Witzig, fantasievoll, dicht und jederzeit auf Augenhöhe; stellenweise aber zu lange und verschachtelte Sätze für Zuhörer ab 6 Jahren.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Sep 2009

Kinderbuch des Monats [09.2009]. Käptn Klaas uns seine Männer auf der "Wüsten Walli" entdecken nach einem heftigen Sturm querab Backbord einen kleinen Waschzuber. Und weil Piraten immer irgendwo einen Schatz vermuten, bergen sie die hölzerne "Waschbalje". Darin sind aber keine Golddukaten versteckt. Nein, ein putzmunteres Baby liegt darin und es lacht die Seebären auf ganz und gar entwaffnende Weise an ...

... da wird es Käptn Klaas, Haken-Fiete, Nadel-Mattes und Co. ganz warm ums Herz. Sie taufen das Baby auf den Namen "Moses" müssen aber schon im nächsten Moment feststellen, dass der kleine Racker eine kleine Dame ist. Doch da haben sich die Männer auf der "Wüsten Walli" schon längst in den kleinen Wonneproppen verguckt und fortan lebt Moses mit ihnen an Bord das wilde Seeräuberleben. Liebevoll ziehen sie gemeinsam das kleine Kind auf, kapern kurzerhand an Land eine Ziege, die sie "Euter-Klaas" nennen und achten darauf, dass "lütt Moses" nicht ausversehen über Bord geht. Doch eines Tages trickst Moses seine Ersatzeltern aus und macht sich an Land auf Entdeckungsreise. Ausgerechnet bei ihrem ersten Landgang trifft sie in einer finsteren Spelunke auf den ärgsten Widersacher von Käptn Klaas: Olle Holzbein. Der wittert natürlich seine Chance, seinem Kontrahenten ordentlich eins auszuwischen und "schanghait", also entführt, Moses auf sein Schiff - die "Süße Suse".

Olle Holzbein fordert von Käptn Klaas die Schatzkarte der Mannschaft und damit all das Gold und die Juwelen, die die Männer auf der "Wüsten Walli" auf ihren bisherigen Überfällen erbeutet haben. Auf der "Süßen Suse", in einem Ziegenkäfig eingesperrt, lernt Moses den Schiffsjungen Dohlenhannes kennen und sie werden Freunde. Als Moses ihm von den Umständen berichtet, wie sie als Baby an Bord der "Wüsten Walli" gekommen ist, haben sie einen aufmerksamen Zuhörer: Hinnerk mit dem Hut. Der scheint mehr zu wissen als Moses selbst und rennt sofort zu Käptn Olle Holzbein. Der macht sich zusammen mit Hinnerk seinen eigenen Reim und verlangt plötzlich von Käptn Klaas den Blutroten Blutrubin des Verderbens. Ein kostbarer Rubin, hinter dem beide Seeräuber schon Ewigkeiten her sind. Doch Käptn Klaas kann weder mit dem Rubin noch mit einer Schatzkarte zu dem Versteck des Rubins dienen. Kurz bevor Moses "über die Planke geschickt" werden soll, gelingt es den Kindern durch einen Trick, Käptn Olle Holzbein zu überwältigen. Der berüchtigte Seeräuber-Kapitän hat nämlich einen wunden Punkt, so viel sei hier verraten. Vor nichts und niemandem fürchtet sich Holzbein mehr als vor Geistern und Gespenster. Mit Hilfe von "Schnackfass", dem geschwätzigen Vogel von Hannes, und dank Hannes´ Schnitzkunst gelingt es, Olle Holzbein außer Gefecht zu setzen und die Kinder können fliehen. Wie es der Zufall will, landen nicht nur sie wohlbehalten in Hannes´ Heimatdorf; auch die Männer der "Wüsten Walli" stranden hier - wenn auch nicht ganz freiwillig - und die Wiedersehensfreude ist groß. Von hier aus planen sie ihren nächsten Schachzug gegen Olle Holzbein. Es gelingt ihnen, ihren Piratenschatz noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen und auf "geisterhafte" Weise kapern sie auch noch die "Süße Suse". Olle Holzbein sitzt mit seinen Männern in der Höhle im Meer fest. Dadurch, dass sich Hinnerk mit dem Hut nun auf die Seite von Moses und Käptn Klaas geschlagen hat, erfahren auch die anderen, was in dieser stürmischen Nacht, als Moses von Käptn Klaas aus der Waschbalje gerettet wurde, wirklich passiert ist. Hinnerk war es nämlich, der das Baby im Meer ausgesetzt hat, weil er es davor bewahren wollte, von Olle Holzbein einfach über Bord geworfen zu werden. Und damit finden sie auch einen Hinweis auf das Versteck des Blutroten Blutrubin des Verderbens. Doch wohin sie das alles noch führt, das hätte keiner auch nur zu Träumen gewagt, am allerwenigsten Seeräuber-Moses.

