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Ute Krause schafft es schnell Sympathie für ihre abwechslungsreichen, witzigen und teilweise klischeehaften Figuren aufzubauen. Die kreative Umsetzung einer Zeitreise gepaart mit orientalischer Kultur ist sehr gelungen.

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Illustrationen finden sich in erster Linie am Anfang jedes Kapitels und sind von der Autorin gezeichnet. Sie sind eine Verbindung aus erstem Buchstaben und einer passenden Szenerie zum folgenden Inhalt.

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Die Geschichte wird durch viele Dialoge lebendig und verschiedene Sprachstile geben den Charakteren Persönlichkeit.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jun 2010

Als Anton die Flasche mit dem Dschinn Osman entdeckt, hat er keine Ahnung, was bald auf ihn zukommen wird. Der Dschinn kann Wünsche erfüllen, aber das ist gar nicht so einfach. Alles geht schief und plötzlich werden Osman, Anton und seine Schwester über 300 Jahre in die Vergangenheit katapultiert. Dort erleben sie spannende Abenteuer, begegnen großen Gefahren und schließlich ist es sogar ungewiss, ob sie je wieder in ihre eigene Zeit zurückkehren können.

Alles beginnt damit, dass im Kühlschrank eine leere Packung Milch steht. Anton Metzger macht sich in seiner neuen Heimatstadt Wien auf die Suche nach einem Geschäft, um neue Milch zu kaufen und landet in einem kleinen Krämerladen. Während er an verwinkelten Regalen vorbeiläuft, hört er im hinteren Teil des Ladens ein Piepsen. Neugierig geworden, versucht er die Ursache für dieses Geräusch zu finden und entdeckt hinter einigen Getränkeflaschen eine blaugoldene, staubbedeckte Flasche. Ganz aufgeregt versteckt er die Flasche in seinem Hosenbund und schmuggelt sie aus dem Laden nach Hause.

Dort erwarten ihn das alte ziemlich baufällige Häuschen, das sein Vater von Tante Ellie geerbt hatte, seine ältere Schwester Fanni (genannt Knödel), die fröhlich vor sich hin pubertiert, und seine Eltern, die sich auf Grund der "Bauruine" ständig in den Haaren liegen.
Anton mogelt sich möglichst schnell an seiner Familie vorbei in das Badezimmer und schließt sich ein. Aufgeregt entfernt er den Korken der Flasche. Daraus steigt eine Rauchwolke empor, die sich in einen dicken Mann mit Pluderhose und Turban namens Osman verwandelt.

Antons Familie findet schnell alles über den ungebetenen Gast heraus und sofort ist klar, was er ist und welche Fähigkeiten er hat: Er ist ein Flaschengeist und kann seinem Meister, also Anton, Wünsche erfüllen. Der erste Wunsch wird auch sofort von Antons Vater an ihn herangetragen: Die Bruchbude in eine fertige Villa zu verwandeln. Gesagt, getan und Osman verwandelt Tante Ellies Haus in ein schickes türkisches Badehaus mit allem möglichen Prunk; jedoch ohne Stromanschlüsse, weil dem Dschinn Elektrizität unbekannt ist. Während die Familie Osman umgarnt und mit türkischen Leckereien verwöhnt, findet Anton eine traurige Geschichte über den Dschinn heraus: Im Jahr 1683 war Osman schon einmal der Diener eines Herren; um genau zu sein von Mehmed Ali, dem ersten Leibeigenen des Großwesirs des Osmanischen Reiches, Kara Mustafa. Damals belagerten die Türken die Tore vor Wien und führten Krieg. Der Sultan hatte einen Boten geschickt, um die Belagerung abzubrechen, doch der Großwesir war machthungrig und ignorierte den Befehl. Mehmed Ali wollte heimlich aus dem Lager reiten, um den Sultan über diesen Verrat zu informieren. Der Dschinn sollte ihn dabei beschützen. Weil dieser jedoch generell sehr träge ist, verschlief er seinen Einsatz, sodass Mehmed Ali starb. Der Großwesir sperrte Osman in seine Flasche und versenkte ihn für mehrere hundert Jahre auf dem Grund der Donau.

