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Die beiden Geschwister sind selbstbewusste, aber liebenswerte Schlitzohren, die wissen, wie man die Erwachsenen austricksen und das Unmögliche möglich macht.

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Die witzigen, einfachen s/w-Strichzeichnungen von Susanne Göhlich machen die Geschichte rund; die etwas nostalgisch anmutende Darstellung erinnert an die alten Klassiker – und das passt hervorragend zum Tenor der Geschichte.

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Situationskomik ganz auf Linie der Kinder: Kurze prägnante Sätze bereichern die Erzählung mit gelungenen Pointen. Dabei überzeugt nicht nur der Unterhaltungswert, sondern auch der Sprach- und Erzählstil auf ganzer Linie.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Aug 2010

Wie bekommt man ein Pony ungesehen am Portier vorbei, in ein Hotelzimmer - und wie schmuggelt man es heimlich in das Schlafwagenabteil eines Zuges? Ja, wie nur? Die Geschwister Annelie und Nicklas lassen sich auch von dem Unmöglichen nicht aufhalten: Sie wollen ihren Jasper unbedingt behalten!

Die elfjährige Annelie und ihr neunjähriger Bruder Nicklas finden, dass sie ganz schön Glück haben - sowieso, aber auch im Besonderen, denn ihre Tante Tinne lädt die beiden in die Hauptstadt Dänemarks ein, nach Kopenhagen. Die Eltern kennen ihre Sprösslinge nur zu gut und sind daher mehr als skeptisch, ob das wohl gut gehen wird. Schließlich hat die alleinstehende Tante Tinne keinerlei Erfahrung mit Kindern - zumindest verfügt sie über keine, die sich über mehrere Tage hinweg erstreckt.

Tante Tinne verspricht, jeden Tag eine Karte zu schreiben und die Kinder versprechen ganz brav zu sein.

Die drei schauen sich, nachdem sie in dem feinen Hotel "Kong Frederik" in Kopenhagen abgestiegen sind, so manches an - darunter auch den Zoo. Dort gibt es gerade eine große Lotterie, bei der man unter anderem ein echtes Pony gewinnen kann. Für Nicklas steht fest: Genau das muss er haben. Er kauft sich ein Los und weil Tante Tinne etwas von vielen, vielen Losen und so manchen Nieten erzählt hat, schaffen sie es noch, ein weiteres am Zeitungskiosk um die Ecke zu kaufen. Tante Tinne, die längst genug hat vom Zoo, kann gar nicht verstehen, warum die Kinder unbedingt wieder dort hin wollen. Doch kein Museum der Welt - hier geht Nicklas auch noch verloren und das nicht zum letzten Mal - kann die Kinder davon abbringen. Am Tag der Lotterieziehung gelingt es den kleinen Komplizen doch tatsächlich, die ahnungslose Tante Tinne auf einer Bank im Zoo zu "parken", während sie sich siegesgewiss aufmachen, um ihren Preis abzuholen. Und tatsächlich: Ihre Losnummer gewinnt das Pony!

Nun aber fangen die Probleme erst richtig an. Wie bekommen Annelie und Nicklas das süße Zwergpony mit Namen Jasper ins Hotel? Und überhaupt, wie bekommen sie es nach Hause - ohne dass ihre Tante etwas davon bemerkt?

Erst muss Annelie verloren gehen - die arme Tante ist vollkommen außer sich -, dann muss der Portier ausgetrickst werden, und schließlich wird der Wandschrank als Stall für Jasper umfunktioniert. So weit so gut. Doch die Hotelgäste beschweren sich über das laute Trampeln in Nicklas und Annelies Zimmer und das Reinigen des "Stalls" ist auch so ein Problem. Dann vernimmt Tante Tinne kurz vor ihrer Abreise ein lautes Wiehern aus dem Schrank und nimmt den Kindern tatsächlich ab, dass dies der betrunkene Portier ist, der sich dort eingeschlossen hat. Portier und Direktor erhalten von der plötzlich sehr energischen Tante eine gehöre Gardinenpredigt und würde das dem armen Tantchen nicht als Aufregung schon reichen, muss sie auch noch feststellen, dass ihr großer Schrankkoffer ganz ohne ihre Kleidung zum Bahnhof gebracht wurde. Und wo ist jetzt Nicklas abgeblieben?

