Couch-Wertung:

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Idee
Bilder
Text

Idee

Die liebenswerte Hauptperson und die moderne Umsetzung traditioneller Fabelmotive bleiben nachhaltig beim Leser in Erinnerung.

Bilder

Die eigenständigen, humorvollen Illustrationen begleiten den Text herausragend und steigern das Lesevergnügen .

Text

Die Sprache und der Rhythmus sind kindgerecht und abgestimmt mit genau der richtigen Prise an Humor.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Sep 2009

[ab 5 Jahren]

Ein Hase spaziert durch den Wald und sieht eine riesige, leckere Mohrrübe auf dem Boden liegen. Er kann nicht widerstehen und beisst ihn sie hinein. Leider ist die Mohrrübe nur der Köder, mit dem der Wolf seine Opfer in die Falle lockt ...

Ganz gegen die Erwartungen des Lesers handelt es sich hier nicht um eine typische Hase-Wolfgeschichte, denn der Hase wird nicht vom Wolf verschlungen. Der Wolf ist Kapitalist, wie es sich für einen zeitgemässen Wolf gehört, und verschleppt den Hasen als Zwangsarbeiter in seine Fabrik.

Dort trifft der kleine Hase auf viele Leidensgenossen, die unter sehr anstrengenden und fordernden Umständen, wie er, Hasenfallen für den Wolf herstellen, die dieser dann an andere Wölfe verkauft.

Dem Hasen werden die unzumutbaren Arbeitsbedingungen bald zuviel und er heckt einen Plan aus, wie er frei kommen könnte.

Er ruft alle anderen Hasen zusammen und gemeinsam gelingt es ihnen, den Wolf zu überwältigen und sich zu befreien - denn Attrappen zu bauen, das haben die Hasen ja nun gelernt.

Und in der Fabrik werden künftig keine Hasenfallen mehr hergestellt, sondern Wolfsfallen, die einen reissenden Absatz finden.

Die Revolution der klugen Hasen gegen ihren kapitalistischen Wolf. Ein wenig Schadenfreude sei den kleinen (und großen) Lesern durchaus gegönnt; auch wenn am Ende die Frage bleibt, ob die Hasen am Ende nicht selbst die Kapitalisten sind.

Die Botschaft dieses humorvollen Bilderbuches aus Frankreich könnte lauten "gemeinsam sind wir stark" und wird auf charmante, lockere Art vermittelt.

Der Titel lautet im französischen Original etwa "Der kleine nette Hase", und klein wird auch eher herablassend als "p'tit" und nicht als "petit" geschrieben. Diese Nuance geht in der deutschen Übersetzung leider verloren, auch dadurch, dass "gentil"="nett, lieb" mit "klug" übersetzt wird, was eigentlich der Geschichte vorgreift, und die "klein, aber oho" Beschreibung des Hasens abschwächt.

Auch siedelt der deutsche Titel "Der kleine kluge Hase", die eigentlich unkonventionelle Geschichte gleich mehr in der traditionellen Fabel an, in der Wölfe meist böse sind.

Der Text mit seinem subversiven Unterton stammt vom erfahrenen Autor Michael Escoffier, der bereits in seinem Heimatland Frankreich mehere Bilderbücher veröffentlicht hat. Bei den Illustrationen handelt es sich um das Erstlingswerk der erst 29-jährigen Grafikerin Éléonore Thuillier.

Dass diese Geschichte eher untypisch ist, wird auch in den plakativen, witzigen Illustrationen deutlich. Der Hase wird nicht als niedlich und zum Knuddeln dargestellt und der Wolf erscheint weniger grausam und furchterregend als eher gemein.
Auch wirken die Illustrationen eigenständig, treffend und sorgfältig angelegt. Unverschnörkelt beschränken sie sich auf das Wesentliche; hier zeigt sich, dass die Illustratorin früher Stylistin war. Zugleich erlaubt sie sich auch nicht vom Text geforderte Details, so etwa die diskrete Präsenz im Dekor von farbenfrohem, höchst erstaunt wirkenden Vögeln.

Der Text ist einfach und kommt weder schwerfällig noch geschwätzig daher. Der sprachliche Rhythmus ist - mit gerade der richtigen Dosis Spannung - für Kinder ab fünf Jahren angemessen. Das Layout des Textes ist auf das richtige "Timing" abgestimmt; so daß wichtige Momente und Dialoge die entsprechende Beachtung finden.
Wer mehr von den beiden erfahren möchte, kann deren blogs in französischer Sprache besuchen (http://michaelescoffier.canalblog.com/, www.eleillustrations.blogspot.com/).

FAZIT:

Ein humorvolles und originelles Buch, das auf den zweiten Blick tiefgründiger ist, als es zunächst vielleicht den Anschein macht. Denn es bleibt doch die Frage, ob die Hasen - wenngleich sie sich mit gleichen Mitteln zur Wehr setzen - nun weniger kapitalistisch als der Wolf sind. Ein "Stoff", der durchaus auch ältere Kinder aus der Reserve locken kann. Damit ist "Der kleine kluge Hase" ein ansprechend gestaltetes, überraschendes Bilderbuch, dem man eine grosse Verbreitung wünscht.

Andrea Delumeau

 

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