Couch-Wertung:

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Idee
Bilder
Text

Idee

Das chaotische Zusammenleben und der liebevolle Umgang mit dem alleinstehenden Papa werden aus der unbefangenen Sicht des kleinen Jonas erzählt. Lustig und absolut zeitgemäß.

Bilder

Pastellige Töne und Figuren mit sympathischem Wiedererkennungswert begleiten die Geschichte.

Text

Locker, leicht, lustig und trotzdem mit ausreichend Tiefgang. Trotz schwieriger Thematik gelingt es zwischen den Zeilen Werte zu vermitteln.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Sep 2010

Selten thematisiert ein Buch über getrennt lebende Eltern oder Patchworkfamilien das Zusammenleben mit dem alleinstehenden Papa. Hier wird es aus der unbefangenen Sicht des kleinen Jonas erzählt, der uns von seinem ungewöhnlichen Männerwochenende berichtet.

Jonas Eltern leben getrennt. Als der Junge am Wochenende zum Männerwochenende bei seinem Papa eintrifft, hat dieser bereits etliche Katastrophen hinter sich. Morgens ist der Toast angebrannt, danach hat er beim Einkaufen im Supermarkt sein Geld vergessen und beim Mittagessen ist die Spaghetti-Soße explodiert. Jonas ist besorgt, denn sein Papa ist wirklich vom Pech verfolgt und bekommt immer öfter ein enttäuschtes Knautschgesicht. Als schließlich Jonas´ Lieblings-Spiderman-Tasse zu Bruch geht und sich sein Vater, beim Versuch Kakao und Scherben zu entfernen, ganz doll schneidet, beschließt Jonas mit seinem Papa die Rollen zu tauschen. Damit er sich einfach mal einen Tag von all den Katastrophen erholen kann. Gesagt getan. Jonas wird zu Jonas-Papa und Papa wird zu Papa-Jonas.

Papa findet schnell Vergnügen an allen Jonas-Sachen und Jonas erledigt ausnahmsweise alle Papa-Angelegenheiten. Alles läuft zunächst wie geschmiert. Doch dann fragt sich Papa-Jonas, ob er sich wohl rasieren darf, obwohl er ja eigentlich zu jung dafür ist. Der echte Jonas kommt in Schwierigkeiten, als er müde wird und natürlich nicht vor seinem Vater ins Bett gehen kann, weil dieser immer noch so lange fernsehen guckt. Währenddessen genießt es Papa-Jonas einmal Kind zu sein. Er lässt Pups-Blasen in der Badewanne aufsteigen, baut Eisenbahn-Landschaften und lässt sich das Essen servieren. Doch wer bekommt nun welche Pizza?

Als die beiden ein Eis im Park essen wollen wird Jonas-Papa auf eine harte Probe gestellt. Er erkennt, dass es sich bei dem peinlich knutschenden Pärchen vor ihnen in der Schlange an der Eisbude um seine Mutter und einen fremden Mann handelt. Er hat gar keine Lust diesem Fremden die Hand zu geben. Und seine Mama bekommt so eine seltsame Gesichtsfarbe. Papa-Jonas rettet die Situation zwar souverän, trotzdem trotten die beiden ziemlich betrübt zurück in ihr Männer-Zuhause.

Dort angekommen, resümieren die beiden bei Knäckebrot den Tag und stellen fest, dass es gut war zu tauschen. Trotzdem sollte nun aber wieder alles beim Alten sein. Schließlich kann der Papa-Jonas ja nicht die ganze Woche bei Mama wohnen. Mit einem Papa-Spruch schickt Jonas seinen Vater ins Bett, maßregelt ihn noch ein wenig beim Zähneputzen und dann wird zurückgetauscht. Gerade noch rechtzeitig, denn Papa ist doch der bessere Gute-Nacht-Geschichten-Vorleser.

Früher wurden getrennt lebende Mütter auch in Kinderbüchern häufig als stetig wirbelnde aber traurige Seelchen dargestellt. Heutzutage sind sie Karrierefrauen mit Durchblick. Was dazu führt, dass der alleinstehende Papa immer öfter als ungeschickt und ein wenig lebensunfähig dargestellt wird. Nämlich so, wie in "Papa, Jonas und der Tauschsonntag" . Das nervt und geht manchmal so weit, dass Kinder die unglückanziehende, tollpatschige Art des ehemaligen Familienoberhauptes eher verunsichert als dass es sie zum Lachen bringt.

