Als Opa alles auf den Kopf stellte

Erschienen: April 2010

Couch-Wertung:

86%
Idee
Bilder
Text

Idee

Die 11-jährige Kenzie zeigt vorbildlich, welchen besonderen Stellenwert Familie und Kindheit haben

Bilder

mit Vignetten von Martina Badstuber

Text

Kenzies Leben und ihre Sicht auf die veränderten Umstände ziehen den Leser in den Bann: Man muss einfach weiterlesen. Übersetzt aus dem Englischen von Gabriele Haefs

Leser-Wertung

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Kinderbuch Couch
Oh Schreck, Opa ist weg!!

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Apr 2010

Seitdem Opa von der Leiter gefallen ist, herrscht im Hause von Kenzie, Tahlia und Opa ein ungewollter Rollentausch: die beiden Enkelinnen müssen sich um Haushalt und Essen kümmern und immerzu darauf achten, dass Opa nicht das Weite sucht! Besonders Kenzie ist gefordert, und das Tag und Nacht...

Endlich Ferien! Kenzie und ihre Schwester Tahlia haben sich auf die freie Zeit so sehr gefreut. Kenzie will ihre Tricks und Stunts üben, denn wenn sie im nächsten Jahr auf die Highschool kommt, möchte sie cool sein. Thalia hingegen verbringt jede freie Minute vor dem Spiegel oder im Balettstudio. Ihre ständigen "Mentakles" (mental durchgeknallte Spektakel, nahe dem Nervenzusammenbruch) nerven die jüngere Schwester, die unter den Hormonschwankungen der Großen zu leiden hat. Alles läuft also wie immer, doch dann ändern sich ihre Ferienpläne schlagartig, als Opa von der Leiter fällt und bewusstlos am Boden liegenbleibt.

Als er wieder zu sich kommt, kann er sich nicht an den Sturz erinnern und findet keine richtige Erklärung für die Gründe. Voller Sorge rufen die Enkelinnen einen Krankenwagen und fahren Opa ins Krankenaus. Doch bis auf ein geprelltes Bein scheint es ihm gut zu gehen. Und trotzdem steht plötzlich eine Sozialarbeiterin in Opas Krankenzimmer.

Opa ist seit dem Tod von Kenzies und Tahlias Eltern der Erziehungsberechtigte und da er zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben muss, brauchen die beiden einen anderen Erwachsenen, der auf sie aufpasst. Lydia, ihre 26-jährige Halbschwester, ist sofort zur Stelle. Doch Zuhause bei Opa traut Lydia ihren Augen kaum: im ganzen Haus herrscht das Chaos, es türmen sich Berge von dreckigem Geschirr, vergammeltes Essen steht im Kühlschrank. Opa scheint schon seit Langem nicht mehr fähig, für seine Enkelinnen zu sorgen ... Lydia ist entsetzt und redet sogar davon, Opa in ein Heim zu schicken. Doch das lassen sich Kenzie und Tahlia nicht bieten; sobald Opa wieder daheim ist, werden sie es allen zeigen. Keiner soll ihre kleine Familie auseinanderreißen!

Der neue Alltag mit Opa aber verlangt von den beiden Mädchen eine Menge Arbeit, Zeit und Kraft. Ständig versucht er das Haus zu verlassen, redet wirres Zeug und kann sich zum Schluss selber gar nicht mehr erinnern, was passiert ist. Kenzie und Thalia stellen einen Bewachungs-Plan und ein Alarmsystem auf: Opa muss nun rund um die Uhr beaufsichtigt werden. Zu allem Übel hat Opa seine Kreditkarte verloren, die Essensvorräte sind zur Neige gegangen. Hier stecken die beiden Mädchen in einer echten Zwickmühle, denn niemand darf erfahren, dass die Rollen getauscht wurden und nun zwei Kinder die Verantwortung über ihr eigenes Leben und noch dazu für das eines alten, dementen Mannes haben! Besonders Kenzie ist mit dieser Belastung überfordert und fragt sich ängstlich, wie es weitergehen soll...

