Couch-Wertung:

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Idee
Text

Idee

Max kann selbst nicht fassen, wie wütend er manchmal werden kann, in den wilden Kerlen findet er sich wieder und stößt im Zusammenleben mit ihnen an seine Grenzen, die ihm vorher nicht bewusst waren

Text

lebendig geschriebene Erzählung, die sich zwar an den Film anlehnt, aber ein eigenes Genre bedient, dialogreich, mit neuen Figuren und mehr Handlungssträngen, aktueller Blick in den amerikanischen Lebensalltag der Kinder

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jan 2010

"Ich fress dich auf!", droht Max seiner Mutter, denn er kann den schrecklichen tiefgefrorenen Mais nicht ausstehen, den es wiedermal zum Abendessen geben soll. Aber das ist nicht unbedingt der Grund für den Wutausbruch des Achtjährigen. Niemand beachtet ihn. Für seine ältere Schwester existiert er nicht mehr und seine Mutter hat einen Freund, den Max nicht ausstehen kann. Der Junge heult und führt sich in seinem Wolfskostüm wie ein wildes Tier auf. Dann geschieht das Unbegreifliche, Max fällt seine Mutter an und beißt zu. Nun kann er nur noch das Weite und ein neues zu Hause suchen und das findet er bei den wilden Kerlen.

Max lebt mit seiner berufstätigen, allein erziehenden Mutter und der 14-jährigen Schwester Claire zusammen. Es ist Winter, Max langweilt sich, aber sein Freund Clay ist nicht zu Hause. Voller Schrecken begleitet Clays Mutter Max nach Hause, denn sie will nicht, dass er allein auf seinem Fahrrad irgendwelche Kinderschänder anlockt. Max muss auch in die Schule gefahren werden, das hat der Direktor durchgedrückt. So sind die Kinder zum einen sehr behütet, zum anderen aber doch an den Nachmittagen auf sich allein gestellt. Als Max sich ein Iglu baut und die Freunde von Claire kommen, initiiert der Junge eine wilde Schneeballschlacht. Claires Freundin weint zwar, da sie mitten im Gesicht getroffen wurde, aber alles läuft prima bis die Jungen Max in die Enge treiben und sein Iglu zerstören. Claire schaut einfach nur zu, Max heult auch und ist wütend. Er stürmt in Claires Zimmer und kippt acht Eimer Wasser in den Raum. Eine Katastrophe.

Als Max' Mutter ins Haus zurückkehrt, weiß sie nicht wie sie den Schaden begrenzen soll. Max bereut seine Tat, aber manchmal ist er so wütend, dass er nicht weiß, wohin mit seiner Energie. Als gäbe es keine Grenzen, keine Schranken, die ihn von unbedachten Taten abhalten könnten. Max denkt sich gern Geschichten aus und wirbt damit auch um die Aufmerksamkeit der Mutter, die befürchtet, dass sie einen Arbeitsauftrag verlieren könnte. Als Max sich eine Höhle in seinem Zimmer baut, beachtet ihn niemand. Gary, der neue Freund von Max' Mutter ist da. Der Junge kann Gary nicht leiden, obwohl dieser sich Mühe gibt, mit dem Jungen ins Gespräch zu kommen. Immer weniger hört Max von seinem Vater. Eigentlich telefonieren sie regelmäßig, aber Max' Vater vergisst die Verabredungen ab und zu. Auch er hat eine neue Beziehung. Allerdings sind die Kinder von der neuen Frau an Vaters Seite nicht begeistert. Max fühlt sich an dem Abend allein gelassen. Seine Mutter lacht mit Gary, interessiert sich nicht für die Höhle und Claire macht sowieso das, wozu sie Lust hat. Max nimmt sich vor die anderen zu provozieren, indem er sein Wolfskostüm anzieht und ordentlich brüllt.

Die Situation eskaliert und Max rast, nachdem er seine Mutter gebissen hat, in die Nacht hinaus. Er schnappt sich ein Boot und gelangt übers Meer zu einer Insel. Hier trifft er in finsterer Nacht die wilden Kerle, die alle so aussehen wie Maurice Sendaks Ungeheuer ( kleine Kinderzeichnungen geben sie wieder ) in seinem Bilderbuch "Wo die wilden Kerle wohnen". Doch diesmal haben die plüschigen, knuffigen, runden Monster mit den scharfen Zähnen Namen. Sie heißen Alex, Carol, Douglas, Katherine oder Judith. Jede Figur hat andere Eigenschaften. So ist der eine ängstlich, der andere wiederum verweigert jeden Konsens, eine ist streitsüchtig und der nächste sehr lieb. Als Max ankommt, ist Carol gerade dabei alle Behausungen im Wald zu zerstören. Er ist sauer, da sich Katherine von ihm entfernt hat und nicht mehr bei ihm sein will. Max hilft Carol bei den wütenden Attacken. Allerdings fragen sich die anderen Monster, warum Max ihre Behausungen zertrümmert. Der Junge denkt sich eine wilde Geschichte über Wikinger und eigene magische Kräfte aus und behauptet, er sei ein König und könne alles regeln. Die wilden Kerle küren Max zu ihrem Anführer, setzen ihm eine Krone aufs Haupt und erwarten vom neuen Herrscher Unterhaltung.
Alle machen zusammen Krach, toben herum, zerstören und wüten, was das Zeug hält. Nur Max muss aufpassen, dass niemand ihn überrollt. Katherine kehrt zurück und es entstehen Spannungen innerhalb der Gruppe. Max hat eine tolle Idee. Gemeinsam bauen sie sich eine großartige Behausung, in der jeder sich wohlfühlen soll.

