Couch-Wertung:

85%
Idee
Bilder
Text

Idee

Eine beinahe alltägliche, konfliktbeladene Situation wird in einer fantasievollen Geschichte aus der Sicht eines Kindes erzählt. Sensible Darstellung mit auflockerndem Humor.

Bilder

Überzeugende, ausdrucksstarke Illustrationen, die über den Text hinaus Stoff für Diskussionen bieten.

Text

Altersgerechte, direkte Texte, die weder tragisch noch schockierend sind, sondern einfach kindlich emotional.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Dez 2009

Der fantasievolle Julius lebt alleine mit seiner Mama, die gar nicht gut auf seinen Papa zu sprechen ist. Eines Tages erhält er auf seine Frage "Wo ist Papa?" endlich eine Antwort. "Dein Papa ist da wo der Pfeffer wächst".

Da er seinen Papa sehr vermisst ist für ihn ganz klar, dass er dieses Land suchen und dort seinen Papa finden wird. Er packt seinen Rucksack, schnappt sich seinen Teddybären Ignaz und begibt sich auf eine fantastische Reise. Während seiner Suche fragt er Hund und Vogel nach dem Weg. Die können zwar nicht helfen, verstehen aber, wie wichtig die Suche für Julius ist und schließen sich mit Spürnase und Überblick an. Am Waldesrand angekommen, versuchen die Vier eng an einander gekuschelt einzuschlafen, als es verdächtig zu Rascheln beginnt. Glücklicherweise erweist sich der aus dem Unterholz hervorpreschende, finster dreinblickende Bär als Ignaz Onkel Taps, der die vier erschöpften Reisenden erst einmal mit seinen starken Armen sicher in den Schlaf wiegt. Taps weiß, dass Pfeffer in kleinen Pfefferstreuern wächst, behält das aber zunächst einmal für sich. Vom Schnarchen des großen Bären wacht Julius auf und stellt fest, dass das Geräusch der Motor eines Autos ist. Es ist das Auto seines Papas, der den ganzen weiten Weg aus Pfefferland gekommen ist um ihn abzuholen.

Die Geschichte beginnt zunächst sehr traurig. Denn die Mutter ist in Gegenwart ihres Kindes sprachlos und kann nur in scheinbar unbeobachteten Momenten ihrem Groll, den sie dem Vater ihres Sohnes gegenüber hegt, Luft machen. Dann fallen auch so Ausdrücke wie "er ist ein Schwein" oder "Ungeheuer". Momente der Hilflosigkeit, die sie ihrem Sohn eigentlich ersparen will, dieser aber lauscht ihren verzweifelten Ausbrüchen. Glücklicherweise weiß Julius es besser, denn er selbst ähnelt weder einem Schwein noch einem Ungeheuer. Doch die Geschichte hat ein Happy-End: Schließlich wird der Kleine von seinem zu Tränen gerührten Vater abgeholt und auch seine Mutter schafft es, den Beiden freundschaftlich nachzuwinken. In diesen ausdruckstarken letzten Bildern steckt schließlich auch die ganze Tragik von Vater-Mutter-Kind-Beziehungen vor allein erziehendem Hintergrund.

Nie ist die eigene Trennungssituation, genau wie sie in Büchern beschrieben wird. Aber häufig trifft man die von der Autorin gewählte klassische Konstellation an. Wir sehen zum einen die allein erziehende Mutter, die es nach der Trennung noch nicht geschafft hat, emotional Abstand zu nehmen - und zum anderen den Sohn, der sich nach seinem Vater sehnt und nicht verstehen kann, warum es den Papa in seiner Welt nicht mehr geben soll. Dabei schafft die mehrfach für ihre Kinderbuch-Illustrationen prämierte, Jacky Gleich, es, die Mutter hilflos, aber auch liebevoll darzustellen. Am Ende glaubt man selbst fest daran, dass die drei das schon schaffen und irgendwann einen positiven Kontakt zueinander pflegen werden.

Der Text von Kai Kittelsberger ist altersgerecht und direkt, wie es ein Text zu solch einem Thema auch unbedingt erfordert. Keine Spur von "Schöngerede" aber auch keine Spur von übertriebener Tragik.

Ein wenig verwirrend ist die Bildführung, da die zwei Bilder einer Doppelseite farblich in einander übergehen, jedoch zwei aufeinander folgende Geschichten erzählen. Für Kinder zwischen vier und sechs ist es schwierig, sich zunächst auf das linke Bild und dann im Geschichtsverlauf rechtzeitig auf das rechte Bild zu konzentrieren; bzw. zu verstehen, dass es sich nicht um ein Bild handelt.

Trotzdem ist dieses im Beltz & Gelberg Verlag erschienene, konsequent aus der Sicht des Kindes erzählte, Bilderbuch für jene Kinder geeignet, die Ähnliches erlebt haben. Es kann ihnen das Gefühl vermitteln, dass auch Andere "so" leben und zeigen, wie Andere eine Lösung aus dem inneren Konflikt der Liebe zu beiden Elternteilen finden. Denn schließlich geht Julius nicht einfach so auf seine Suche. Er macht sich schon Gedanken darüber, ob seine geliebte Mutter sich nicht ängstigen wird. In seinem Gesichtsausdruck meint man dann auch die Zerrissenheit dieser Kinder zu entdecken. Das Buch ist aber ebenfalls geeignet für Kinder deren Freund oder Freundin allein erziehende Mütter oder Väter haben. In jedem Fall liefert es ausreichend Diskussionsstoff, um sich diesem Thema in all seinen Facetten zu nähern. Gleichzeitig ist es stellenweise lustig und spannend, was der Thematik die Schwere nimmt. Dies wird vor allem durch die ausdrucksstarken aber niemals erdrückenden Illustrationen von Jacky Gleich erreicht. Sie reichen weit über den Text hinaus und liefern mit lockerem Pinselstrich in Ausdruck und Perspektive sowohl Tragisches als auch Lustiges.

Fazit:

Dieses sensible Bilderbuch erzählt von der Liebe eines Sohnes zu seinen getrennt lebenden Eltern und überzeugt, trotz des schwierigen Themas, durch seine fantasievolle Herangehensweise.

Gabriele Jansen

 

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