Wieder beschert Kirsten Boie uns ein wunderbares Abenteuer, in dem sie ihren jungen Lesern historische Hintergründe, wie es scheint, ganz nebenbei mitliefert. Sie erklärt, wie die Menschen an Bord damals gelebt haben, was sie gegessen und wie sie die Zeit gemessen haben. Auch was ein "Kaperbrief" ist, erläutert sie auf sehr unterhaltsame und kluge Weise - und wie so oft, mit einem Augenzwinkern (Zahlreiche Ausdrücke und Bezeichnungen werden unter "Seeräuberwörter und Seeräubersachen" im Anhang des Buches ausführlich von ihr erklärt)

Einfach aber wortreich gestaltet sie ihre Geschichte, die vor Erzählfreude nur so strotzt. Dabei bezieht sie ihre Leser ein, spricht sie direkt an, so dass man glauben könnte, sie säße gerade mit uns an einem der von ihr beschriebenen Lagerfeuer und erzählt einfach mal so. Es entsteht ein fantasievolles Spiel zwischen dem "Seemanns-Slang" und einer Wortwahl, die Kinder auf der einen Seite bestens unterhält, aber auch - wie schon in "Der kleine Ritter Trenk" - aufgrund der oftmals langen und verschachtelten Sätze herausfordert. Für Sechsjährige Zuhörer kann das manchmal zu viel des Guten sein.

So stellt Kirsten Boie zwar mit ihren zahlreichen, warmherzigen Randbemerkungen auf eine sehr schöne Weise die Nähe zu ihren Lesern her, doch selbst der/die Vorleser/in muß hier aufmerksam sein. Liest man den Text nämlich zu schnell, könnten einige Details untergehen - daher ist es wichtig, die Pausen beim Vorlesen sinnvoll zu setzen, damit die Zuhörer nicht den Faden verlieren. Wer aber mit "Der kleine Ritter Trenk" schon gute Erfahrungen gemacht hat, dürfte auch mit "Seeräuber-Moses" gut zurecht kommen; der Erzählstil ist sehr ähnlich - abgesehen von der Tatsache, dass "diese Seeräuber leider für alles ihre eigenen Wörter haben mussten".

Gespickt mit allerlei zotigen Aussprüchen aus den friesischen Gefilden sind die Dialoge von Kirsten Boie einfach nur köstlich. Da wird nur zu gerne "verdammich", "Teufel, bist du dösig!" (meist ist Fiete gemeint), "Dunnerlittchen" gesagt oder die eine oder andere Beschimpfung losgelassen wie "Olle Pisspottpuper" oder "Stinkender Steinbutt!" Keine Frage, dass Kinder (und nicht nur Jungs!) einen riesen Spass daran haben werden. Aber Kirsten Boie zeigt nicht nur ein sehr gutes Gespür für stimmige Dialoge. Auch den "heiklen" Momenten schenkt sie ihre besondere Aufmerksamkeit, so dass die Kinder, dank ihrer warmherzigen und direkten Ansprache, nur zu gut nachvollziehen können, wie den Protagonisten gerade zumute ist.

