Bella Buh und die Nachtschule

Erschienen: November 2009

Couch-Wertung:

79%
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Idee

Bella ist eine kleine Rebellin, die noch vertrauter werden muss. Viele gute Ideen und so manch geheimnisvolle Andeutung lassen gespannt sein, wie es wohl weitergehen mag.

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Mit farbigen Illustrationen von Fredrik Skavlan – witzig, eigenständig, schräg – auch mit dem Mut zum Hässlichen, wenn es um die gar nicht netten Charaktere geht.

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Aus dem norwegischen von Gabriele Haefs, ist die Sprache bildhaft und manchmal auch poetisch. Viele eigene Wortschöpfungen machen Spass, doch die manchmal emotionale „Tonlage“, ist für Kinder zu langatmig und oft auch nur schwer verständlich.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Nov 2009

Bereits schon ein Klassiker in der Kinderliteratur ist das Thema Geister und Gespenster; man denke da nur an "Hui-Buh", das berühmte Schlossgespenst. Der Arena Verlag bringt mit "Bella Buh" nun eine neue Gespensterreihe auf den Buchmarkt, in der es um ein Gespenstermädchen aus Laken und Willenskraft geht. Bella vermisst ihre Mutter und möchte nichts mehr, als hinter die zehn Wahrheiten kommen, um sie eines Tages wieder zu finden.

Doch zunächst darf Bella endlich auf die SCHNÜSS, die Schrecklassnach-Nachtschule für Übungsbedürftige Spuk- und Störgespenster. Sofia Schrecklassnach, die gestrenge Lehererin mit einem geheimnisvollen Tintenfleck auf ihrem Laken, unterrichtet die kleinen Gespenster im Verbreiten von Lakenangst, Notlügen und Schreckenspropaganda. Die kleinen "Stofffetzen" lernen aber auch, wie man sich so richtig "hochappt" über das Terrain fliegt und wie sie die Sternenstrahlen lesen, die ihnen später den Weg zur ihren Einsatzorten weisen sollen.

Seitdem Bella Buhs Mutter in die Konfektion der Kleiderfabrik von Herrn Hektor Mysac geraten ist - also verarbeitet wurde - ist Bella mehr oder weniger allein auf der Welt. Eine kleine Gespensterschar, die sich tagsüber in dem Stofflager der Fabrik verborgen hält, kümmert sich mehr oder weniger freundlich um sie; schließlich finden einige von ihnen, dass Bella ein sehr aufsässiges und ungezogenes Gespensterkind ist. Es hagelt Kritik und Bella denkt oft an die Momente mit ihrer Mutter zurück. Auch in der Gespensterschule eckt Bella, die ihren Mund einfach nicht halten kann, bei Sofia Schrecklassnach an. Dabei sagt Bella nur was sie denkt.

Bella erinnert die Dinge, die ihr die Mutter mit auf den Weg gegeben hat, genau. Das gibt ihr Kraft, aber manchmal ist Bella wütend und traurig zugleich - vor allem wenn Fiola Flink oder Enox Ekel sie wieder auf gemeine Weise ärgern. Eines Tages ist Bella so wütend auf Fiola, dass sie sie ausversehen aus dem Regal schubst. Zu allem Unglück wird Fiola auch noch von einer der Näherinnen entdeckt und aufgehoben - aus ihr soll eine Tasche werden. Fiolas Eltern sind außer sich vor Sorge und Bella weiß, dass sie Fiola - auch wenn sie sie noch so sehr verabscheut - retten muss.