Glücklicherweise hat Ruth Löbner ihrer Geschichte noch rechtzeitig die entscheidende Wendung gegeben, indem sie dem ungeschickten Papa Charakter gegeben und einen unheimlich verständnisvollen Sohn an die Seite gestellt hat. Dieser kleine Sympathieträger nimmt bereits vor dem Rollentausch eine sehr erwachsene Haltung ein: er sorgt sich um seinen Papa, der zwar tollpatschig ist, aber konsequent liebe- und verständnisvoll. Jonas ist durchgehend entschlossen und überzeugt von seinen Aktionen, aber auch sehr sensibel und am Wohl seines Papas interessiert. Man merkt, dass beide sich sehr lieben und trotz aller Unzulänglichkeiten ganz viel Spaß miteinander haben.

Die Idee des Rollentauschs unter Generationen ist nicht neu, aber mit viel Sinn für Humor umgesetzt. Mit großer Genugtuung werden Kinder lesen, dass der Papa mit seinen eigenen (hohlen) Sprüchen in so mancher Situation von seinem Sohn in die Schranken gewiesen wird. Man fühlt aber auch mit Jonas mit, wenn er eigentlich gerne ins Bett (in welches eigentlich?) gehen würde und dann auch noch selbst vorlesen muss, weil er ja nun der Große ist.
Insgesamt ist die Tauscherei sehr lustig aber manchmal auch ein wenig verwirrend. Dann helfen die kleinen, frischen Bilder, um wieder einzusteigen. Beinah jede Doppelseite zeigt eine Figur oder einen für die Geschichte wichtigen Gegenstand, damit kleine und große Zuhörer auch viel zu sehen haben. Die Illustratorin, Sabine Büchner, hat es geschafft den etwas schlaffen Papa durchaus sympathisch darzustellen und auch der Sohn hat etwas liebevoll-freches mit hohem Wiedererkennungswert (was nicht nur an den scheinbar vererbten Spitzohren liegt). Mit pastelligen Tönen zeigt sie das gemütliche Chaos der beiden an ihrem Männerwochenende.

An Qualität gewinnt die Geschichte um die kritische Situation im Park herum, als Jonas seine Mutter küssend mit einem fremden Mann "ertappt" und total verwirrt ist. Der Papa-Jonas reagiert absolut geistesgegenwärtig und auch ein wenig weise. Seine Reaktion ist es, die die Situation nicht eskalieren lässt. Jonas zieht sich mit einem väterlichen "darüber sprechen wir noch" zurück. Damit kann er sich zwar offensichtlich beleidigt, aber doch wirkungsvoll hinter seiner Tauschfassade zurückziehen. Das lässt ihm Zeit in dieser kritischen Situation nachzudenken ohne sein Gesicht zu verlieren. Ruth Löbner zeigt hier, wie man als Vater mit der neuen Beziehung der Mutter seiner Kinder umgehen kann, ohne die Kinder zu belasten.

Nach vielen witzigen Dialogen, kleinen Missverständnissen und Überraschungen endet das Buch schließlich sehr versöhnlich. Ganz diplomatisch erreicht der Vater den Rollenrücktausch; rechtzeitig zum zärtlichen Abendritual, wo sich beide gegenseitig bestätigen, was für tolle Väter sie sind.

Das Buch zeigt, wie wichtig es trotz Altersunterschied ist, den anderen Ernst zu nehmen und Zeit miteinander zu verbringen. Da ist es dann auch egal, wie chaotisch ein Haushalt ist oder wie perfekt sich ein Elternteil verhält.

Fazit:

Ein kurzweiliges Lesebuch, das nicht nur für Kinder getrennt lebender Eltern geeignet ist, sondern als witzige Kinderliteratur in die heutige Zeit passt. Trotz schwieriger Thematik gelingt es Ruth Löbner, zwischen den Zeilen ganz locker Werte zu vermitteln.

Gabriele Jansen

 

Papa, Jonas und der Tausch-Sonntag

Papa, Jonas und der Tausch-Sonntag

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