Anton macht sich über diese Geschichte einige Gedanken, während ihn seine Familie zum zweiten Wunsch nötigt, nämlich Steckdosen im Haus zu verlegen, was leider auch schief geht. Nun will Anton wissen was Osman sich wünschen würde. Gerade als seine Schwester ins Zimmer kommt, offenbart der Dschinn, dass er sich nichts sehnlicher wünscht, als seinen damals begangenen Fehler wieder zu korrigieren. Ohne nachzudenken, gewährt Anton ihm dies und - PENG - alle der Anwesenden werden sofort in das Feldlager des Großwesirs ins Jahr 1683 katapultiert.

Dort beginnt nun das eigentliche Abenteuer der beiden Kinder: Sie können nur zurück in ihre eigene Zeit, wenn der Wunsch von Osman erfüllt ist: Sie müssen versuchen, die Nachricht an den Sultan aus dem Lager zu schmuggeln, ohne dass Mehmed Ali verdächtigt wird. Dabei stoßen sie natürlich auf einige Schwierigkeiten und müssen auch noch feststellen, dass der Dschinn ihnen eine wichtige Information vorenthalten hat...

Ute Krause hat mit ihrem Buch "Osman - der Dschinn in der Klemme" eine sehr spannende Geschichte verfasst, die Gegenwart und Zukunft ineinander verwebt. Immer wieder tauchen Verbindungen zwischen dem heutigen und dem damaligen Wien auf, die Geschichte Wirklichkeit werden lassen. Thematisch werden die Aspekte Familie, Krieg und orientalische Kultur sowie Wünsche und Zeitreisen angesprochen. Die Inhalte über das familiäre Zusammenleben finden sich in der Lebenswirklichkeit von Kindern wieder, sodass sie Rollen und Handlungssituationen kennen bzw. sich damit identifizieren können. Auch die großen und kleinen Wünsche des Lebens sind gerade den jüngeren Lesern hinreichend bekannt, doch kann jeder einige gute Schlüsse aus Antons Erfahrungen über das Wünschen ziehen. Die drei anderen Themen sind je nach Wissensstand des Kindes mehr oder weniger bekannt, sind aber leicht verständlich in die Geschichte eingebaut.

Sprachlich ist das Buch sehr ansprechend sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Es baut im Allgemeinen auf einfachen Satzstrukturen auf, hält aber für die einzelnen Charaktere verschiedene Stile und Ausdrücke bereit. Zum Beispiel bedient sich Antons Schwester Knödel des Öfteren jugendlichen Slangs, wohingegen sich der Dschinn eher altmodisch und gewählt ausdrückt.

Die Geschichte wird von Ute Krause durch ihre kreativen und interessanten Charaktere belebt. Mit ihrer Hauptperson Anton hat sie eine sehr gute Identifikationsfigur für Kinder geschaffen. Er kämpft zunächst mit alltäglichen Problemen, die viele Kinder gut nachvollziehen können, wie etwa dem Umzug in eine neue Stadt, einer größeren pubertierenden Schwester, die er so gar nicht verstehen kann, oder sich zankenden Eltern. Doch plötzlich wird er in ein spannendes Abenteuer hineingezogen, das viele neue und unbekannte Aufgaben sowie fantastische Ereignisse für ihn bereithält. Bei all dem hat er ein großes Herz und weist vorbildliche Charaktereigenschaften auf. Er stellt seine eigenen Wünsche zunächst für seine Familie und später für Osman zurück. Er ist hilfsbereit und setzt sogar sein Leben für einen anderen aufs Spiel. Doch als er erfährt, dass Osman ihn betrogen hat, verliert er die Fassung. Alles in allem ist er jedoch eine sehr selbstlose Persönlichkeit, die sich für andere einsetzt.

Auch Antons Schwester Fanni ist ein interessanter Charakter, der eine Persönlichkeitsentwicklung durchläuft. Sie wandelt sich vom schönheitsfixierten Teenager ohne Verantwortungsgefühl zu einem jungen Mädchen, das sich für andere einsetzt, Pflichtbewusstsein entwickelt und sich vielleicht auch ein kleines bisschen in Mehmed Ali verliebt. Sie übernimmt Antons misslungenen Auftrag und entwickelt sogar eine gewisse Liebe und Verantwortung für ihren kleinen Bruder.
Der Dschinn hingegen vereint eher schlechte Eigenschaften in sich. Er bringt jedoch durch sein pummeliges Aussehen, seine Trägheit und sein verfressenes Wesen einiges an Witz in die Geschichte.