Man kann sich nur wundern, dass die Tante über die gesamte Reise hinweg nicht ahnt, was die beiden Kinder wirklich umtreibt. Nicht einmal, als Nicklas allein im Pyjama an einem Bahnhof mit einem Pony steht, das gerade aus dem Zug hinausbefördert wurde, fällt bei der Tante der Groschen. In ihren täglichen Grußkarten, die sie an die Eltern der beiden Kinder schickt, finden wir so auch immer ihre Version der Vorfälle, die sie doch arg beschönigt. Dabei gibt sie jedes Mal eine schöne Aussicht auf den nächsten Urlaubstag, doch ganz richtig ergänzt Autorin Gunnel Linde: "Das war, was Tante Tinne am Dienstag... glaubte."

Obwohl die schwedische Erfolgsautorin in ihrer Geschichte die Erzählerperspektive einnimmt, schaut sie doch durch die Augen der Kinder und schildert auf diese Weise deren reichlich verwegene Einfälle. Herrlich naiv und doch ganz unverfälscht erfahren wir von Dingen, die einfach witzig sind, weil sie so nur der kindlichen Logik entspringen können: So schreiben Anneliese und Nicklas mit der Hotelseife (die Nicklas die ganze Zeit mit sich herumträgt) an die Hauswand "kauft Lose" und überlegen. Wenn nämlich viele Leute die Lose kaufen würden, dann würde es ja ihre Chancen verschlechtern. Also schreiben sie lieber "keine" dazu ... allerdings denken sie keine Sekunde daran, dass dort gar nicht steht, welche Lose gemeint sind. Sie ziehen ihre Schuhe aus, gehen barfuß über Kopenhagens Bürgersteige, weil Nicklas meint, dass doch irgendetwas anders sein müsse, wenn man den Boden eines fremden Landes betritt. Das kann man ja schließlich nicht durch die Schuhe hindurch fühlen.

Natürlich sind die beiden ihrer etwas schrulligen Tante gegenüber, die ausnahmslos blaue Kleider trägt, mit allen Wassern gewaschen. In Gunnel Lindes Geschichte sind ganz klar die Kinder die Gewinner. Die schwedische Autorin stellt die Erwachsenen allesamt - mit Ausnahme der Mutter - ein wenig steif und unbeholfen dar. Sie scheinen so sehr mit ihren "erwachsenen" Dingen beschäftigt zu sein, dass sie gar nicht begreifen, was sich direkt unter ihrer Nase abspielt. Ein Blickwinkel, der Kinder amüsiert. Zeigt doch das kluge Verwirrspiel der Kinder, wie sehr sie von der Erwachsenenwelt unterschätzt werden. Voller Spannung verfolgen sie den fast unmöglichen Coup der beiden.

Vor allem Gunnel Lindes Sprache macht ihnen das Mitfiebern und das Schmunzeln leicht. Nicht nur die Situationskomik ist ganz auf der Linie der Kinder, auch die kurzen, prägnanten Sätze bereichern die Erzählung mit gelungenen Pointen.

"Mit Jasper im Gepäck" - das schon durch sein Cover an die alten Klassiker von Erich Kästner oder Astrid Lindgren erinnert - sind Kinder auch unterwegs, etwa im Urlaub, bestens unterhalten. Dabei begeistert nicht nur sein Unterhaltungswert, auch der Sprach- und Erzählstil Gunnel Lindes hat mich auf ganzer Linie überzeugt. Es lässt sich wunderbar flüssig lesen, hat eine durchweg unbeschwerte Grundstimmung und eignet sich perfekt zum Selberlesen für Kinder ab acht Jahren. Wenn man es vorlesen möchte, ist es bereits für Siebenjährige eine tolle Lektüre!

Das erstmals 1972 mit dem schwedischen Titel "Med Lill-Klas i kappsäcken" erschienene Buch der schwedischen Erfolgsautorin liest sich wie ein zeitloser Klassiker und es würde mich nicht wundern, wenn die deutsche Erstauflage "Mit Jasper im Gepäck" bei uns auch bald zum Klassiker wird. Der Gerstenberg Verlag veröffentlicht dieser Tage einige der erfolgreichen Kinderromane der schwedischen Autorin - unter anderem auch "Hilfe! Ich bin ein Werwolf!", das ebenfalls erstmals 1972 in Schweden erschien. (Buchbesprechung dazu ebenfalls auf der Kinderbuch-Couch).

Fazit:

Gunnel Lindes unbeschwerte und zeitlose Verwicklungskomödie um ein Zwergpony ist einfach köstlich! Schon die beiden Helden Annelie und Nicklas, mit absolut guten Nerven und jeder Menge schräger Ideen, werden Kinder für sich einnehmen; doch die herrliche Situationskomik in diesem Buch wird sie, egal ob Junge oder Mädchen, restlos mitreißen.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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