Es kommt, wie es kommen muss: In einem unachtsamen Moment ist Opa durch den Lüftungsschacht aufs Dach geklettert. Kenzie muss schnell handeln. Sie wendet ihren besten Stunt-Trick an und bindet ein Seil um Opa, der immer weiter vom Dach rutscht. Warum muss gerade jetzt Lydia zu Besuch kommen und sehen, wie es um Opa steht??

Marianne Musgrove gelingt es auch in ihrem zweiten Kinderbuch, eine tiefgründige Geschichte über unerwartete Wendungen einer Kindheit zu erzählen. Sie schildert bewegend und trotzdem unterhaltsam die Geschichte der 11-jährigen Kenzie, dessen Kinderleben sich von einer Minute auf die andere schlagartig ändert. Ähnlich wie die Hauptfigur Jule in Musgroves erstem Kinderbuch Jules Zauberbaum ist Kenzie ein sensibles Mädchen, das sich der familiären Last annimmt und es allen recht machen möchte. In der Ich-Perspektive nimmt Kenzie den Leser mit auf ihren Spagat zwischen Kindheit und dem Erwachsenwerden. Sie beschreibt aus ihrer Sicht, wie sich ihr Leben mit einem Schlag verändert.

Opa ist alles zuzutrauen. Viele junge Leser werden mit den Themen Alter, Demenz und Krankheit wenig vertraut sein und werden in diesem Buch mit unbekannten Ereignissen konfrontiert. Dank der kindgerechten Schilderungen können sie die die "Endlosschleife", die sich immer mehr zuspitzt, gut nachvollziehen. Von Anfang an in das Geschehen involviert, können sich in Kenzies Gefühle hineinversetzen und werden dadurch zum Weiterlesen gefesselt.

Ungerechtigkeit und Überforderung bilden in diesem Buch zwei weitere Problemfelder, mit denen Kenzie bei der Betreuung von Opa konfrontiert wird. Ihre pubertäre Schwester Tahlia schafft es immer wieder, sich mit Charme und Schlagfertigkeit den gemeinsamen Aufgaben zu entziehen. Spannung wird erzeugt, denn hiermit wird Kenzies Druck, als alleinige Hauptperson für das Wohl der Familie verantwortlich zu sein, weiterhin gesteigert. Kenzies ausführliche Beschreibungen helfen den jungen Lesern, ihre, für sie sicherlich unbekannten, Aufgaben zu verstehen. Dies weckt Empahtie bei dem jungen Lesepublikum und nicht selten wird es ihnen wohl auch ebenso mulmig zumute sein, wie Kenzie. Dennoch gelingt es Musgrove, den Fokus auf Kenzie beizubehalten und verliert sich nicht in der Problematik der Demenz und der damit verbundenen Pflege. Im Mittelpunkt stehen ganz eindeutig Kenzies Zuversicht und ihre Kämpfernatur. Mit ihrem Ideenreichtum und ihrem Selbstbewusstsein zeigt sie sich stets tapfer und optimistisch. Sie zeigt, dass Fürsorge und Liebe auch im Leben eines noch sehr jungen Menschen einen besonderen Stellenwert haben und ist, ohne dass es vordergründig so wirkt, eine authentische Identifikationsfigur mit Vorbildcharakter.

Am Ende beschert die in Australien lebende Autorin den beiden Mädchen einen gerade noch glimpflichen Ausgang. Realitätsnah und harmonisch entlässt Marianne Musgrove ihre Leser/innen und es bleibt die Gewissheit, dass für alle gut gesorgt ist. Und Kenzie kann endlich wieder Kind sein!

Fazit:

Marianne Musgrove gelingt es, eine spannende und gleichzeitig berührende Geschichte aus Sicht der 11-järhigen Kenzie zu erzählen. Mitreissend zeigt Kenzie die Grenzen ihrer Kindheit und damit ihrer eigenen Belastbarkeit auf.
Dank Musgroves lockerem Erzählton, der frei von Selbstmitleid ist, können die Leser durch Kenzies Erfahrungen auf unmissverständliche Weise ihren Horizont erweitern und werden zum Nachdenken angeregt. Es ist fesselnd, wie es Kenzie gelingt, den Alltag zu meistern - aller familiären Lasten zum Trotz.

Ina Kolöchter

 

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