Das noch viel zu junge Gespenstermädchen konsultiert Sofia Schrecklassnach, die sich tagsüber zusammen mit anderen Gespenstern in der Wäschekammer eines Hotels verborgen hält. Die Leherin verweist Bella an eine Adresse in Paris, in die "Rue Rivoli 99" - dem Louvre. Dort soll sie nach einem gewissen "Victor" suchen, der in einem Turmzimmer mit dem Schild an der Tür "Hier ist es nicht" zu finden sein würde. Bella, so Sofia Schrecklassnach, würde bei ihrem Abenteuer vielleicht die erste Wahrheit finden - aber sie müsse lernen, "zwischen dem Schönen und dem Gefährlichen zu unterscheiden". Vor allem soll sich Bella aber vor Veränderungen, die sich in den Räumen vollziehen könnten, hüten. Die Lehrerin warnt sie vor den bösen Gobelingespenstern - Bella müsse sich den Erinnerungen, "die auftauchen stellen und erkennen".

Bella möchte nicht mit ihrer eigenen Gespensterkraft nach Paris fliegen - eine so weite Strecke wäre sehr anstrengend für ein kleines Gespenst und Bella möchte keine Zeit verlieren. Sie holt sich Hilfe in Gestalt von Pinneus Mysac, der kein geringerer ist als der Sohn von Hektor Mysac, und für den sie erwiesenermaßen gar nicht gruselig ist. Eines Nachts - es war eine Strafaufgabe - hat sie vergeblich versucht, den Jungen zu erschrecken; am Ende wurde Bella von Herrn Mysac in den Hausmüll komplimentiert, wo sie Pinneus dann irgendwann herausfischte. Pinneus Mysac, der das natürlich nicht zugeben will, wartet seit dem auf die Rückkehr des kleinen Gespenstes und ist nicht abgeneigt, ihr in das Abenteuer zu folgen. Da es für den Jungen, der immerzu von seinem jähzornigen Vater schikaniert wird, gar nicht mehr schlimmer kommen kann, klaut er seinem Vater die Kreditkarte und macht sich zusammen mit Bella davon. Sie schaffen es tatsächlich - Bella ist zwischendurch mal ein Turban und mal ein Halstuch - nach Paris zu fliegen und gelangen schließlich in den Louvre. Pinneus und Bella lassen sich nachts in dem riesigen Museum einschließen. Pinneus bleibt auf der Toilette, während Bella eine Nacht erlebt, die selbst für ein kleines Gespenst ziemlich "uggig" ist, aber noch viele geheimnissvolle Entdeckungen bereithält. Sie begegnet Victor - einem sehr alten Gespenst - das vielleicht einmal der berühmte Victor Hugo war. Er schenkt Bella ein Buch mit dem Titel "Les Misérables" ("Die Elenden") und es findet sogar das "Weihnachtsoratorium" von Johann Sebastian Bach und Frédéric Chopin Erwähnung. Dies wird auch im Anhang noch einmal aufgegriffen und die Frage gestellt, ob die Kinder noch andere Persönlichkeiten erkennen können, "deren Seelen sich in der Nachtzeit in Paris aufhalten".

Bella entdeckt mit Victors Unterstützung die erste Wahrheit: Die Vorzeit, die Zwischenzeit und die Nachzeit. Was so viel bedeutet, dass alte Gespenster "jemand gewesen sind" und kleine Gespenster "jemand werden sollen". Bella weiß nun, dass sie in der Vorzeit lebt, sie muss noch warten, während die Menschen in der Zwischenzeit leben.

Man braucht gar nicht weiter darauf eingehen, dass nach den Vampiren, Zauberern und Feen nun das Thema Gespenster wieder aufgegriffen wird, zumal Unni Lindell das auf sehr eigenständige Weise macht. Anders als bei dem sympathisch-schrulligen "Hui-Buh" bringt die norwegische Autorin bei ihrer Bella aber eine tiefergehende Thematik ein. Zwar wirkt die Geschichte - nicht zuletzt durch die sehr eigenständigen Illustrationen von Frederik Skavlan - reichlich schräg, doch bemerkt man schnell einen etwas schwermütigen und geheimnisvollen Unterton. Damit ist Bella Buh nicht nur eine unbeschwerte Gruselgeschichte für Achtjährige. Die Dialoge die Unni Lindell hier schafft, wirken bedeutungsschwanger und weisen auf eine ganz eigene Philosophie hin, die aber wohl erst in den noch folgendenden Bänden genau erläutert wird