Humor steht in Ute Krauses Roman jedoch nicht im Vordergrund, da sich der Großteil der Handlung in einer Kriegsszenerie abspielt. Trotzdem finden sich einige lustige Szenen die oft auf Skurrilität basieren. Zum Beispiel beginnt der Dschinn zunächst auf Türkisch mit Anton zu sprechen. Nachdem er merkt, dass dieser ihn nicht versteht, beginnt er die Aufschriften aller Hygieneartikel zu studieren, um festzustellen, welche Sprache Anton spricht. Des Weiteren werden einige Klischees aufgegriffen, die für Heiterkeit sorgen: Knödel lackiert sich lieber die Nägel, statt beim Hausbau zu helfen, der Vater ist ein enthusiastischer Heimwerker und Antons Mutter nörgelt ununterbrochen an allem herum. Außerdem sorgt Knödels Gurkenmaske im Heerlager für einige Verwirrung.

Die Illustrationen und das Coverbild des Buches hat Ute Krause sehr kreativ und ansprechend selbst gestaltet. Jedes Kapitel beginnt mit einem quadratischen Bild, das sowohl den Anfangsbuchstaben des ersten Wortes enthält als auch eine passende Szenerie zum kommenden Abschnitt. Auch Sinnabsätze oder das Ende von Kapiteln werden teilweise mit allgemein zur Geschichte passenden Bildern und Symbolen versehen, wie zum Beispiel zwei gekreuzten Krummsäbeln oder einer Moschee.

Der geschichtliche Bezug ist soweit er die Eckdaten betrifft korrekt. Auch einige Namen lassen sich historisch belegen. Es handelt sich um die zweite Wiener Türkenbelagerung, die von Juni bis September 1683 stattfand. Der Großwesir Kara Mustafa errichtete ein Zeltlager vor den Toren Wiens. Nach einiger Zeit der Belagerung erschien der Hofschatzmeister des Sultans mit der Nachricht, dass dieser bestürzt sei, über die Entscheidung der Belagerung Wiens. Trotzdem wurde sie weitergeführt. Die Botschaft, die darüber an den Sultan geschickt werden soll, ist jedoch reine Fiktion. Trotzdem wird der geschichtliche und kulturelle Rahmen gewahrt zum Beispiel durch die Schilderung des Lebens im Lager, die Religiosität der Soldaten, die vorhandene Sprachbarriere oder die türkische Lebensart. Das Ende der Geschichte bindet die Handlung wieder in ihren geschichtlichen Zusammenhang ein. Die Türken verlieren die Belagerung und der Großwesir Kara Mustafa wird auf Befehl des Sultans getötet, jedoch in Buch und Historie aus unterschiedlichen Beweggründen.

Über zwei Aspekte sollten sich Eltern und Pädagogen jedoch vor diesem historischen Szenario im Klaren sein. Zum einen kommen einige Begriffe und Zusammenhänge im Buch vor, die nicht näher erläutert werden. Darunter zählen unter anderem Worte wie Harem und Allah. Außerdem werden zum Beispiel die Themen Vielehe oder das tägliche Gebet gen Mekka angesprochen, jedoch nicht weiter erklärt. Es ist also gut möglich, dass Kinder während dem Lesen Fragen zur muslimischen Lebensweise oder Ähnlichem stellen, zu deren Beantwortung man sich am besten schon vorher ein paar Gedanken macht.
Zum anderen werden die Türken, als Belagerer von Wien, natürlich nicht mit den besten Eigenschaften belegt. Sie werden zum Teil als rachsüchtig, machtgierig, hinterhältig und kriegerisch geschildert. Natürlich finden sich in der Geschichte auch Ausnahmen von diesen negativen Wesenszügen. Jasmina, die Lieblingsfrau des Großwesirs, zum Beispiel wird als sehr liebenswürdig und intelligent beschrieben.

Fazit:

Ute Krause öffnet mit ihrem Dschinn Osman für Kinder eine Tür in die Vergangenheit. Sie kreiert eine grandiose Mischung aus Realität und Fiktion, Geschichte und Gegenwart. Mit Witz und ständigen Wandlungen im Verlauf der Geschichte wird ein anhaltender Spannungsbogen erzeugt. Kurz: Ein wunderbar historisch-phantastischer Roman für Kinder.

Anna Fleckenstein

 

Osman, der Dschinn in der Klemme

Osman, der Dschinn in der Klemme

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