Wie der Elefant die Freiheit fand

Erschienen: September 2010

Couch-Wertung:

86%
Idee
Bilder
Text

Idee

Ein schöne, aber auch nachdenklich stimmende Tiergeschichte, zum Thema Mut und Selbstvertrauen, das große Anerkennung verdient und in Erinnerung bleibt.

Bilder

Die Zirkuswelt einmal nicht bunt und glitzernd sondern interessant und weltoffen dargestellt. Die Bilder des preisgekrönten Illustrators Gusti überzeugen durch die einprägsame Mischung von Aquarell-und Collagen-Technik.

Text

Der gut verständliche Text ist stellenweise etwas schwierig für 3-bis 4 Jährige, verdient es aber, erklärt zu werden.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Sep 2010

Warum sprengt ein ausgewachsener Zirkuselefant mit seinen unglaublichen Kräften nicht seine Ketten und läuft davon? Diese Frage stellt sich der Erzähler und berichtet uns von seiner Suche nach einer Antwort. Er gibt nicht auf, bis er schließlich einen weisen Mann trifft, der ihm eine erstaunlich einfache Erklärung liefert.

Aber zunächst beobachtet er die gewaltigen Tiere und wundert sich, dass ein kleiner Pflock diese mächtigen Vierbeiner hindert, zu gehen. Er befragt seine Lehrer, seine Mutter und seinen Onkel die sämtlich antworten, dass der Dickhäuter eben gezähmt sei. Doch wozu benötigt er dann einen Pflock und eine Kette, wenn er ohnehin nicht weglaufen wird? Diese Frage blieb stets unbeantwortet.

Es dauerte Jahre bis ein indischer Gelehrter ihm erklärte, dass der Elefant denkt er könne nicht gehen. Denn als kleiner Elefant hat er immer wieder versucht sich loszureißen und nie Erfolg gehabt. Für das junge Tier war die Kette einfach zu schwer und der Pflock saß zu tief. Er nahm also schließlich hin, dass er sich nicht befreien kann. Auch als ausgewachsenes Tier, war er fest davon überzeugt, dass der Pflock ihn fest hält und aus Angst enttäuscht zu werden, hat er nie wieder probiert seine Kräfte einzusetzen.

Von nun an träumt der Junge davon, dass eines Tages der Elefant es erneut versucht und tatsächlich schafft, um dann in Freiheit aber voller Überzeugung mit dem Zirkus weiter zu ziehen.

Zwischen den Zeilen dieser Parabel aus der Zirkuswelt ist viel über Selbstvertrauen und Mut zu lesen. Der Junge ist sich ganz sicher, dass der Elefant es schaffen würde sich zu befreien, würde er es nur noch einmal probieren. Er spricht dem Tier Mut zu. Denn er ist davon überzeugt: wenn man etwas wirklich will, dann wird man es auch schaffen. Damit fordert der argentinische Bestsellerautor auf, nicht aufzugeben, es immer wieder zu probieren und das Ziel niemals aus den Augen zu verlieren.

Diese Geschichte, ursprünglich eine von unzähligen selbst ausgedachten Zubettgeh-Geschichten für Bucays Kinder, kommt zunächst ein wenig traurig daher. Es trifft schon tief zu sehen, wie der kleine Elefant weinend an seinen Ketten zerrt um sich zu befreien. Und der Tag an dem er schließlich sein Schicksal akzeptiert, den Zirkus für immer begleiten zu müssen, wird als der traurigste Tag im Leben dieses kleinen Dickhäuters beschrieben.

Die einprägsamen Zeichnungen des bekannten brasilianischen Illustrators Gusti tragen dazu bei, dass man zwischen Begeisterung für das Zirkusleben und der Ablehnung des manchmal traurigen Lebens außerhalb der Manege hin und her gerissen wird. Unzählige kleine Details, die die Hauptfiguren umgeben, illustrieren das bunte Zirkusleben und machen neugierig auf die folgenden Seiten. Insbesondere das Heimatlose wird durch die Darstellung der Bilder als eingeklebte Postkarten eindrucksvoll transportiert. Während die Aquarellzeichnungen, den gut verständlichen Text begleitend, Situationen im Zirkusalltag zeigen, vermitteln Briefmarken aus aller Herren Länder die Rastlosigkeit des Zirkuslebens, in dem diese mächtigen Tiere unweigerlich eingebunden sind.

Das Buch endet schließlich heiter. Optisch durch ein Plakat, das das Kommen des Zirkus ankündigt und auf dem kettenlose, glückliche Elefanten in den unterschiedlichsten Sprachen als einzigartig angepriesen werden. Textlich mit der Vorstellung des Jungen, der Elefant werde Spaß am Herumreisen entwickeln, weil er den Kindern nun freiwillig Freude bringen kann.

Klingt nach schwerer Kost, ist es aber nicht. Sicher stimmt diese Tiergeschichte stellenweise nachdenklich und trotzdem ist die Botschaft so kindgerecht verpackt, dass keiner die Lust am Lesen und Gucken verliert. Im Gegenteil. Wenn man die Antwort auf die Frage kennt, hat man endlich Zeit den Zauber der Geschichte in aller Ruhe erneut auf sich wirken zu lassen. Den Besuch im Zirkus wird dieses eindringliche Buch nicht verderben, aber fortan wird man die Elefanten in der Manege mit anderen Augen sehen.

Fazit:

Dieses eindringliche Bilderbuch nimmt uns mit in die Welt der Manegen und Gaukler und trägt gleichzeitig eine große Botschaft zwischen den Zeilen, die Kindern so häufig wie möglich vermittelt werden sollte: Habe Selbstvertrauen und verliere nie den Mut, es erneut zu versuchen.

Gabriele Jansen

 

Wie der Elefant die Freiheit fand

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