Unni Lindells Sprache ist mit allerlei eigenen Wortschöpfungen (wie "uggig oder "hochhappen") und stimmungsvollen Schilderungen abwechslungs- und bilderreich. Dabei driftet sie hin und wieder auch in eine poetische Ausdrucksform, die meist aber gut verständlich ist. In ihrem ersten Band schafft Unni Lindell erste Details, also die Basis, zu einer eigenständigen Gespensterwelt. Wir erfahren, dass Gespenster durch das Schlüsselloch - und nicht etwa durch die Wand - in Häuser gelangen, dass sie gerne Baisers essen und ebenso wie Menschenkinder regelmässig in die Badewanne, bzw. in den Waschzuber müssen. Auch dass Regen gar nicht gut für Gespenster ist, da sie ganz druchnässt zu schwer zum Fliegen sind, leuchtet natürlich ein.

Die Gespenster-Schule mit der strengen Sofia Schrecklassnach, die eigentlich ein weiches Herz hat, hält sehr ungewöhnliche Massregelungen für ungezogene Schüler parat und scheint interessante Unterrichtsinhalte zu haben. Manche zotige Situation - in Form von Bellas Missgeschick, schließlich als Tischdecke zu enden - wird die jungen Leser sicherlich unterhalten, auch die wirklich unsympathisch gezeichnete Figur des Hektor Mysac mit seinem ebenso unansehnlichen Hund Grimmo ist gut gelungen. Dabei finde ich es mutig, diese Gestalten auch so unästhetisch darzustellen, wie es Frederik Skavlan getan hat. Eigentlich wirkt nur Bella irgenwie süß und das ist wohl auch so beabsichtigt. Aus einem weißen Laken bestehend und mit abgebundenen "Öhrchen" wirkt Bella so, wie sich Kinder ein kleines Gespenst vorstellen - und genauso würden sie sich wohl auch verkleiden.

Mit dem Hinzustossen von Pinneus fängt die Geschichte eigentlich erst richtig an, da nun die Handlung vorangetrieben wird. Trotzdem wirkt die Geschichte irgendwie nicht homogen und ist - vielleicht ein grundsätzliches Problem vieler erster Bände - noch davon entfernt, durchgehend zu fesseln. Die bereits erwähnten übersinnlichen Betrachtungen, gerade am Anfang und zum Ende hin, nehmen einen großen Raum ein; und es gelingt der Autorin nicht, diese auf kindgerechte Weise verständlich zu machen. Denn was sie möchte, wird erst mit näherer Beschäftigung deutlicher und man kann nur vermuten, dass die Schicksale der Menschen und der Gespenster enger miteinander verknüpft sind, als es zunächst den Anschein macht. Die Aufgabe der Gespenster ist damit wohl doch nicht nur das "Erschrecken" - das würde in Bellas Fall auch irgendwie abwegig wirken.

Am Ende muss Bella aber noch ihre dringendste Aufgabe erfüllen: Die Rettung von Fiola Flink. Da ist der volle Einsatz der beiden neuen Freunde gefordert. Denn Fiola, die nunmehr zu einer niedlichen Handtasche geworden ist, muss aus der Ladentheke einer kleinen Pariser Boutique befreit werden.

Fazit:

Aus der gespenstischen Welt der Laken, Wäschekammern und Kleiderfabriken gibt es bestimmt noch so manches zu erzählen. Ob "Bella Buh" aber aus dem Stoff ist, der Kinder begeistert, bleibt noch abzuwarten.
Wenn Unni Lindell in ihrem nächsten Band einige Rätsel auflöst und mehr Leben in die Geschichte bringt, hätte die neue Gespensterreihe nämlich durchaus Potential.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

Bella Buh und die Nachtschule

Bella Buh und die Nachtschule

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