Ungereimtheiten, die sie geschickt durch szenische Wechsel mal hier, mal da einstreut und aufdeckt, empfiehlt sie auf einem Merkzettel zu notieren und merkt im Verlauf an, dass diese Liste an Ungereimtheiten wohl schon ziemlich lang geworden ist. Dabei nimmt sie nach bekannter Manier immer wieder den Faden auf und erklärt geduldig - immer ganz aus der kindlichen Sicht - die Zusammenhänge. Diese und andere Wiederholungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch - und das wird im Verlauf der Geschichte wirklich komisch. Wenn die Autorin mit der Zeit schon selbst davon "genervt" ist, dass Haken-Fiete eigentlich nie etwas eigenes einfällt, verleiht das ihren Charketeren ein Eigenleben, das Kinder sehr nahe am Geschehen teilhaben lässt. Da ist der erfahrene Käptn Klaas, der zu jeder Lebenslage ein Sprichwort parat hat, der fromme Smutje (Bruder) Marten oder Moses selbst, die - "phhht, ja" - neben ihrem Mut und ihrer Cleverness auch so manche Eigenheit hat. Die Seebären sind, obwohl Kirsten Boie durchaus darauf hinweist, dass es damals wohl nicht so harmonisch zuging, liebe, ziemlich tapsige Typen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben. Und auch wenn man Olle Holzbein doch wohl so manches zutrauen mag, so schafft es die erfahrene Autorin wie auch in " Der kleine Ritter Trenk", jeden Konflikt und jede noch so verfahrene Situation vollkommen gewaltfrei zu lösen. Bei ihr sind die Kinder den Erwachsenen immer eine Nasenlänge voraus. Mit ihrer Klugheit können Moses und Hannes sich auch aus der aussichtslosesten Situation hinausmanövrieren, so dass sie es letztlich sind, die den Männern von der "Wüsten Walli" ein Happy End bescheren.

Natürlich verheimlicht die mutige Moses selbst Hannes, dass sie ein Mädchen ist. Denn der hält ganz offensichtlich nichts von dem vermeintlich schwachen Geschlecht. Wieder ist es hier ein Mädchen, das sich gar nicht an die damaligen Klischees halten möchte. Durch die Wildheit und den Eigensinn der kleinen Dame können sich sowohl Jungen als auch Mädchen bestens in die Figur hineinversetzen.

Und als wäre alles das nicht schon ein Mordsspaß für die kleinen Abenteurer, gibt es zudem noch die einmalig guten Illustrationen von Barbara Scholz. Wie schon in "Der kleine Ritter Trenk" fängt sie die markanten Momente der Geschichte auf ihre bekannt humorvolle Weise ein. Doch bei "Seeräuber-Moses" scheint sie noch ein wenig mehr von ihrem Können zu zeigen: Ihre Szenerie überzeugt durch die besondere Atmosphäre in Aquarelltechnik. Mit sicherer Hand erschafft sie tosende Meere, düstere Wolkenberge und inmitten dieser tobenden Naturgewalten sehen wir Smutje Marten die sturmgebeutelten Hühner festhalten, während eines direkt auf Käptn Klaas zufliegt, der unerschrocken seinen roten Seemannshut festhält. Im Hintergrund die weiße Gischt auf den Wellen und ein Fisch, der auch nicht schlecht guckt, als er so aus dem Meer in Luft geworfen wird. Ebenso kann Barabara Scholz aber auch sehr sanft begleiten, sei es das weiche Morgenlicht, das auf die Sandklippen der Ostseeküste fällt, der warme Schein des Lagerfeuers unter dem Sternenhimmel oder das Farbenspiel der untergehenden Sonne an den Klippen von Helgoland. Dabei vergisst sie kein Detail und man sollte auf jeden Fall mehr als einen Blick auf die lebendigen Illustrationen werfen, um die besonderen Kleinigkeiten zu entdecken. Denn ob Mensch oder Tier - jedem ihrer Darsteller schenkt sie ein eigenes Gesicht und macht ihn so, ganz ohne Worte, zum Teil dieser schönen Piratengeschichte, in der es neben kostbaren Seeräuber-Schätzen natürlich wieder um sehr viel mehr geht.

Fazit:

Wer nach "Ritter Trenk" sehnsüchtig ein weiteres Buch dieser Art von Kirsten Boie erwartet hat, dem kann nun "Seeräuber-Moses" wärmstens ans Herz gelegt werden. Denn es ist eine ebenso bezaubernde, warmherzige wie witzige Geschichte, die nach dem bekannten Erfolgsrezept der Autorin ihre Leser begeistern wird. Zusammen mit den herrlich lebendigen Illustrationen von Barbara Scholz ein echter Schatz!

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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