Max lebt alle seine Kräfte aus und gelangt doch an seine Grenzen. Carol will unbedingt, dass Katherine, die sich neue Freunde gesucht hat, wieder zu ihm gehört. Aber Zuneigung kann man nicht erzwingen. Alex ahnt, dass Max kein König ist und das Unmögliche nicht vollbringen kann. Als Max mit den Monstern Krieg spielt, knallen alle Konflikte innerhalb der Gruppe aufeinander. Carol wird immer wütender. Max bekommt langsam Angst und wünscht sich einen Raum mit einer kleinen Tür. Carol ahnt, dass Max sich auch von ihm entfernt und tickt aus. Er will Max nun fressen, nur Katherine kann den Jungen retten, indem sie ihn kurzzeitig verschluckt. Max hat eine Menge gelernt und weiß nun, dass er nach Hause möchte. Er schnappt sich sein Schiff, verabschiedet sich, auch von Carol, und reist zurück. Zu Hause erwartet ihn die Mutter, ohne Groll, schlafend.

1963 erschien in den USA das Bilderbuch "Wo die wilden Kerle wohnen" von Maurice Sendak. Ein Erfolg, aber auch ein Buch, das viele Diskussionen nach sich zog. Der amerikanische Autor Dave Eggers nutzt für seine Kinderbuchadaption zwar die originale Grundhandlung Sendaks und die Idee, dass das Kind in die imaginäre Welt der Fantasie flüchtet, erfindet aber Figuren und Erzählstränge hinzu. Maurice Sendak hatte die Nachbarskinder in Brooklyn beobachtet und so entstand die Idee für sein berühmtes Bilderbuch. Er weiß, dass Kinder bereits in frühen Jahren mit störenden Emotionen leben und gegen ihren Frustrationen ankämpfen. In seiner Dankesrede zur Verleihung der Caldecott-Medaille 1964 sagte Sendak: " Ihre Phantasie ist es, die Kinder zur Katharsis befähigt. Sie ist das beste Mittel, das sie haben, um die wilden Kerle zu zähmen."

Zehn Jahre hat die Entwicklung des Spielfilms in Anspruch genommen, der nun in unseren Kinos zu sehen ist. Doch wie kann eine Filmhandlung aus einem Bilderbuchtext mit gerade mal 340 Wörtern entstehen. Dave Eggers und Regisseur Spike Jonze haben den Stoff erweitert und später schrieb Dave Eggers das Kinderbuch in Anlehnung an den Film.
Die Reise zu den wilden Kerlen verändert Max im Innersten, denn er sieht sich in Carol und seinen ungestümen, anarchischen Attacken und naiven, wie unmöglichen Wünschen gespiegelt. Als König vermag Max keine Ordnung in den wilden Haufen von zubeißenden, raufenden und chaotisch denkenden Monstern zu bringen. Er begreift langsam, wie komplex die Beziehungen der Monster untereinander und zu ihm sind. Eine Erfahrung, die ihn reicher macht und nach Hause fahren lässt. Angereichert mit vielen Dialogen, aktuellen Alltagsbeobachtungen und Beschreibungen, konzentriert sich der literarische Text aber doch sehr auf den Diskurs zwischen den Monstern und Max. In den Gesprächen offenbaren sich die Parallelen zu Max' Gefühlslage und seinen Ungeheuerlichkeiten.

Bleibt die Frage, ob Kinder damit nicht überfordert sind. Neben all den actionreichen Szenen schwingt eine Melancholie, in der auch Verluste anklingen, mit. Leser im magischen Alter lassen sich auf jeden Fall von dieser Geschichte zwischen Realität und Fiktion fesseln, auch wenn sie nicht alle Erzählebenen erfassen. In gewisser Weise sind Film wie Buch Reflexionen über die Kindheit und somit kann auch jeder Erwachsene, der sich auf dieses Thema einlassen will, eine Reise in die eigene Vergangenheit unternehmen. Nicht umsonst hatte der Regisseur Spike Jonze gesagt: " Ich wollte keinen Kinderfilm machen, sondern einen Film über die Kindheit." Das ist ihm und seinem Drehbuchautor Dave Eggers auf wunderbare Weise und frei von Klischees gelungen.

Fazit:

Auch nach über 40 Jahren bleibt die Faszination für "die wilden Kerle" erhalten. Die Geschichte erzählt davon, dass eine Kindheit ohne Anarchie keine Kindheit ist. Kinder brauchen diese Ungeheuerlichkeiten, um richtig erwachsen zu werden. Dave Eggers hat Sendaks Grundidee sensibel aktualisiert und eine nachdenkliche, wie aktionsreiche Handlung gesponnen.

Karin Hahn

 

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